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National

Hannover 96 droht Aufsichtsratsmitglied nach dessen einstweiliger Verfügung

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 06. November 2017
Quelle: imago

Für Hannover 96 und Martin Kind sind es aktuell unruhige Zeiten. Der Vereinspräsident muss sich gleich in mehreren Fällen gerichtlich äußern, die Kapitalgesellschaft versucht ihm unterdessen mit fragwürdigen Methoden den Rücken frei zu halten.

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Wie die Interessengemeinschaft „Pro Verein 1896“ berichtet, erhielt der Rechtsanwalt und Mitglied des Aufsichtsrats vom Verein Hannover 96, Ralf Nestler einen Brief vom Verein, welcher ihm „zivilrechtliche und strafrechtliche Folgen“ androht. Der Brief wurde auf dem offiziellen Briefpapier der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA verfasst, jedoch nicht persönlich unterschrieben. Zum einen verstößt diese Einmischung in Vereinsangelegenheiten gegen den Grundlagenvertrag, zum anderen ist es laut IG eine „völlig unbegründete Diskreditierung“ eines kritischen Aufsichtsratmitglieds.

Auslöser des Ganzen war eine von Nestler beantragte einstweilige Verfügung gegen die Vereinsübernahme. Er begründete diese Maßnahme mit seiner Verpflichtung als Aufsichtsrat die Vereinsinteressen zu wahren und insbesondere das Vereinsvermögen zu schützen. Dieses wurde bereits durch die Teilübernahme von Kind in Gefahr gebracht. Kind bezahlte für 51 Prozent der Vereinsanteile den Schnäppchenpreis von 12.750 Euro, ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly beziffert den Wert jedoch mit mindestens 10 Millionen Euro. Auch der ehemalige DFL- Geschäftsführer Christian Müller nennt den von Kind gezahlten Preis „unvertretbar“ und bekräftigt so indirekt das Vorgehen von Nestler.

Weiteren Druck bekommen Kinds Übernahmepläne von einem internen Gutachten des DFB, welches mehreren Medien vorliegt. So soll Kind mit seinen Übernahmebestreben bereits 2008 gegen die 50+1-Auflagen der DFL verstoßen haben. Streitereien gibt es zudem innerhalb der Gesellschafter. Matthias Wilkening, Leiter eines Klinikums bei Hannover, hält 11,4 Prozent Anteile an der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA und strebt eine Änderung bei der Zinsausschüttung an. Aktuell werden diese mit Verlusten der Kapitalgesellschaft verrechnet, Wilkening möchte die Zinsen jedoch zukünftig ausgezahlt bekommen. Laut kicker geht es um eine sechsstellige Summe, verhandelt wird auch hier vor Gericht.