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National

FPMG Supporters Club unterstützt Derby-Boykott

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 08. September 2015
Quelle: imago

Das Fanprojekt ist sich dabei seiner Aufgabe als „Dachorganisation aller Fans von Borussia Mönchengladbach“ bewusst: Viele Fans sprechen sich für, viele aber auch gegen einen Boykott des Derbys gegen Köln aus. Nun steht aber fest, dass der Vorstand sich dazu entschieden hat, den Boykott zu unterstützen. Zuvor hatte die Ultra-Gruppe Sottocultura angekündigt, nicht zum Spiel zu reisen – und erntete Unterstützung vom Verein.

Dabei nennt das Fanprojekt verschiedene Punkte, die Ausdruck von Ungerechtigkeit darstellen sollen: „Vor Ausspruch der Strafe gab es kein Fehlverhalten von Gladbacher Seite. Niemand behauptet, dass es nicht zuvor auch schon Fehlverhalten von Gladbacher Fans gegeben hat, aber jeder, der sich mit Pädagogik in den Grundzügen beschäftigt hat, weiß, dass eine Bestrafung immer unmittelbar erfolgen muss, ansonsten führt sie zu Unverständnis und einem ausgeprägten Ungerechtigkeitsempfinden.“

Auch im Vergleich zur Fanarbeit beim FC Köln sieht man sich benachteiligt. Man werde in eine Topf „der Versager in der Fanarbeit (hier explizit mit dem FC) geworfen“, in den man aber nicht gehöre.

Personalisiert vs. Unpersonalisiert

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Mönchengladbach-Fans nur personalisierte Tickets für das Rheinderby erhalten können. Die restlichen Stadionbesucher, vornehmlich natürlich Anhänger vom FC Köln, erhalten diese ganz normal. „Einem Boykott als Ausdrucksform des Protests gegen diese Maßregelungen einer friedlichen Szene können und wollen wir uns nicht entgegenstellen, weil er genau Ausdruck dessen ist, was wir fördern: eine friedliche, demokratische, eigenständig denkende und kreative Fanszene“, heißt es weiter.

Trotzdem habe „JEDER Fan dennoch das Recht nach Köln zu fahren und ins Stadion zu gehen und das Team zu unterstützen“, teilt die Dachorganisation mit. Dadurch soll eine Fanszene entstehen, die „selbständig, kritisch, eigenwillig und immer bereit (ist) für den Verein alles zu geben, egal unter welchen Umständen.“

Die komplette Stellungnahme im Wortlaut:

In der aktuellen Länderspielpause gibt es die Möglichkeit, all die Diskussionen rund um den Derbyboykott in Köln einmal sacken zu lassen und verschiedene Argumente pro und contra abzuwägen. Wir haben aus den unterschiedlichen Fanlagern die unterschiedlichsten Meinungen gesagt und zugeschickt bekommen. Wir wollen nun noch einmal unseren Standpunkt als FPMG Supporters Club darstellen.

Wir sind die Dachorganisation aller Fans von Borussia Mönchengladbach und wollen unsere vielfältige Fankultur glaubhaft widerspiegeln. Das ist besonders in diesem Falle nicht ganz einfach, denn es gibt viele Fans, die sich für den Boykott aussprechen, aber es gibt auch viele, die sich dagegen aussprechen, wobei es diesen meistens weniger darum geht, dass es nicht einen Protest geben sollte, sondern sie die Frage stellen, ob ein Boykott das geeignete Mittel ist.

Wir haben uns als Vorstand dafür entschieden, den Boykott zu unterstützen. Die Idee des Boykotts ist aus der aktiven Fanszene heraus geboren und hat nach ihrer Verbreitung in großen Kreisen der Fans, verteilt über Allesfahrer, Fanclubs, Einzelfans einen enormen Zuspruch erhalten. Wir sehen uns hier in der Pflicht, unsere zahlreichen Mitglieder, die sich an dem Boykott beteiligen wollen, zu unterstützen.

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Unserem Verständnis nach sind die Maßnahmen, die jetzt beim kommenden Derby auf uns angewandt werden, ein ausgesprochener Ausdruck von Ungerechtigkeit.

– Vor Ausspruch der Strafe gab es kein Fehlverhalten von Gladbacher Seite. Niemand behauptet, dass es nicht zuvor auch schon Fehlverhalten von Gladbacher Fans gegeben hat, aber jeder, der sich mit Pädagogik in den Grundzügen beschäftigt hat, weiß, dass eine Bestrafung immer unmittelbar erfolgen muss, ansonsten führt sie zu Unverständnis und einem ausgeprägten Ungerechtigkeitsempfinden.

