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National

Fanprojekte „schockiert über Ausmaß der Ermittlungen“

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 27. April 2017
Quelle: imago images

Über zwei Jahre lang ermittelte die sächsische Generalstaatsanwaltschaft gegen Personen aus der Fanszene der BSG Chemie Leipzig. Unter den „Verdächtigen“ war sogar ein Mitarbeiter des Fanprojekts. 

„Bildung einer kriminellen Vereinigung“ lautete der Vorwurf, dem die Staatsanwaltschaft nachging. Wie das Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig nun öffentlich macht, setzten die Ermittler dabei auf eine umfangreiche Überwachung. „Langfristige Telefonüberwachungen, Funkzellenabfragen, Observationen von Personen und Objekten, Einsatz von Videoüberwachungstechnik und sogenannten IMSI-Catchern gehörten ebenso dazu, wie das Erstellen von Bewegungsprofilen und der Analyse des Telefon- und Internetverhaltens“, berichtet die Fanhilfe.

Dem Mitarbeiter des Fanprojekts warfen die Ermittler vor, „zu unter Verdacht stehenden Fans regelmäßig Kontakt gehabt zu haben, mit ihnen Auswärtsspiele besucht und sie rechtlich beraten zu haben.“ Alles Aufgaben, wie sie Konzeption der Fanprojektarbeit konzeptionell vorsieht, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG).

Die BAG zeigt sich „schockiert über das Ausmaß der Ermittlungen und damit auch über das Ausmaß des Misstrauens gegenüber der Arbeit der Fanprojekte. Mit der Aufnahme der Ermittlungen gegen unseren Kollegen wurde eine Grenze überschritten!“

In der Überwachung der Mitarbeiter sehen die Fanprojekte die Gefahr eines Vertrauensverlustes  zwischen Fans und Fanprojekten. Die BAG fordert nun eine “ lückenlose Aufklärung des Sachverhaltes, um auch weiterhin vertrauensvoll und respektvoll miteinander zu arbeiten, die Rehabilitation des Kollegen und des Fanprojekt Leipzig zu erreichen und zu verhindern, dass sich solch eine Grenzüberschreitung wiederholt.“

Das Ermittlungsverfahren wurde übrigens im November 2016 eingestellt – „mangels hinreichenden Verdachts“. Um das festzustellen, bedurfte es jedoch offenbar fast zweier Jahre umfangreichster Überwachung.