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National

Greuther-Fürth-Fans fordern Absage von RB-Testspiel

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Oktober 2015
Quelle: imago

Kurzfristig angesetztes Testspiel gegen RB Salzburg – wenn man nicht gerade eine Dependance des gemeinsamen Mutterkonzerns ist, birgt ein solcher Satz auf der Homepage Zündstoff. Auch die Fürther Fanszene, bisher um einen durchaus differenzierten Umgang mit dem „Problemverein“ RB Leipzig bemüht, hält nichts von einem Testspiel gegen einen Klub des Kraftbrausekonzerns.

Die Sportfreunde Ronhof regen in ihrer Stellungnahme zu breitem Protest bei der Vereinsführung an. Zwar lobt die Gruppe ausdrücklich das Engagement des Zweitligisten, der zuletzt mit der Nicht-Teilnahme an der Bild-Aktion für Flüchtlinge erneut ein gutes Gespür für Faninteressen bewiesen habe, ein Testspiel gegen RB Salzburg käme dennoch einem Schlag ins Gesicht gleich. „Wir müssen nicht mit aller Gewalt gegen den Strom schwimmen, aber wir sollten auch nicht jeden Scheiß mitmachen! Egal ob BILD oder Red Bull. Das braucht beides niemand!“

Dass der Protest allerdings Erfolg hat, ist zu bezweifeln: Die Partie soll bereits am morgigen Donnerstag um 17 Uhr in Heimstetten über die Bühne gehen.

 Die Stellungnahme der Sportfreunde Ronhof im Wortlaut:
Sportfreunde beziehen Stellung: NEIN! Zum Freundschaftsspiel gegen RB Salzburg!
Einer kleinen Erfolgsstory folgte nun ein kleiner Nackenschlag. Eine deftige, verdiente Heimpleite gegen
den VFL Bochum setzte es zum Start der legendären Fürther Kärwa. Bitter!

Doch noch viel bitterer stößt nun ein Vorgang auf, den wir nicht unkommentiert stehen lassen können und so auch nicht untätig bleiben dürfen. Und dazu fordern wir alle Klaablatt-Fans auf, ihre Stimme zu erheben.

Die SpVgg vereinbarte ein Testspiel gegen das Dosenkonstrukt, Filiale Salzburg!

Seit dem das Brauseimperium in den Fußballsport einstieg, beobachten wir dies bekanntermaßen mit kritischem Auge. Dennoch beteiligten sich die Sportfreunde Ronhof nicht an Aktionen wie der Initiative „Nein-zu-RB“. Wie immer suchten wir mit Euch und auch anderen Fanklubs den eigenen Weg, hinterfragten auch andere Formen von Investoren bei Fußballvereinen, und verglichen diese mit dem Konstrukt RB. Dennoch können auch wir und die Fürther Anhängerschaft mit RB nichts anfangen und verachten dieses künstliche Gebilde. Regeln zu brechen ist das Eine, und leider auch aktuell in der Wirtschaft ein scheinbares Gang und Gäbe. Red Bull verarschte sämtliche Gremien der Vereinsgebung und deren Verbände, kaufte sich ein um Regularien zu brechen bzw. „legal“ zu umgehen. Die Geschichte ist weitgehend bekannt, und muss hier nicht nochmals weiter ausgebreitet werden. Denn der Kern dieser Mail an Euch ist ein anderer, der in Bezug zu Red Bull und diesem Spiel steht.

Am Donnerstag, den 08.10.2015 tritt das Kleeblatt in Heimstetten zu einem Testspiel gegen Red Bull Salzburg an (Anstoß 17:00h).

Für uns kommt diese Begegnung einem Schlag ins Gesicht gleich!

Wir als Sportfreunde Ronhof e.V. und als Teil der aktiven Fanszene hatten in den letzten Monaten viel erreicht und auf den Weg gebracht. So pflegten wir stets unsere Anliegen auf kurzen Wegen und in offenen Gesprächen mit dem Verein zu erläutern und so die Sicht der Fans und deren Interessen zu vertreten. Es bedurfte keiner großen Berichterstattung oder Dokumentation. Bestes Beispiel war die unsägliche Aktion der BILD. Auch hier folgte der Verein dem Ansinnen der Fans, sich nicht an dieser fragwürdigen Kampagne zu beteiligen. Gerade hier war auch ein dickes Lob fällig, sitzt doch unser Präsident Helmut Hack im Vorstand der Deutschen Fußball Liga DFL. Sicher keine einfache Entscheidung für einen Präsidenten. Umso mehr freuten wir uns, als klar wurde, die SpVgg mache hier nicht mit und läuft ohne dem Logo dieser Kampagne auf. Alles ohne großartigem Aufhebens nach außen.

Betrachtet man weitere Zusammenarbeit mit anderen Themen wie Stadionbau, Trikots, Stadionnamen etc. wähnten wir uns auf einem guten Weg, was die Berücksichtigung der Faninteressen der SpVgg und der Vereinsführung mit deren wirtschaftlichen Zwängen anbelangt.

