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Hintergründe

„Gewalt untereinander kann der Verein nicht akzeptieren.“

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 26. Juli 2014
Quelle: imago

Bei der Fortuna aus Düsseldorf liefen in der letzten Saison einige Dinge schief. Aufgrund eines fußballerisch desaströsen Starts, zwei Trainer-Entlassungen und eines großen Konflikts in der aktiven Fanszene muss man insgesamt ein wenig erfreuliches Fazit ziehen. Zuletzt sah es jedoch wieder besser aus und auch die Mannschaft konnte die Saison noch auf Platz 6 beenden. Fanzeit sprach mit dem „Leiter für Fanangelegenheiten“ Dominik Hoffmeyer über seine Sicht auf die Saison, seine Arbeit und den Reibungen innerhalb der Ultra-Gruppierungen.

Wie fanzeit berichtete, stand die Düsseldorfer Fanszene vor einer schwierigen Zerreissprobe. Seit den Vorfällen beim Auswärtsspiel in Frankfurt gab es angeblich noch einen Übergriff innerhalb der eigenen Fanszene auf dem Rückweg aus Karlsruhe. Stellungnahmen dazu wurden von Ultras Düsseldorf und F95.Antirazzista veröffentlicht, der Block wurde von Dissidenti und Co. gewechselt – die Fanszene war gespalten. In der neuen Saison stehen die Gruppen, die sich F95.Antirazzista zugehörig fühlen, im Block 141/142 der Düsseldorfer Arena.

Aufgrund dieser Vorkommnissen war es uns wichtig, in einem Interview die Einschätzung der aktuellen Lage von einer Person zu erfahren, die sich mit dem riesigen Komplex „Düsseldorfer Fanszene“ auskennt. Dafür befragten wir Dominik Hoffmeyer, der „Leiter für Fanangelegenheiten“ bei Fortuna Düsseldorf ist. Natürlich sprachen wir auch über die generellen Aufgaben seines Jobs, Spielvorbereitungen und wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass er Fanbeauftragter von Fortuna Düsseldorf wurde.

 

Fanzeit: Hallo Dominik, du bist Fanbeauftragter bei Fortuna Düsseldorf. Seit wann bist du das?
Fanbeauftragter bin ich seit dem 01.09.2012 – an meinem ersten Arbeitstag hatten wir gleich das erste Heimspiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach.

 

Wie hat es sich ergeben, dass du Fanbeauftragter wirst? Warst du selber Fan oder hast du eine spezielle Ausbildung / ein spezielles Studium absolviert? War dies dein Hauptberufsziel oder hat es sich „spontan“ ergeben?
Eine spezielle Ausbildung gibt es für Fanbeauftragte nicht. Ich bin Fan von Fortuna Düsseldorf seit 1993. Irgendwann habe ich begonnen mich in der Fanszene zu engagieren und war dann auch für unseren größeren Dachverband, den Supporters Club, Fanordner in der selbstverwalteten Support-Area. Die Stelle des Fanbeauftragten wurde dann zufällig zu einem Zeitpunkt ausgeschrieben, an dem ich auch mein Studium beendet habe, da habe ich mich ganz normal beworben. Auch wenn ich mich natürlich schon länger für Fanthemen interessiert habe, war es sicherlich kein Berufsziel, sondern eher spontan. Mein Studium war auch kein sozialpädagogisches, sondern eines mit den Schwerpunkten IT und Wirtschaft.

 

Wie sieht dein Team aus? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Person für eine solch große Anzahl Fans / solch große Szene ausreicht.
Wir haben bei Fortuna zwei volle Stellen in der Fanbetreuung. Dazu zwei 450€-Kräfte in der Behindertenbetreuung und zwei weitere Unterstützer an Spieltagen. Derzeit haben wir auch noch einen Praktikanten aus der Fanszene bei uns, der es für sein Studium braucht. Außerdem arbeiten wir natürlich eng mit dem sozialpädagogischen Fanprojekt zusammen.

