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National

Faninitiative schließt sich Bochumer Boykott an

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 01. Oktober 2014
Quelle: imago

Zuletzt hatten die Ultras des VfL Bochum dazu aufgerufen, das Auswärtsspiel bei RB Leipzig am 24. Oktober zu boykottieren. Nun zieht die Faninitiative des Vereins nach. 

In einer Stellungnahme teilt die Organisation mit, dass der Boykott „auf einem Mitgliedertreffen gemeinsam demokratisch“ beschlossen worden sei. Als Gründe für die Entscheidung führt die Faninitiative unter anderem das Transfergebahren der Leipziger sowie den Umgang des Vereins mit kritischen Fans, wie denen von Erzgebirge Aue, an. Zusammen mit allen anderen daheim gebliebenen Fans wollen die Mitglieder der Faninitiave das Spiel des VfL in Bochum verfolgen.

Nachfolgend die Stellungnahme der Faninitiative Bochum im Wortlaut

In der Saison 2014/2015 ist es nun soweit. Am Freitag den 24.10.2014 spielt unser Verein für Leibesübungen beim Marketingkonstrukt des Österreichischen Brauseherstellers. Ähnlich wie in anderen Fanszenen, sorgt die Problematik, welche RB in den Deutschen Fußball bringt, auch in der Bochumer Fanszene für kontroverse Diskussionen.

Die Faninitiative Bochum hat auf einem Mitgliedertreffen gemeinsam demokratisch beschlossen, das Spiel bei RB Leipzig zu boykottieren und keinen Bus anzubieten.

Diese Stellungnahme soll dazu dienen, die Gründe des Boykotts zu erläutern.

Wir möchten aber von vornherein darauf verweisen, dass jeder Fußballfan sich zu diesem komplexen Thema eine eigene Meinung bilden soll. Die nachfolgende Erläuterung spiegelt lediglich die Meinung der Faninitiative Bochum wieder.

Beginnen wir mit der Geschichte von RB Leipzig. Bereits im Jahr 2006 wurde der erste Versuch unternommen, einen Leipziger Verein zu übernehmen. Der Versuch, den damaligen Regionalligisten „FC Sachsen Leipzig“ zum unternehmenseigenen Spielzeug zu machen, scheiterte vor allem an Fanprotesten beim Leipziger Traditionsclub. Um das Problem protestierender Fans los zu werden, suchte man sich einen unbedeutenden Vorstadtverein. Beim SV Markranstädt wurde man schnell fündig. RB gründete einen eigenen Verein und übernahm das Spielrecht des damaligen Oberligisten. Erst auf Drängen des Sächsischen Fußballverbandes (SFV) verpflichtete sich RB, sämtliche 1. Jugendmannschaften des Vereins zu übernehmen. Ein objektiver Fußballfan fragt sich da doch heute, wie diese Tatsache mit dem nach außen verkauften Image des „besten Deutschen Ausbildungsverein“ zusammenpasst.

Im Sommer wurde gerade die U17 von Eintracht Frankfurt Deutscher Meister. Das größte Talent „Renat Dadachev“ wurde trotz des sportlichen Erfolgs vom Brause-Club abgeworben. Natürlich spricht niemand über genaue Zahlen, aber die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt ließen glaubwürdig verlauten, dass der Wechsel durch eine unmoralische Summe an einen 15jährigen möglich gemacht wurde.

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Natürlich wollen wir nicht über die Tatsache hinwegsehen, dass Fußball ein Geschäft ist. Es ist durchaus üblich, dass Profiteams bereits im Jugendbereich nach Talenten Ausschau halten und die Jungprofis bestmöglich gefördert werden. Als übliches Fördergeld gilt eine inoffizielle Summe von 250 Euro. Die kolportierten Zahlen aus Frankfurt belaufen sich jedoch auf 2000 Euro im Monat. Eine Summe, die übliche Traditionsvereine im Jugendbereich nicht in der Lage sind zu zahlen. Aber auch ohne über den Tellerrand hinauszuschauen, lässt sich am Fall „Lukas Klostermann“ die Glaubwürdigkeit von RB Leipzig in Frage stellen. Da wechselt ein Spieler mit Zweitligaerfahrung als A-Jugendspieler nach Leipzig um dort wieder A-Jugend zu spielen. Über die möglichen Beweggründe soll sich aber jeder selbst ein Bild machen. Wo wir uns aber sicher sein dürfen: In einigen Jahren werden beide Spieler als Talente der eigenen Jugend den Weg in die Bundesliga finden. Oder sie bleiben wie zahlreiche andere junge Talente auf der Strecke.

