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National

Goslarer SC: Nazi-Vorwürfe gegen Ordnungsdienst

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 03. April 2014
Quelle: imago

Die Fangruppierung „Upper Class“ prangert an, dass der Goslarer SC ein Gesinnungs-Problem mit seinem Ordnungsdienst habe und versucht nun mit den Gang an die Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für die rechte Szenerie beim Sicherheitspersonal zu schaffen.

Die Anhänger des Regionalligisten haben am Dienstag eine Stellungnahme auf ihrer Homepage veröffentlicht, in der sie auf offenbar nicht zu übersehende rechtsradikale Tendenzen beim Ordnungspersonal des Regionalligisten hinweist. Nicht nur, dass die betreffenden Personen im Internet ihre Gesinnung offen zur Schau trügen, auch bei den Heimspielen würden sie mit eindeutig rechten Modemarken wie „Thor Steinar“ oder der Aufschrift „Good Night Left Side“ auflaufen, heißt es in dem Schreiben.

Nachdem die „Upper Class“ daran gehindert worden sei, sich mit Spruchbändern und Bannern gegen rechtes Gedankengut zu positionieren habe die Gruppe zunächst mit einem Stimmungsboykott, später mit dem Verlassen des Stadions reagiert. Der Vereine habe zwischenzeitlich zwar beteuert sich der Problematik anzunehmen, da Konsequenzen bisher aber ausgeblieben seien, fühle sich die Gruppe in ihrem Anlegen nicht ernst genommen und sucht nun den Weg über eine breitere Öffentlichkeit.

Nachfolgend die gesamte Stellungnahme im Wortlaut:

Bei den ver­gan­ge­nen Spie­len un­se­res Gos­la­rer SC am hei­mi­schen Os­ter­feld­sta­di­on fan­den sich unter dem an­we­sen­den Ord­nungs­per­so­nal be­dau­er­li­cher­wei­se meh­re­re Per­so­nen aus der lo­ka­len Neo­na­zi-​Sze­ne. Jene Per­so­nen ma­chen aus ihrer na­tio­na­lis­ti­schen Ge­sin­nung kei­nen Hehl, posen im In­ter­net unter an­de­rem mit Reichs­kriegs­flag­gen, liken bei Face­book rechts­ra­di­ka­le Bands und Lie­der­ma­cher wie „Faust­recht“, „An­nett Mül­ler“, „Micha­el Re­ge­ner“ sowie ein­schlä­gi­ge rech­te On­line­shops. Auch im Sta­di­on selbst stel­len sie ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie in Form von „Good Night Left Side“ Pul­lis sowie Kla­mot­ten der rech­ten Mo­de­mar­ke „Thor Stei­nar“ offen zur Schau, wie zu­letzt beim Spiel gegen die Ama­teu­re des HSV.

Nach eben jenem Spiel hiel­ten sich be­sag­te Per­so­nen nach Ab­pfiff noch ei­ni­ge Zeit am und im Ver­eins­heim am Os­ter­feld auf, wo sie von cou­ra­gier­ten GSC-​Fans auf­ge­for­dert wur­den, das Ge­län­de zu ver­las­sen oder die ge­nann­ten Sze­ne­kla­mot­ten aus­zu­zie­hen. Dar­auf­hin wur­den ei­ni­ge un­se­rer Grup­pen­mit­glie­der se­xis­tisch be­lei­digt und ihnen Schlä­ge an­ge­droht. Kurze Zeit spä­ter ver­lie­ßen die Ord­ner_in­nen das Vereins­heim.

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Da sol­che Zu­stän­de für uns un­halt­bar sind und ein sol­ches Auf­tre­ten des Ord­nungs­per­so­nals den ge­sam­ten Ver­ein in ein schlech­tes Licht rückt, such­ten wir nach die­sem Vor­fall um­ge­hend das Ge­spräch mit den Ver­ein­s­of­fi­zi­el­len, wel­che uns zu­si­cher­ten, dass sie sich um die An­ge­le­gen­heit küm­mern wür­den.

Beim dar­auf fol­gen­den Heim­spiel wur­den jene Per­so­nen wie­der als Ord­ner_in­nen ein­ge­setzt, wor­auf wir beim Spiel in St. Pauli mit einem Spruch­band re­agier­ten, wel­ches uns ge­gen­über spä­ter von einem Verein­s­of­fi­zi­el­len mit dem Spruch „Wir sind doch alle Fa­schis­ten“ kom­men­tiert wurde. Er­neut such­ten wir das Ge­spräch mit dem Ver­ein, be­ka­men al­ler­dings le­dig­lich zu hören, dass es sich bei den be­sag­ten Ordner_in­nen ja gar nicht um Rech­te han­deln würde.

Da wir uns in die­ser ge­sam­ten Si­tua­ti­on sei­tens des Ver­eins nicht ernst ge­nom­men fühl­ten, be­schlos­sen wir beim Heim­spiel gegen den SV Mep­pen durch einen Stim­mungs­boy­kott und ein ent­spre­chen­des Spruch­band am Zaun auf die Pro­ble­ma­tik auf­merk­sam zu ma­chen.

Be­reits beim Auf­hän­gen des Spruch­bands kam eine der ge­nann­ten Ord­ner_in­nen wut­ent­brannt auf uns zu und for­der­te das so­for­ti­ge Ent­fer­nen des Spruch­ban­des. Die­ser Auf­for­de­rung kamen wir al­ler­dings nicht nach, da wir es für unser le­gi­ti­mes Recht hal­ten, akute Miss­stän­de im Ver­ein pu­blik zu ma­chen. Dar­auf hin kamen fünf wei­te­re Ord­ner_in­nen um das Spruch­band zu ent­fer­nen. Als wir ver­such­ten das Ge­spräch zu su­chen und nach einer Be­grün­dung zu fra­gen, wur­den wir so­fort be­drängt und ge­schubst. Unter der An­dro­hung von Sta­di­on­ver­bo­ten, sowie Be­lei­di­gun­gen, wurde die Ta­pe­te her­un­ter­ge­ris­sen und in den nächs­ten Müll­ei­mer ver­frach­tet. Hier­bei fiel unter an­de­rem der Satz: „So ´nen po­li­ti­scher Mist kommt run­ter. Sowas zeigt ja wie krank ihr im Kopf seid“.

Nach die­sem Vor­fall ver­lies­sen wir den Block F und ver­folg­ten das Spiel noch bis zur Halb­zeit aus Block B und ver­lie­ßen schließ­lich ganz das Sta­di­on.

Wir for­dern die Ver­ant­wort­li­chen des Ver­eins noch­mals ein­dring­lich auf, end­lich zur ge­nann­ten Ord­ner-​Pro­ble­ma­tik Stel­lung zu be­zie­hen und die nö­ti­gen Kon­se­quen­zen zu zie­hen, an­statt uns in un­se­rem an­tiras­sis­ti­schen En­ga­ge­ment zu be­hin­dern und die Vor­fäl­le her­un­ter zu spie­len.

Neo-​Na­zis und rechts­ra­di­ka­les Ge­dan­ken­gut haben weder beim Ord­nungs­dienst, noch im Ver­ein, der Mann­schaft, der Fan­sze­ne oder sonst wo im Fuß­ball etwas ver­lo­ren!

Love Null Acht – Hate Fa­scism.
Up­per­class Gos­lar,
April 2014