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Fanhilfe Hannover kritisiert Durchsuchungen wegen Graffiti

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 15. Juni 2017
Quelle: imago

Am frühen Mittwochmorgen durchsuchten Polizeibeamte die Wohnungen von neun mutmaßlichen Mitgliedern der Hannoveraner Fangruppe „Rising Boys Hannover“. Die Fanhilfe Hannover kritisiert das Vorgehen scharf. 

Nach einer Pressemitteilung der Polizei Hannover sei man auf die Spur der Betroffenen gekommen, da sie beim Heimspiel gegen Nürnberg im Frühjahr 2017 ein Banner mit Gruppenaufschrift gezeigt haben sollen. Hiernach sei davon auszugehen, dass all diese Personen der Gruppe „RBH“ zuzuordnen und entsprechend an Sachbeschädigungen und weiteren graffitibezogenen Straftaten (unter anderem Taten, die in einem Video zum zehnjährigen Jubiläum der Gruppe zu sehen sein sollen) beteiligt seien.

Nach Informationen der Fanhilfe gehört ein Großteil der von den Durchsuchungen betroffenen Personen jedoch gar nicht zu der besagten Gruppe.

Auch die Art und Weise der Durchsuchungen kritisiert die Fanhilfe. So sei eine Haustür mittels Rammbock zerstört worden, obwohl ein Schlüsseldienst die Tür hätte öffnen können. Zudem hätten die Beamten Eigentum eines Mitbewohners trotz deutlicher Zuordbarkeit und trotz fehlenden entsprechenden Beschlusses beschlagnahmt und Übernachtungsbesuch eines Betroffenen während der Durchsuchung auf einem Bett gefesselt.

„Angesichts dessen, dass gegen die Betroffenen nach offiziellen Angaben wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs ermittelt wird, halten wir diese Maßnahmen und vor allem das massive Auftreten der Polizei für grob unverhältnismäßig. Es muss die Frage gestellt werden, aufgrund welcher niedrigschwelliger Verdachtsmomente ein Richter Durchsuchungen unter diesen Umständen genehmigt“, so ein Sprecher der Fanhilfe.

Weiterhin kritisiert die Rechtshilfe-Organisation, dass bei den Durchsuchungen nicht tatbezogenes Material in Form von Zaun- und Schwenkfahnen verschiedener Gruppen beschlagnahmt worden sei. Die Fanhilfe beurteilt den Beweiswert dieser Funde als gering und will mit den Betroffenen gemeinsam gegen die Beschlagnahme vorgehen.

„Insgesamt lässt sich die Zielrichtung der Durchsuchungen anhand ihrer fadenscheinigen Begründungen ganz klar feststellen: hier geht es um Stigmatisierung, Zufallsfunde und das Erlangen von Strukturerkenntnissen. Auch der nahende Wahlkampf, so wie der von Innenminister Pistorius angekündigte ‚Fußballgipfel‘ sollten bei der Beurteilung dieser Maßnahmen nicht aus den Augen verloren werden.“, so ein Sprecher der Fanhilfe weiter.

Die Organisation kündigt an, gemeinsam mit den Betroffenen und einem Anwalt rechtliche Schritte einzuleiten.