Unsere Befürchtung geht dahin, dass RB Leipzig aufgrund des immensen finanziellen Vorteils, den sportlichen Wettbewerb in der Volkssportart schlechthin ad absurdum führt. Das Beispiel des Spielers „Sabitzer“ von Rapid Wien zeigt, dass RB sich um Regeln und Gesetze im Fußball einen feuchten Kehricht schert. Der Spieler hatte bei Rapid eine Ausstiegsklausel, die besagte, dass der Spieler bei einem Angebot aus Deutschland für 2 Millionen den Verein verlassen darf. Da RB Salzburg an dem Spieler Interesse hatte, verpflichtete RB den Spieler über den Fußballstandort Leipzig und zog die Ausstiegsklausel. Bereits am nächsten Tag wurde der Spieler nach Salzburg ausgeliehen. Dies mag zwar nicht gesetzwidrig sein, jedoch aus unserer Sicht grob unsportlich.

Der Entschluss, das Spiel zu boykottieren wurde jedoch vor allem aufgrund der Erlebnisse anderer Fangruppen im Leipziger Zentralstadion gefällt. Erst vor kurzem wurde Fans von Erzgebirge Aue der Zutritt zum Stadion versagt. Die Fans trugen T-Shirts mit einem „Anti RBL“ Schriftzug. Natürlich steht es Leipzig frei, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. Wenn man allerdings die Fans zwingt, die T-Shirts auszuziehen und abzugeben, müssen die Gästefans die T-Shirts auch später wieder erhalten.
Kritiker des Konstrukts werden weitgehend bekämpft. Zuletzt haben Fans vom KSC versucht, eine Sky-Lokalität in Leipzig anzumieten. Vom Kneipier erhielt man die Antwort, dass „RB- Gegner“ nicht bewirtet werden. Wir fragen uns also, wie gut es Leipziger Kneipen gehen muss unter dem Hintergrund, dass ein privater Unternehmer auf gutes Geld verzichten kann.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, wollen wir nicht die Augen vor der Entwicklung im modernen Fußball verschließen und wissen, dass es ohne Geld und harter Entscheidungen nicht mehr funktioniert. Wir tolerieren diese Entwicklung in einem Maße, dass der Fußball unter bestimmten Gesichtspunkten bei seinen Wurzeln bleibt. Bei eben jenen Wurzeln, die uns alle dazu gebracht haben, uns für diese außergewöhnliche Sportart zu begeistern und sie mit all ihren wunderbaren Facetten zu lieben. Die oben beschriebenen Entwicklungen bestärken uns jedoch in unserer Meinung darin, dass RB kein Interesse an Werten wie: „Fair-Play“ oder „Möge der Bessere gewinnen“ besitzt.

Für uns stand also nun die Frage im Raum, wie wir mit diesem ungeliebten Gegner umgehen wollen. Fahren wir zum Auswärtsspiel und machen gute Miene zum bösen Spiel, oder bleiben wir zu Hause. Gute Miene zum bösen Spiel würde bedeuten, dass wir uns den Vorgaben beugen müssten. Das heißt, keine Möglichkeit zum Protest etc.

Wir möchten keine Marionetten sein!

Das ist für uns nicht vorstellbar!

Dies bedeutet, dass die Faninitiative Bochum keine organisierte Anreise ermöglicht.

Für VfL-Fans, die trotzdem unser Team vor Ort unterstützen wollen (dafür haben wir Verständnis, denn diese geile Truppe hat es auch einfach verdient), setzt der ZUZ-Fanexpress einen Bus ein.

Wir werden mit allen Daheimgebliebenen das Spiel hier in Bochum schauen.

Glück auf!