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Hintergründe

Führungs- aber kein Richtungswechsel bei „Hooligans gegen Salafisten“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 23. Oktober 2014

Am Sonntag wird die ominöse Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ ihren vorläufigen Höhepunkt erleben: Für die Demonstration auf der Kölner Domplatte haben sich inzwischen auf Facebook knapp 6.500 Teilnehmer angekündigt. Derweil kämpft die Gruppe aber immer mehr damit, ihre vordergründig unpolitische Fassade aufrecht zu erhalten.

Würden nicht die inzwischen tausenden Einlassungen allein in den verschiedenen Facebook-Gruppen nicht ausreichend Aufschluss darüber geben, welch Geistes Kind die überwiegende Mehrheit der „Hooligans gegen Salafisten“ ist, spätestens dass Rechtspopulist Dominik Roeseler die Veranstaltung in Köln angemeldet hat, entlarvt des Pudels Kern. Doch dessen Parteifreunde von Pro NRW pfiffen den umtriebigen Borussia-Mönchengladbach-Anhänger am Sonntag zurück. In einer offiziellen Stellungnahme distanzierte sich Pro NRW von jeder Zusammenarbeit mit Hooligans und anderen extremistischen Gruppen. Ferner verlautbarte die Partei: „Der stellvertretende Pro-NRW-Vorsitzende Dominik Roeseler zieht sich aus der Leitung der sogenannten “HoGeSa” zurück. Er wird auch die Versammlungsleitung der Kundgebung am 26. Oktober in Köln nicht ausüben.“ Stattdessen wird nun Andreas Kraul, Leiter der Regionalgruppe West der „Hooligans gegen Salafisten“ die Leitung der Kundgebung übernehmen. Seitens der Gruppe versucht man, den Schritt natürlich auch als Statement gegen Parteipolitik zu verkaufen. Der absurde Versuch einer PR-Finte, der auch der Gutgläubigste nicht auf den Leim gehen sollte.

Rechtsrocker von „Kategorie C“ drücken ihre Unterstützung aus

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Wohl wissend um das Gewaltpotenzial, das sich dort unterm Dom zusammenbraut, ruft Ben Müller, seines Zeichens Regionalleiter Süd der „HoGeSa“ derweil dazu auf, unter allen Umständen friedlich zu bleiben. „Es werden mehrere Tausend Leute kommen, es werden nicht nur Hooligans dabei sein, es werden auch Muslime dabei sein, es werden normale Fußballfans dabei sein, es werden normale Bürger hinter uns stehen“, erklärt Müller in einer Videobotschaft. Sogar aus Japan sollen sich Unterstützer angekündigt haben. „Das Ganze ist eine Riesenchance, es wird ruhig bleiben, es wird von unserer Seite keine Gewalt geben. Punkt.“ Nach langer Diskussion habe man sich zudem dazu durchgerungen, nur (aktuelle) Deutschlandflaggen mitzubringen.

Als weniger verblümt gilt die in Neonazi-Kreisen populäre Kombo „Kategorie C“. Die Rechtsrocker haben nun einen Song mit dem Titel „Hooligans gegen Salafisten“ veröffentlicht – den die unpolitische Gruppe neben diversen anderen Inhalten rechstextremen Ursprungs natürlich bereitwillig auf ihrer Seite verbreitet.

Gegendemonstration durchgewunken

Allerdings müssen sich die Demonstranten nun auch auf Protest einstellen. Am Donnerstag hat die Polizei auch eine Gegendemonstration des Bündnisses „Kein Veedel für Rassismus“ genehmigt. Den Veranstaltern wäre jedoch am liebsten, es würde gar nichts stattfinden. Thomas Müller, Pressesprecher des Aktionsbündnisses: „Von Tag zu Tag wird klarer: Das HoGeSa-Treffen in Köln wird eine Veranstaltung, die von Neonazis organisiert wird und zu der vor allem Neonazis und Rassisten erscheinen werden. Wenn tatsächlich eine Demonstration von 2000 (erwarteten) gewaltbereiten Hooligans und Neonazis zugelassen wird, entsteht eine völlig unkontrollierbare und nicht zu verantwortende Situation. Wir fordern die politisch Verantwortlichen der Stadt Köln auf alles zu tun, um diese Veranstaltung zu verhindern. Jeder und jede ist aufgefordert, sich dem braunen Treiben am 26.10. entgegenzustellen.“ Treffpunkt für die Protestkundgebung ist um 14 Uhr. Es wird voll unterm Dom.