 

Was sind eure generellen Aufgaben?
Wir sind Ansprechpartner für alle Fan-Belange rund um Fortuna Düsseldorf. Wir bereiten also die Spieltage organisatorisch vor und nach. Versuchen im Vorfeld Wünsche der Fans in der Planung zu berücksichtigen, mögliche Probleme auszuräumen, schaffen Verständnis bei Sicherheitsorganen oder anderen Institutionen für Fan-Interessen und kommunizieren die jeweiligen Begebenheiten dann in die Fanszene. Am Spieltag versuchen wir bei allen größeren und kleineren Problemen zu helfen oder zu vermitteln.
Unter der Woche versuchen wir über Arbeitsgruppen und Themenveranstaltungen die Kommunikation zwischen Verein und Fans zu koordinieren. Wir gehen auch regelmäßig zu Fan-Veranstaltungen, ob Fanclub-Treff, Party oder Debatte. Dazu fallen immer wieder vielfältige Sonderaufgaben an.

 

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Was macht ein Fanbeauftragter in der Sommerpause? Womit hast du dich beschäftigt?
Zu Beginn der Sommerpause standen einige Termine zur Vernetzung mit den Fan- und Sicherheitsbeauftragten der anderen Vereine an. Der Austausch außerhalb der Spieltage ist sehr wichtig, damit man Neues lernt und die Gelegenheit hat, sich besser kennen zu lernen, was für die Spieltage sehr hilfreich ist. Dazu natürlich die Saisonvorbereitung, Nachbereitung der letzten Saison und natürlich ist es die einzige Zeit in der man mal Urlaub nehmen kann.

 

Welches war das Spiel, bei dem du am meisten Arbeit hattest und warum?
Die beiden Derbys in der letzten Saison gegen Köln waren am intensivsten. Die Vorbesprechungen begannen Monate im Voraus und das Rückspiel kurz vor Weihnachten hat uns eigentlich ab dem Hinspiel immer wieder beschäftigt.

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Quelle: imago

„Wir haben in Düsseldorf eine stark ausdifferenzierte Fanszene.“

 

Gehen wir mal vom ersten Heimspiel der Saison aus. Die Fortuna spielt gegen Braunschweig. Wann fängst du an, dich mit diesem Spiel zu beschäftigen?
Wir haben drei Wochen vor dem Spiel die erste Anfrage aus Braunschweig bekommen, aber natürlich macht sich auch vorher schon sporadisch Gedanken. Wir wollen auch die Spieltagsabläufe in Düsseldorf immer weiter verbessern und haben uns in der Sommerpause wieder mit Ordnungsdienst und Polizei dazu ausgetauscht.

 

Was genau musst du vor einem (Heim-)spiel machen? Mit welchen Leuten sprichst du? Polizei, Verein, Ultras, Fans?
Wir haben vor jedem Heimspiel ein sogenanntes Verkehrs- und Sicherheitsgespräch, in dem Polizei, Ordnungsdienst, Feuerwehr, Verkehrswacht, Arena-Betreibergesellschaft, das Sportamt der Stadtdüsseldorf und weitere teilnehmen. Neben uns Fanbeauftragten nimmt noch der Veranstaltungsleiter und der Sicherheitsbeauftragte für den Verein an diesen Gesprächen teil. Natürlich sprechen wir auch mit den verschiedenen Fangruppen ob etwas spezielles geplant ist und was eventuell beachtet werden sollte. Am Spieltag spricht man dann mit allen Beteiligten erneut und tauscht letzte Informationen aus.

 

Kommen wir dazu, was passiert, wenn das Spiel losgeht. Wo hältst du dich auf und wie verfolgst du das Spiel – bzw. kannst du es überhaupt verfolgen?
Manche Spieltage sind ruhig, da sieht man viel vom Spiel, andere sind sehr hektisch und man läuft nur hin und her oder führt Gespräche hinter den Blöcken im Umlauf. Das ist sehr unterschiedlich. Ich bewege mich gerne durch das ganze Stadion, gucke mir die Situation in verschiedenen Blöcken an und gucke immer mal wieder aufs Spielfeld.

 

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