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National

Gewerkschaft der Polizei widerspricht Jäger

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 26. September 2014
Quelle: imago

Während Nordrhein-Westfalens Innenminister das Pilotprojekt in NRW mit weniger Einsatzkräften bei Nicht-Risikospielen als Erfolg feiert, sträubt sich die Gewerkschaft der Polizei gegen eine Fortsetzung

„Ich bedanke mich bei den vielen tausenden friedlichen Fans. Diese haben ihre neuen Freiräume verantwortungsbewusst genutzt. Das ist ein sehr gutes Signal“, erklärte Jäger heute bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Um rund 21 Prozent sei der Polizeieinsatz bei den Erstligaspielen zurückgegangen. „Ich freue mich darüber, wie engagiert und verantwortungsbewusst die friedlichen Fans mit ihren neuen Freiräumen umgehen“, betonte der Innenminister.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht das hingegen ganz anders: „Wer an die Selbstheilungskräfte der Szene glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert gegenüber Spiegel-Online. Als Gegenbeweis für den Erfolg des Projekts habe die Gewerkschaft „in den vergangenen vier Wochen eine eigenen Statistik geführt“ und führt unter anderem Vorfälle in Osnabrück und Bochum sowie bei Erst– und Drittligaspielen in Dortmund als „schlimme Ausschreitungen“ auf.

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Auch gebe es Hinweise, dass einige Fan-Gruppierungen sich nur aus strategischen Gründen zurückgehalten hätten, um sich Freiräume zu verschaffen. Vor diesen Hintergründen könne die GdP eine Verlängerung des Projkets „auf keinen Fall hinnehmen“, sagte GdP-Chef Plickert bei Spiegel-Online. 

Bei einer anderen Polizeigewerkschaft, der DPolG (Deutsche Polizeigewerkschaft), ist man hingegen ganz auf Jägers Seite: „Die erste Bilanz zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte der DPolG-Vorsitzende in NRW, Erich Rettinghaus, gegenüber Spiegel-Online. Und auch Sebastian Fiedler, sein Amtskollege vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, äußerte sich ähnlich überzeugt: „Es ist richtig und wichtig, weniger Polizisten bei Fußballspielen einzusetzen und sich zugleich stärker auf die Intensivtäter zu konzentrieren. Nur diese Doppelstrategie kann auf lange Sicht erfolgreich sein.“

Wie es scheint, steht die GdP mit ihrer Einschätzung also ziemlich allein auf weiter Flur.

fn