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National

Gastfreundschaft sieht anders aus

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 27. Oktober 2016
Quelle: imago

Mehr als 10.000 Fans von Union Berlin sorgten am Mittwochabend für eine beeindruckende Pokal-Atmosphäre im Dortmunder Westfalenstadion. Die dort heimische Borussia konnte sich dabei jedoch leider nicht als guter Gastgeber auszeichnen. Ein Kommentar unseres Gastautors Kim Martin Heeß.

In der heutigen Zeit der Kommerzialisierung und Tristesse mit Plastikclubs und Klatschpappen war die 2. Runde des DFB-Pokals eine willkommene Abwechslung. Partien wie Gladbach-Stuttgart, St.Pauli-Hertha oder auch Dortmund-Union boten dem geneigten Fußballfan viele Möglichkeiten zur Gestaltung der Abendunterhaltung. Dass diese nur im Pay-TV zu sehen waren, ist eine andere – traurige – Geschichte.

Dass an einem Mittwochabend mehr als 10.000 Berliner den weiten Weg nach Dortmund auf sich nehmen, drei Sonderzüge einsetzen und der Club mit Regenjacken für alle Auswärtsfahrer eine grandiose „Rote Wand“ zaubert, ist nicht selbstverständlich. Daher sollte man vonseiten des Heimvereins schon eine gewisse Gastfreundschaft erwarten dürfen.

Als bekennender BVB-Fan habe ich mich gestern aber einfach nur geschämt. Wofür?

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1. Die Gäste im Bereich Nord mussten durch einen kleinen Eingang mit nicht einmal 10 Drehkreuzen, was zu erheblichen Verzögerungen führte. Trotz Verschiebung des Anpfiffs um 15 Minuten war ein Großteil der Gäste erst weit nach Spielbeginn im Stadion.

2. Die Einlasssituation mit getrennten Zugängen für Heim- und Auswärtsfans war vollkommen unnötig, da sich alle Anhänger (auch Gäste) hinter den Drehkreuzen zu Bier und Bratwurst treffen konnten, ein separater Einlass war damit also ohne Zweck.

3. Aufgrund wilder Gerüchte um ein bevorstehendes Pyro-Inferno verbot Borussia Dortmund den Gästefans nahezu alle Fanutensilien.

4. Tausende Unioner haben sich auf das Spiel im größten Stadion Deutschlands gefreut, ein Mal die berühmte Süd erleben, Champions-League-Atmosphäre schnuppern. Diese war auch vorhanden. Allerdings nur wegen der Berliner. Der Heim-Support war lange nicht mehr so schlecht, wahrscheinlich waren alle mit Gedanken schon beim Derby am Samstag. Den Pokal gegen einen Zweitligisten kann man ja mal nebenbei erledigen. Ganz schwach.

Die Eisernen haben 120 Minuten für tolle Atmosphäre gesorgt und waren alles in allem super Gäste. Ein guter Gastgeber war der BVB zum Großteil leider nicht.