Anzeige

National

„Fatales Signal“: NOFV hebt Strafe gegen Cottbus auf

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 12. Januar 2018
Quelle: imago

Wegen antisemitischer und rechtsradikaler Verfehlungen beim Derby in Babelsberg hatte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) den FC Energie Cottbus im November ein zweites Mal im Zusammenhang mit der Partie bestraft. Dagegen hat der Verein nun erfolgreich Berufung eingelegt. Der DFB sieht in der Entscheidung jedoch ein „fatales Signal“ und schaltet sich nun selbst ein. 

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro, von denen 2.000 Euro in präventive Maßnahmen investiert werden können, hatte der NOFV den FC Energie am 24. November verurteilt. Zudem sollte ein Konzept zur Vermeidung von demokratiefeindlichen Verfehlungen erarbeitet werden.

Anzeige

In einem ersten Urteil im Zusammenhang mit dem Derby in Babelsberg im April 2017 hatte der Verband lediglich den Einsatz von Pyrotechnik sowie das wiederholte Betreten des Spielfelds sanktioniert. Dies hatte vor allem beim SV Babelsberg 03 Unverständnis hervorgerufen, der seinerseits für explizit für „Nazischweine raus“-Gesänge verurteilt worden war. Die antisemitischen Gesänge und das mehrfache Zeigen des Hitlergrußes im Gästeblock seien dem NOFV erst nach dem ersten Urteil konkret angezeigt und bekanntgemacht worden, teilte der Verband damals mit.

Auf die erneute Bestrafung hatte der FC Energie mit „Verwunderug und Fragezeichen“ reagiert. Unter anderem verwies der Verein auf seinen umfassenden Maßnahmeplan, der unter anderem die Schaffung einer eigenen Stelle für Vielfalt und Toleranz im Verein beinhaltet. Vor allem fühlten die Cottbuser sich jedoch doppelt bestraft und legten schließlich Berufung gegen das NOFV-Urteil ein.

Dieser Berufung gab der Verband nun statt. „Nach geltender Rechtsauffassung und unserem Dafürhalten konnte es nur diese Entscheidung geben. Wir sind froh darüber, dass das Verbandsgericht dies genauso gesehen und entsprechend entschieden hat“, freute sich Energie-Präsident Michael Wahlich.

Doch möglicherweise freut sich der Verein zu früh: Wenige Stunden nach Bekanntwerden der Entscheidung, gab der DFB bekannt, dass der Kontrollausschuss das Urteil prüfe und nach gegenwärtigem Stand Revision beim DFB-Bundesgericht einlegen werde. „Wir haben erhebliche Bedenken an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung des NOFV-Verbandsgerichts“, so DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch. „Rassismus und Diskriminierung haben im Fußball keinen Platz, und deshalb wäre es ein fatales Signal, wenn Vorfälle dieser Art ungeahndet bleiben würden.“