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Fürther Ultras rechnen mit dem modernen Fußball ab

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 26. Juni 2017

RB Leipzig in der Champions League, eine China-Auswahl in der Regionalliga Südwest, dazu vorgeschlagene Regeländerungen — für Fußballromantiker waren die letzten Wochen wirklich nicht leicht. „Jetzt ist Schluss“, rufen daher die Horidos 1000, Ultras der SpVgg Fürth. In einem flammenden Appell rechnen sie mit dem modernen Fußball ab und fordern alle Fans zu Protesten auf. 

Nachfolgend der Appell der Horidos 1000 im Wortlaut: 

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Dass sich der moderne Fußball schon seit Jahren immer weiter von unserer romantischen Idealvorstellung entfernt, ist allgemein bekannt, ebenso ist es traurige Wahrheit, dass sich der (Profi-)Fußball kapitalistischen Logiken unterwerfen muss. Dies ist zwar äußerst bedauerlich, jedoch haben wir uns alle mit dieser Tatsache bis zu einem gewissen Grad abgefunden. Anders wäre es auch gar nicht möglich, einen Profiverein wie die Spielvereinigung zu unterstützen. Jedoch häufen sich in den vergangenen Wochen Entwicklungen, die absolut unter keinen Umständen hinnehmbar sind, und deswegen ist es jetzt an der Zeit, den Mund aufzumachen und etwas dagegen zu unternehmen. Jetzt ist Schluss! Jetzt muss der Protest forciert werden! Denn der Fußball ist in Gefahr und wir glauben, dass vielen diese immense Gefahr nicht einmal ansatzweise bewusst ist. Und wenn wir jetzt nichts dagegen unternehmen, tragen wir eine Mitschuld an dem, was in den kommenden Jahren passieren kann.

Gestern Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass die Regionalliga Südwest durch eine Mannschaft aus China aufgestockt werden soll. Mancher hielt es für eine unglückliche Formulierung und ging davon aus, dass irgendein Verein womöglich einen chinesischen Investor für sich gewinnen konnte, was schon schlimm genug gewesen wäre. Nach den ersten Zeilen wurde aber klar, dass eine Auswahl aus China außer Konkurrenz antreten soll – wohl nur der Anfang von einer inakzeptablen Entwicklung. Worin das Problem liegt? Es geht schlicht und ergreifend nur um Geld. Das deutsche „Produkt“ Fußball kann leichter in China vermarktet werden und seitens der Vereine dürfte auch nur geringer Widerstand zu erwarten sein, schließlich lockt eine Prämie von 15.000 Euro pro Testspiel gegen die chinesische U20. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Derartiges in großem Stil auch in den höheren Spielklassen praktiziert wird. Allgemein ist zu konstatieren, dass vor keiner Methode zurückgeschreckt wird, um mit dem „Produkt“ neue Märkte zu erschließen und Profite zu generieren. Wenn sich dagegen kein Widerstand formiert, darf man sich auch nicht beschweren, wenn eines Tages Spiele in Ländern, in denen es lukrativ ist, ausgetragen werden. Abwegig ist das keinesfalls, so fand zum Beispiel das italienische Supercoppa-Finale 2016 im Katar statt.
Doch es könnte noch wesentlich schlimmer kommen. Das International Football Association Board (IFA), welches für das Regelwerk der FIFA zuständig ist, möchte im März 2018 über neun Regeländerungen abstimmen, von denen vor allem die erste eine gravierende Veränderung darstellen würde. Diese besagt nämlich, dass die Spielzeit von zweimal 45 auf zweimal 30 Minuten verkürzt, dafür aber auf Netto-Spielzeit umgestellt werden soll. Dass die primäre Intention dieses Vorschlages darin besteht, eine immer gleiche effektiv gespielte Zeit bei jeder Partie zu gewährleisten, dürften auch nur Menschen glauben, die vor Naivität strotzen. Vielmehr würde diese Regelung Werbung während der Unterbrechungen Tür und Tor öffnen. Resultat wäre ein bis zum Erbrechen durchkommerzialisierter und eventisierter Fußballsport, der vieles verloren hätte, was ihn von anderen Sportarten wie Basketball oder Eishockey noch positiv unterscheidet.

Wir könnten noch weitere Beispiele wie die Debatte um die Einführung der Torlinientechnik oder die Tatsache, dass nun auch der Red-Bull-Ableger aus Leipzig in der Champions League antreten darf, ausführen, aber wir denken, dass ihr bereits begriffen habt, worum es im Großen und Ganzen geht. Nämlich darum, dass dieser Sport immer mehr Züge annimmt, die untragbar sind und gegen die nur eine groß angelegte Protestwelle eine Chance hat, etwas zu verändern. Deswegen ist es an der Zeit, nicht mehr zu schweigen und sich Gedanken zu machen, wie unsere Forderungen Gehör finden und wie wir diesem Wahnsinn Einhalt gebieten können.

Was bleibt abschließend zu sagen? Leider ist die Kommerzialisierung natürlich bei weitem nicht das einzige große Problem, mit dem wir Ultras und aktiven Fans uns befassen müssen. Denn auch die staatliche Repression uns gegenüber wird immer unerträglicher und immer mehr versucht man, uns die Kehle zuzuschnüren. Bestes Beispiel dafür ist das am Donnerstag klammheimlich beschlossene Gesetz des Bundestages, welches es dem Staat in Zukunft ermöglicht, Handys und Computer von Personen, die bestimmte Straftaten begangen haben, zu hacken und die kompletten Daten auszuwerten. Die Liste der Straftaten ist extrem lang und beinhaltet unter anderem diverse Delikte, welche uns im Fußballkontext sehr schnell vorgeworfen werden können. Begreift deshalb, in welcher Gefahr sich sowohl unser geliebter Sport als auch die Ultràbewegung befinden! Wer weiß, wie lange wir an diesem ganzen Zirkus namens Fußball noch partizipieren können. Genießt deshalb jede Sekunde im Block, in der wir uns in den winzigen Freiräumen, über die wir verfügen, noch ausleben können! Und viel wichtiger: Macht den Mund auf, nehmt diese ganze Scheiße nicht einfach wortlos hin!