Natürlich ist dies alles nicht vergessen und nun ad Acta gelegt. Doch vielleicht verhielten wir uns in der Thematik Red Bull doch nach außen hin als zu ruhig und müssen hier Selbstkritik üben. Der Hintergrund ist der, dass man sich gegen die Angangs übliche Boykottierung bei Spielen in Leipzig aussprach mit dem Gedanken, was wäre, wenn es am Ende einer Saison wäre und es dann um Auf- oder Abstieg ginge? Und prompt kam es auch so! Wir bezweifeln weiterhin, dass auch große Fanszenen dann an diesen Boykott gehalten hätten! Vielleicht hatte dies den Anschein erweckt, Red Bull wäre kein größeres Thema mehr in Fürth. Doch im Gegenteil! Ein (auch noch freiwilliges) Abkommen mit einer Mannschaft der Dosenkette ist für uns mehr als unakzeptabel. Es steht auch eine These im Raum, dass dieses Testspiel im Zuge des Wechsels des Spielers Robert Zulj von RB Salzburg zur SpVgg vertraglich fixiert wurde, Auch dies ist für uns einfach kein Grund! Vielleicht ist dies nun eine neue Masche von Red Bull, da man sich schon länger schwer tut, Testspielgegner zu finden, ohne massive Gegenwehr zu erhalten? „Erkauft“ man sich nun auf diesem Wege Testspielgegner? Frei nach dem Motto: Der Spieler bleibt auch hier auf der Tribüne wenn es kein Testspiel beim Wechsel gibt……?!

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Gerade als kleinerer Verein, der um jeden Cent kämpfen muss, sich alles selbst erarbeitet, sich mühsam mit seiner Fanszene zusammenrauft, der sich selbst angeblich „neu erfinden“, „familiär“ und „anders“ sein will, dessen oberstes Gremium in Ligaentscheidungen eingebunden ist und so eigentlich erst Recht verstehen sollte, wieso dieses Werbespektakel RB bei den anderen Vereinen und deren Anhänger auf so wenig Akzeptanz stößt… Dies alles macht es umso unverständlicher, auch noch freiwillig ein Spiel gegen diese Maschinerie zu vereinbaren. Und sei es nur zu Testzwecken!

Sportfreunde, Kleeblattfans, Fußballinteressierte, schreibt euren Unmut! Teilt unserem Kleeblatt mit, dass so ein Spiel – auch noch auf freiwilliger Basis – für jeden Fußballfan nicht hinnehmbar ist!

Es wäre für uns nun nicht richtig, prinzipiell böse Absicht den Verantwortlichen zu unterstellen. Es allerdings nur mit Gedankenlosigkeit zu begründen, wäre jedoch wohl auch zu einfach. Wir dachten, man weiß inzwischen wie die Szene in Fürth tickt. Scheinbar ist dem (noch) nicht ganz so!

Es erreichten uns seit Bekannt werden dieser Begegnung am Donnerstag (öffentlich wurde die Partie erst heute, dem 05.10.) bereits viele Nachrichten, die wohl auch nicht ganz jugendfrei sind. Umso wichtiger ist es nun, sich bestimmt und vehement zu wehren, ohne den Weg des Dialogs zu verlassen. Für einen offenen Dialog innerhalb von zwei Tagen ist die Zeit allerdings extrem kurz. Deshalb bitten wir jeden von Euch um Mithilfe. Ein Spiel
Sendet eure Mails an folgende Mailadresse:

Fanbetreuung: heckel@greuther-fuerth.de

benninger@greuther-fuerth.de

Direktor Profifußball: mutzel@greuther-fuerth.de

Geschäftsführung: schwiewagner@greuther-fuerth.de

Wir müssen nicht mit aller Gewalt gegen den Strom schwimmen, aber wir sollten auch nicht jeden Scheiß mitmachen! Egal ob BILD oder Red Bull. Das braucht beides niemand! Es wäre wünschenswert, das unsere SpVgg weiter dazu lernt und von sich aus solche dinge auch offen ablehnt.

Sportfreunde Ronhof e.V.

Der Block 12 hat sich in einer Stellungnahme ebenfalls klar gegen
ein Testspiel gegen RB Salzburg ausgesprochen:

Am Montag gab die Spielvereinigung bekannt, dass am kommenden spielfreien Wochenende ein Testspiel gegen Red Bull Salzburg im Landkreis München stattfinden wird. Wir sind bewusst nicht Teil der „Nein zu RB-Kampagne“, weil der Inhalt der dort getätigten Kritik oft genug ihren Namen nicht verdient. Das heißt jedoch nicht, dass wir kein Problem mit Red Bull Leipzig oder Red Bull Salzburg haben. Sie sind scheiße. Sie sind nicht das Übel schlechthin, sondern Teil einer Welt, zu deren Grundprinzipien es gehört, jeden Lebensbereich der Verwertbarkeit und Profitmaximierung zu unterstellen. Es ist kein Geheimnis, dass Red Bull dabei knallhart geschäftsorientiert vorgeht und beispielsweise wie im Fall Salzburg nicht davor zurückschreckt, einen Verein mit vielen Fans von oben bis unten bis zur Unkenntlichkeit umzukrempeln.

Innerhalb unserer Gruppe haben wir momentan keine einheitliche Position zu der Frage, wie mit Red Bull und darüberhinausgehenden Entwicklungen umzugehen ist. Wir wollen auch garnicht so tun, als hätten wir ein Patentrezept. Dass die Verantwortlichen der Spielvereinigung jedoch freiwillig ein Testspiel mit Red Bull Salzburg vereinbaren, ganz egal, ob nun im Rahmen eines Spielertransfers oder aus der Laune heraus, können wir nur ablehnen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, diese Entscheidung rückgängig zu machen und das Testspiel abzusagen!