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National

Gewalt und Morddrohungen wegen Anti-Homophobie-Banner

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 28. März 2014
Quelle: imago

Dass kaum eine Kurve vor diskriminierenden, homophoben oder rassistischen Stimmen gefeit ist, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch ist der Fall, der nun aus der Fanszene von Borussia Mönchengladbach bekannt wurde, wieder mal besonders erschreckend. Mit der Unterstützung des Gladbacher Fanprojekts hatte die Gruppe „Bisbetica Diva“ in der Nordkurve ein Banner mit der Aufschrift „Fußballfans gegen Homophobie“ befestigt.

Bereits im Stadion versuchten einige Angreifer jedoch mehr oder weniger rabiat, das Stück Stoff zu entfernen. Mutmaßlich sogar eine geplante Aktion. Doch damit nicht genug: Im Nachgang berichtet die „Bisbetica Diva“ in ihrer Stellungnahme sogar von körperlichen Angriffen bis hin zu Morddrohungen.

Nachfolgend die Stellungnahme im Wortlaut:

Wir haben uns lange Gedanken darüber gemacht, ob wir zu den Geschehnissen rund um das Spiel gegen Hertha BSC Berlin Stellung beziehen sollen. wir möchten uns ungern dem Vorwurf aussetzen, das geschehene aus Geltungsbedürfnis veröffentlichen zu wollen. unser anliegen ist vor allem Aufklärung und Stellungnahme.

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Schweigen scheint umso weniger angebracht, als dass die Täter genau das ausdrücklich erzwingen wollten. Zudem wollen wir den Tätern nicht das Gefühl geben, sie befänden sich beim Fußball in einem verantwortungs- und rechtsfreien raum, in dem ihr Handeln keine Konsequenzen nach sich zieht. Wir empfinden es daher als falsch, das Geschehene der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Deshalb machen wir hiermit den bewussten Schritt, eine Teil-Öffentlichkeit zu informieren.

Bereits vor Spielbeginn befanden wir uns unter Beobachtung. Unmittelbar nach unserer Aktion zum einlaufen der Teams erfolgte ein Angriff im Stadion auf uns, bei dem mehrfach versucht wurde, uns das Banner zu entwenden. das beherzte Eingreifen von Ordnungskräften konnte dies verhindern. Wir vermuten stark, dass dies eine geplante Aktion war, da vor jedem der Eingänge zu unserem Block entsprechende Personen positioniert waren. Wir entschlossen uns daraufhin, das Stadion 10 Minuten vor Abpfiff zu verlassen, um weiteren Angriffen zu entgehen. Am Fanhaus wollten wir das geschehene mit dem Fanprojekt besprechen. Dort angekommen, wurden wir von einer Gruppe von Personen gestellt, bedroht und körperlich angegangen. Neben Platzverweisen, Stadionverboten und Fahnenverboten wurden u.a. mehrfach Morddrohungen und Erpressungen ausgesprochen. Deeskalation unsererseits führte zu vermehrter Aggression.

Wir stehen in engem Kontakt mit Fanbeauftragten und Fanprojekt sowie uns befreundeten Gruppen, um das Geschehene aufzuarbeiten. Wir sind eine kleine Gruppe, die Gewalt in jeder Form verurteilt und sich gegen Diskriminierung jeglicher Art in Borussias Szene einsetzen möchte, um so Fußball für alle zu bereichern. Hierbei geht es nicht um Politik, sondern um zivilgesellschaftliche Gundwerte und gesunden Menschenverstand.

Borussia ist für alle da! Sapere aude.

bisbetica diva