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National

Fanladen St. Pauli kritisiert Berliner Polizei

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 21. Oktober 2015
Quelle: Jeronimo Ort

Nach dem Spiel des FC St. Pauli beim 1. FC Union Berlin wendet sich der Fanladen St. Pauli in einem offenen Brief an die Polizei Berlin und kritisiert den Umgang der Beamten mit den St. Pauli-Fans.

In dem Schreiben kritisiert die Organisation, die Fanbetreuung und Fanprojekt des Vereins darstellt, insbesondere die Kommunikation der Berliner Beamten mit den Mitarbeitern des Fanladens: „Wenn wir mit Ihnen reden, gucken Sie durch uns durch und sagen einfach gar nichts. Wenn wir nach Ihrer Dienstnummer fragen, sagen Sie uns `Schreib dir die mal auf!` ohne uns eine Nummer zu geben“, heißt es in dem Brief.

Zum Teil seien Fans, die deeskalierend haben einwirken wollen, von der Polizei einfach weggeschubst worden. „An einer Deeskalation der Situation schien Ihnen am Samstag nichts zu liegen“, wirft der Fanladen der Berliner Polizei vor.

Der FC St. Pauli stellt sich in dieser Angelegenheit derweil hinter seine Fans und teilte den Brief des Fanladens auf seiner Facebook-Seite.

Nachfolgend der offene Brief des Fanlades St. Pauli im Wortlaut:

St. Pauli, 20.10.2015

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Offener Brief zum Umgang der Polizei mit uns
beim Auswärtsspiel des FC St. Pauli am 17.10.2015 bei Union Berlin

Geehrte Polizei Berlin,
uns gibt es auch – wir sind FanbetreuerInnen für alle St. Pauli-Fans und arbeiten imFanladen St. Pauli! Vielleicht hätten Sie mal bei den Vorkommnissen nach dem Spiel auf dem Gäste-Busparkplatz und am Bahnhof auf unsere Dienstausweise gucken sollen, da steht das nämlich drauf! Wenn man stattdessen aber mit Ihnen redet und nach dem Grund des Einsatzes fragt und/oder den Einsatzleiter sprechen will, dann wird man von Ihnen mit den Worten „Na, steht Du aufs schubsen?“ oder „Was machen Sie denn schon wieder hier?“ geschubst bzw. weg geschickt.

Danke für diese gelungene Kooperation mit Ihnen! Wir freuen uns schon auf die
nächste Konferenz mit Polizei-VertreterInnen, wo wir zu hören bekommen, dass „wir doch alle am gleichen Strang ziehen“ und „zusammen halten müssen“, da „wir doch alle das gleiche wollen“.
Nach Samstag fragen wir uns ernsthaft und erneut, was das denn heißen soll. Wenn wir mit Ihnen reden, gucken Sie durch uns durch und sagen einfach gar nichts. Wenn wir nach Ihrer Dienstnummer fragen, sagen Sie uns „Schreib dir die mal auf!“ ohne uns eine Nummer zu geben. Dabei dachten wir, dass in Berlin jetzt alle PolizistInnen eine individuelle Nummer tragen würden, am Samstag war davon leider nichts zu sehen.

Also, wir sind die Fanbetreuung und das Fanprojekt des FC St. Pauli, genannt
Fanladen St. Pauli. Uns gibt es seit 25 Jahren, so etwas wie uns gibt es (so oder so ähnlich) an (fast) allen Bundesliga-Standorten. Wir sind ansprechbar in alle
Richtungen und versuchen bei Konflikten zu vermitteln, dafür muss man aber mit
uns reden und uns nicht ignorieren oder gar weg schubsen. Sie können sich ja mal Ihre Videoaufnahmen angucken – wir sind die Leute mit dem Dienstausweis um den Hals oder in der Hand, die versuchen zu vermitteln und zu deeskalieren und die versuchen mit Ihnen zu reden, letzteres übrigens erfolglos. An einer Deeskalation der Situation schien Ihnen am Samstag nichts zu liegen.

Die Antwort auf unsere Vorstellung „Ich arbeite beim Fanprojekt“ mit „Na, dann mal herzlichen Glückwunsch“ von Ihnen nehmen wir gerne wörtlich, da wir hier gerne arbeiten und von der Wichtigkeit unserer Arbeit überzeugt sind. Allerdings glauben wir, dass das von Ihnen anders gemeint war.

In der Hoffnung auf zukünftig bessere Kommunikation,

Ihr
Fanladen St. Pauli