– Wir leisten seit Jahren von unserer Seite und auch von Vereinsseite aus hervorragende Fanarbeit. Unsere Fanszene gehört zu den beliebtesten und friedlichsten in ganz Deutschland; das trotz der großen Altersunterschiede und trotz völlig unterschiedlichen Auffassungen über das Ausleben eines Fanlebens.

– Vor etlichen Jahren hat sich die aktive Fanszene selbständig den BORUSSEN-Kodex auferlegt, der auch über den Spieltag und den Stadionaufenthalt hinaus für jeden, der die Raute im Herzen trägt eine Verpflichtung ist. Kein anderer Verein kann auf ein derart eigenständiges und progressives Denken seiner Fanszene verweisen, nur wir.

– Während wir in Mönchengladbach seit Jahren proaktiv Fanarbeit leisten, haben sich andere Vereine herzlich wenig gekümmert, was in ihren Fanszenen und Kurven abläuft. Wenn nun die Politik eingreift, dann sind diese Vereine vermutlich eher dankbar für die „Unterstützung“, während wir in Mönchengladbach sowohl von Seiten des Vereins als auch von unserer Seite völlig zu Unrecht bevormundet fühlen. Wir werden trotz unserer hervorragenden Arbeit der letzten 25 Jahre in den großen Topf der Versager in der Fanarbeit (hier explizit mit dem FC) geworfen. Dagegen MUSS man sich wehren!

– Für die baulichen Maßnahmen, die der FC zu Zweitligazeiten vorgenommen hat, können jetzt nicht wir als Gästefans verantwortlich gemacht werden. Die Reduzierung des Kontingents spielt dem FC wunderbar in die Karten, um bloß nicht sein eigentlich festgesetztes Kartenkontingent freigeben zu müssen. Dass die Plätze dann mit FC-Fans besetzt werden, setzt dem nur noch die Krone auf.

– Während wir in Mönchengladbach mit Personalisierung gegängelt werden, verkauft der FC munter Karten für sein ganzes Stadion, natürlich unpersonalisiert…

Einem Boykott als Ausdrucksform des Protests gegen diese Maßregelungen einer friedlichen Szene können und wollen wir uns nicht entgegenstellen, weil er genau Ausdruck dessen ist, was wir fördern: eine friedliche, demokratische, eigenständig denkende und kreative Fanszene.

Und trotzdem hat JEDER Fan dennoch das Recht nach Köln zu fahren und ins Stadion zu gehen und das Team zu unterstützen und er hat dafür unsere volle Zustimmung. Die Protestform „Boykott“ stößt vielen aktiven Fans auf, weil sie sich auch auf das Team auswirkt, dem der Support entzogen wird in einem voraussichtlich wichtigen Spiel. Wer nach Köln fährt, kann genauso gegen die Maßnahmen sein wie derjenige, der zuhause bleibt und am „Heimspiel gegen Köln“ teilnimmt. Jeder kann für sich selbst entscheiden und das ist gut und richtig so, weil auch genau das Ausdruck der Fanszene ist, die wir vertreten: selbständig, kritisch, eigenwillig und immer bereit für den Verein alles zu geben, egal unter welchen Umständen.

Gerade in unserer so vielfältigen Fankultur müssen wir alle damit leben, dass es immer Situationen gibt, in denen die Meinungen über das Ausleben seines Fanseins auseinandergehen. Davon lebt unsere Streitkultur als Fanszene. Wenn wir alle mit der Raute im Herzen immer auch außerhalb der Kurve „ein einig Volk von Brüdern“ wären, würden wir uns in unserer Fankultur nicht weiterentwickeln. Gerade die Fähigkeit zur Weiterentwicklung zeichnet uns aber gegenüber vielen anderen Fanszenen aus.

Wir sind eine große Dachorganisation und wir sind der Anforderung ausgesetzt, möglichst allen Gladbach-Fans die Möglichkeit zu geben, sich bei uns, in unserer Fankultur und in unserer Fanszene wiederzufinden. Das ist eine extreme Herausforderung, wie man sich leicht vorstellen kann, besonders in den letzten Wochen und Tagen. Aber als Fanszene sind wir uns sicher, dass wir auch diese Herausforderung meistern werden.