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National

„Fehlendes Feingefühl, mangelnder Respekt, Dilettantismus“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 09. Juli 2014
Quelle: imago

Dass dieses Modell für Hannover 96 noch zum Erfolg wird, darf schwer bezweifelt werden. Mehr oder weniger heimlich hat der Bundesligist versucht, auf den Plätzen, die bis zuletzt unter anderem die Ultras beheimateten, eine verpflichtende feste Sitzwahl einzuführen. Angeblich hätten viele Fans diesen Wusnch geäußert. Doch statt Zustimmung erntet der Bundesligist Protestschreiben und neue Vorwürfe.

24 Stunden nachdem der Fan-Dachverband „Rote Kurve“ dazu aufgerufen hatte, der Regelung zu schriftlich widersprechen, haben laut Angaben der Interessengemeinschaft bereist 130 Personen „darunter Einzelpersonen, ganze Familien und Fanclubs“ offiziell gegen die feste Sitzwahl protestiert und ihren Unmut in „teilweise sehr emotionalen Worten“ kundgetan, heißt es in einer Erklärung der „Roten Kurve“.

Doch damit nicht genug: Das Urteil, das die IG über das Vorgehen des Bundesligisten fällt, ist betrüblich. Anders als in der E-Mail von Stadionchef  Thorsten Meier behauptet, zeichne sich wie erwartet ein völlig anderes Meinungsbild ab, als vom Verein behauptet. Vielmehr hätten viele Fans nur unter der Voraussetzung und in dem Glauben ihre Dauerkarten verlängert, dass weiterhin eine freie Platzwahl in den Blöcken N16 und N17 bestehe. Der Verein habe die Käufer zunächst sogar auf Nachfrage in dem Glauben belassen, moniert die „Rote Kurve“, die dem Verein daher neben „fehlenden Feingefühl“ und „mangelndem Respekt gegenüber den eigenen Fans“ auch „Dilettantismus“ vorwerfen.

Nachfolgend die Erklärung der „Roten Kurve“ im Wortlaut:

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In einer Mail an die – laut Medienberichten – rund 350 Fans, die ihre Dauerkarte im ehemaligen Rote Kurve Block im Oberrang der Nordkurve des Niedersachsenstadions gewandelt hatten, behauptete Hannover 96 am Montag dieser Woche, vieler dieser Fans hätten sich die feste Zuteilung eines Sitzplatzes gewünscht. 96 sei diesem Wunsch nun nachgekommen und wolle die dort seit Jahren etablierte und allgemein akzeptierte freie Platzwahl abschaffen.

Da wir bezweifelten, dass dies den Tatsachen entspricht, riefen wir die entsprechenden Personen auf, dieser Darstellung gegenüber Hannover 96 per Mail zu widersprechen und eben diesen Widerspruch auch an uns zu senden. Eine erste Auswertung über die Reaktionen auf diesen Aufruf liegt nun vor.

In gerade einmal 24 Stunden sendeten über 130 Personen, darunter Einzelpersonen, ganze Familien und Fanclubs, ihren Widerspruch an Hannover 96. In teilweise sehr emotionalen Worten taten die Fans ihren Unmut kund. Für viele war die freie Platzwahl eines der ausschlaggebenden Kriterien bei der Blockwahl. So zum Beispiel auch für eine Gruppe körperlich beeinträchtigter Fans, die seit Jahren ihre Heimat in diesem Block haben und die Gegebenheiten auch wegen ihrer speziellen Bedürfnisse sehr schätzen. Zahlreiche Fans waren besonders verärgert, da sie bereits seit vielen Jahren ihre Dauerkarten jährlich treu verlängern und dafür keinerlei Wertschätzung erfahren.

Als ob fehlendes Feingefühl und mangelnder Respekt den eigenen Fans gegenüber nicht schon genug wären, zeichnet sich das Verhalten von 96 auch noch durch Dilettantismus und Fehlinformationen aus. So forderte 96 die Dauerkarteninhaber in besagter Mail auf, einen Wunschplatz zu wählen, die Buchung zu stornieren oder den Block zu wechseln. Eine Frist für die Mitteilung setzte man nicht. Auf Nachfrage im Service-Center erhielt man von den entnervten und schlecht informierten Mitarbeitern, die die Unfähigkeit der Führungsetage mal wieder ausbaden mussten, gar keine oder widersprüchliche Aussagen. Eine offizielle Mitteilung steht nach wie vor aus.

Des Weiteren liegen uns mehrere Mails von 96 an Dauerkarteninhaber vor, die belegen, dass durch 96 noch wenige Tage vor Ablauf der Wandlungsfrist auf Nachfrage mitgeteilt wurde, bis auf die Preisanpassung im Block seien keine Änderungen geplant. Die freie Platzwahl bliebe erhalten.

Allein dass rund 2/3 (ca. 600 Personen an der Zahl) der Besucher eines Blocks, für den in den vergangenen Jahren nur sehr schwer Dauerkarten neu erworben werden konnten, ihre Option auf Verlängerung der Dauerkarte nicht gezogen haben, sollte 96 zu denken geben. Anstatt daraus aber die richtigen Schlüsse zu ziehen, will 96 auch noch den Großteil der verbliebenen Fans vergraulen und bedient sich dabei fragwürdiger Mittel.