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National

Fans des Bonner SC an Angriffen auf linke Kneipen beteiligt?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 07. Oktober 2014
Quelle: Jeronimo Ort

Am vergangenen Freitag wurden offenbar zwei Kneipen der linken Szene in Bonn von Rechtsextremen angegriffen. Daran beteiligt waren wohl auch Fans des Mittelrhein-Ligisten Bonner SC. 

Wie die Antifa Bonn/Rheinsieg in einer Pressemitteliung erklärt, sollen am Abend des 3. Oktober etwa acht Personen das Lokal „Limes“ überfallen und mit Barhockern um sich geschlagen haben. Eine Frau sei auf die Straße geworfen, ein weiterer Gast niedergeschlagen worden, heißt es in der Mitteilung.

Darüber hinaus riefen die Angreifer, bei denen es sich laut Zeugenaussagen um organisierte Neonazis sowie Mitglieder der Bonner Ultragruppe „Bande Bonn“ handeln soll, bei dem Überfall offenbar Parolen wie „Vaterlandsverräter und Antifa-Schweine, jetzt seid ihr dran“ und „wir fackeln den Laden ab“.

Im weiteren Verlauf des Abends sollen die Angreifer zu einer weiteren Kneipe, dem „Bla“, gezogen sein und dort ebenfalls randaliert haben.  Jan Olbrich, Mitgesellschafter des Lokals, bestätigte gegenüber dem General-Anzeiger, dass mehrere Personen als Mitglieder der „Bande Bonn Ultras“ erkannt worden seien.

Auch die Polizei erklärte, dass es Hinweise auf die Beteiligung von Fußballfans gebe. Darüber hinaus prüfe sie, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Angriffen gebe. Bei einer sofortigen Fahndung hatten die Beamten am Freitag die Personalien mehrerer Personen aufgenommen. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz in der Angelegenheit

Verein und Ultras fordern: Politik aus der Kurve

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Die „Bande Bonn“ distanziert sich hingegen auf ihrer Homepage von jeglichen politischen Aktivitäten: „Wir […] möchten ein für alle Mal klarstellen, dass wir keinerlei Bestrebungen hegen, eine Gruppe von Neonazis aufzuziehen beziehungsweise darzustellen. Im Gegenteil, es wird sämtliche Politik dem Fußball ferngehalten.“ Unter der Positionierung ist ein Foto zu sehen, das ein Spruchband mit der Aufschrift „Bande Bonn gegen Rassismus“ zeigt.

Und der Verein? „Es gibt vereinzelte rechte Fans“, sagt Andreas Klöckner, der seit drei Wochen Fanbeauftragter des Vereins ist, gegenüber dem General-Anzeiger. „Wir wollen die Politik aber aus dem Stadion heraushalten.“ Zu diesem Zweck hatte der Bonner SC am Montagabend auch seine Fanclubs  zu einem Treffen unter dem Motto „Politik aus der Kurve“ eingeladen.

Update: Mittlerweile hat auch der Bonner SC Stellung zu den Vorfällen genommen: Auf der Vereins-Homepage distanziert sich der Klub von jeglicher Form von Extremismus und Gewalt und verurteilt die Vorgänge am Freitagabend.

Nachfolgend die Stellungnahme des Bonner SC im Wortlaut

Der Bonner SC lehnt jegliche Form von Extremismus und Gewalt ab und verurteilt die Vorgänge am Freitag, 3. Oktober, in zwei Bonner Lokalen auf Schärfste. „Der Bonner SC positioniert sich klar gegen extremistisches Gedankengut“, so BSC-Präsident Dr. Matthias Möseler: „Diese abscheulichen Vorfälle und Angriffe dürfen in unserer Mitte keinen Platz haben und wir unternehmen alles, um die Behörden bei der Aufklärung zu unterstützen. Wer so handelt, kann aber auch nicht Fan des BSC sein! Wir distanzieren uns von diesem Verhalten und werden auch nicht zögern, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Gewalttäter haben in unserem Verein nichts verloren.“

Die jüngsten Übergriffe sind momentan Gegenstand behördlicher Ermittlungen, weshalb der Bonner SC keine weiteren Erkenntnisse hat. „Die Gewalttaten, die hier im Raum stehen und strafrechtlich verfolgt werden, sind abscheulich. Sie sind jedoch keine Handlungen des Bonner SC gewesen“, so Möseler und BSC-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Pieck: „Der Bonner SC wird mit Entschlossenheit gegen diese sogenannten Fans vorgehen und nach den später vorliegenden, gesicherten Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden gegen die Täter ein Veranstaltungsverbot verhängen. Ferner wird der Bonner SC in Zukunft klare Zeichen gegen Extremismus und Gewalt setzen. Die geplanten Aktionen sind in Vorbereitung und werden zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der Bonner SC steht für fairen sportlichen Wettbewerb. Gleichfalls stehen wir für Integration und ein gutes, gewaltfreies Miteinander. Extremismus und gewalttätige Übergriffe gehören nicht in die Mitte des Vereins bzw. die Mitte der Gesellschaft, und wir schließen uns unumwunden dem herrschenden Konsens an, solches Verhalten auch künftig zu ächten.“

fn