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National

Geisterspiel für Schmährufe gegen Spieler

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 20. April 2015
Quelle: imago

Der Sächsische Fußballverband hat ordentlich einen rausgehauen. Waren Geisterspiele bislang noch vermeintlich einschlägig vorbestraften Wiederholungstätern vorbehalten, ist Landesligist BSG Chemie Leipzig nun zu einem Spiel unter Ausschluss von Zuschauern verurteilt worden, weil – bitte anschnallen – Fans einen Spieler angepöbelt haben! Eine Geschichte ohne Pointe.

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Nico Merseburger, Stürmer des FC Grimma, musste sich wohl einiges anhören. Chemie-Fans sollen ihn angeschrien haben, an jenem 21. Februar dieses Jahres. Ein Anhänger sei sogar auf den Zaun gestiegen, berichten Augenzeugen. Anlass genug für Schiedsrichter Christian Mörschke, die Partie kurz zu unterbrechen. Heute sind sich im Grunde alle einig, dass die Ordner die Situation unter Kontrolle hatten, selbst der Verband ließ das durchaus anklingen. Allein die Gefahr, dass Fans den Innenraum hätten betreten können, reichte dem SVF aber offenbar aus, um schwerste Geschütze aufzufahren. 2.000 Euro Geldbuße – für einen Landesligisten durchaus saftig – und ein Geisterspiel müssen die „Chemiker“ nun absitzen.

Ein Urteil, das der Verein wohl nicht auf sichberuhen lassen möchte, schließlich liest sich die Urteilsbegründung fadenscheinig, zudem kann die Strafe dem Vergleich mit anderen, ähnlich gelagerten Vorfällen kaum standhalten. Es ist schließlich nicht zuviel gesagt, dass die bloße „Schmähung“ eines gegnerischen Spielers Bestandteil nahezu jedes Fußballspiels vor einer nennenswerten Kulisse ist. Insofern wird es interessant sein, wie der Sächsische Fußballverband sein Urteil verteidigt, falls Chemie Berufung einlegt. Bis zum Freitag dieser Woche wäre dafür Zeit.