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National

„Nichts Politisches“ oder „Spielraum zur Fehlinterpretation“?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 15. Januar 2015

Das Foto, auf dem Mitglieder der Mönchengladbacher Ultras von „Sottocultura“ gemeinsam mit Fans des befreundeten Klubs Politehnica Timisoara posieren, sorgt weiter für Diskussionen. Sowohl Sebastian Novovic, Sprecher des offiziellen Fanverbands „Druckeria“ als auch „Sottocultura“ haben nun Stellung zu dem Bild bezogen, das den Eindruck doch mehr als nahelegte, dass dort mehrere Personen den Hitlergruß gezeigt hatten (Fanzeit berichtete). Die Reaktionen beider Gruppen geht dabei doch erstaunlich weit auseinander.

Novovic will das so nicht stehen lassen: „Wir müssen strengstens klar machen, dass keiner von den deutschen Fans an irgendwelchen Aktionen mit gehobenen Händen beteiligt war.“ Ohnehin sei die Beschuldigung, dass einer der auf dem Bild abgelichteten Personen den Hitlergruß gezeigt habe, „total absurd und aus dem Kontext gerissen. Die zwei gehobenen Hände sind nicht als Hitlergruß zu verstehen, auch sind die beiden gehobenen linken Fäuste nicht als politisch linke Aktion zu betrachten. […] Es handelt sich einfach um die Freude und den Stolz eines Gruppenfotos mit unseren Freunden und nichts anderes – auf jeden Fall nichts Politisches“, heißt es in dem Statement.

Überhaupt basiere die seit nunmehr sechs Jahren gelebte Freundschaft zwischen Fans beider Vereine in keiner Weise auf politischen Gemeinsamkeiten oder Ideologien, sondern auf „Prinzipien, die stets über den für uns unwichtigen politischen Rahmen“ hinausgehe. Die Südkurve Timisoara und die Nordkurve Mönchengladbach seien beide komplett „apolitisch“, beteuert die „Druckeria“.

Sottocultura entschuldigt sich für „schlechtes Licht“, das auf die Nordkurve geworfen wurde

Ganz so harmlos findet zumindest Borussia Mönchengladbachs Fanbeauftragter Thomas Weinmann die Aufnahme aber offenbar nicht. Er spricht von einem „unsäglichen Foto, auf dem sich unsere Ultras haben diskreditieren lassen.“

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Am Donnerstag hat die Gladbacher Ultra-Gruppe schließlich ein eigenes Statement veröffentlicht und macht es sich dabei nicht ganz so leicht. „Um eins vorweg zu nehmen: Wir haben sowohl mit den einzelnen Personen aus Timisoara, als auch mit unseren Leuten, die dort zu Gast waren gesprochen. Beide Seiten bestätigten, dass es sich bei den gehobenen Händen nicht um faschistische Grüße handelt. Wir sehen den Spielraum zur Fehltinterpretation, den das Foto bietet und möchten uns dafür auf diesem Weg entschuldigen. Das schlechte Licht, welches hierdurch auf die gesamte Nordkurve geworfen wird, tut uns aufrichtig leid. Im Borussia Park und der gesamten Stadt Mönchengladbach kommen die unterschiedlichsten Kulturen und Religionen zusammen. Wir sind stolz, Teil dieser bunten Gemeinschaft zu sein und verurteilen rassistische Werte grundsätzlich. Wir alle sind Borussia – zusammen!“

 

 

Dabei räumen die Gladbach Anhänger durchaus auch ein Fehlverhalten der Freunde aus Timisoara ein: „Unsere langjährige Freundschaft nach Timisoara hat sich in den letzten 6 Jahren stetig weiterentwickelt und ist heute für uns ein wichtiger Bestandteil unseres Gruppenlebens. Dennoch gibt es sicherlich auch Dinge, die wir in Rumänien kritisch sehen. So werden Sinn und mögliche Folgen verfänglicher Gesten teilweise nicht wirklich hinterfragt. Wir versuchen bereits für dieses Thema eine Sensibiliserung zu erreichen. Allerdings steht dieser Entwicklungsprozess noch am Anfang und hat leider in diesem Fall noch keine Früchte getragen. Es ist eben nicht, wie bei uns üblich, dass sich sozialpädagogische Fanprojekte etabliert haben und aufklärend, sowie pädagogisch auf die Jugendkulturen einwirken können.“

Weiterhin gesteht die Gruppe nun zu, dass das Thema mit dieser Stellungnahme nicht zwangsläufig ausdiskutiert sei und bieten daher allen Interessierten an, sich im persönlichen Gespräch auszutauschen. Die komplette Stellungnahme der „Sottocultura“ sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme findet ihr hier.