Anzeige

Hintergründe

Fanfeind Nummer Eins – Fußball im Fernsehen

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 10. September 2014
Quelle: imago

Wenn Fußballfans vor dem Fernseher sitzen um sich ein Spiel anzuschauen, dann gibt es neben dem, was sich auf dem Rasen abspielt, ein beliebtes Thema über das man sich zusätzlich aufregen kann: Die Kommentatoren, Moderatoren und TV-Experten. Ist die Kritik berechtigt, oder gehen wir nur unserer unstillbaren Lust am Meckern nach? Ein Kommentar.

Am Sonntag war es dann mal wieder so weit. Während sich die verwöhnten RTL-Zuschauer verwundert die Augen rieben, weil statt „Verdachtsfälle Spezial“ an diesem Abend dieser Torwart vom Sommermärchen auf dem heimischen TV-Bildschirm erschien, rieben sich die Fußballfans und Experten dieses Landes voller Vorfreude die Hände. Nicht etwa, weil sie sich so sehr auf das vielversprechende Duell zwischen Deutschland und Schottland freuten – nein, es gab an diesem Abend endlich wieder Grund zum Meckern. Schon im Vorfeld der Partie gab es böse Vorahnungen seitens der Fans, die hilflos mit ansehen mussten, wie sich der Privatsender RTL die Übertragungsrechte der EM-Qualifikation unter den Nagel riss.

Twitter als Ventil für Stress und Wut

Die Vermutung liegt nahe, dass Jack Dorsey seine Social-Media Plattform Twitter für uns Deutsche erfunden hat. Denn Pünktlichkeit, Ordnung und Sauerkraut hin oder her, dass prägendste Merkmal der Deutschen ist die bereits erwähnte Freude am Meckern und Beschweren. Und dafür eignet sich Twitter nun mal hervorragend, man einigt sich auf einen gemeinsamen Hashtag und schon kann die angestaute Wut und der angesammelte Stress der Arbeitswoche in einem wie dafür geschaffenen Ventil herausgelassen werden. #GERSCO lautete der Schlachtruf an diesem Sonntagabend, der bereits vor dem Anpfiff, während des Spiels und nach der Begegnung tausendfach in die virtuelle Welt geschrien wurde.

RTL musste für nahezu jeden hinhalten, von privaten Usern bis zu renommierten Zeitungen und Moderatorenkollegen – alle hatten sie eine Meinung zur Übertragung des Länderspiels und ließen kein gutes Haar an Moderator Florian König, Experte Jens Lehmann und Kommentator Marco Hagemann. „Diese Werbedauersendung mit Fußballunterbrechung und laberndem Formel 1 Moderator war eine Zumutung – Bitte zurück zu ZDF/ARD“, wünschte sich eine Zwitscherin. ARD-Moderator Matthias Opdenhövel vermisste offenbar schmerzlich Ansage-Legende Michael Buffer und die „FAZ“ betitelte ihre bewundernswert ausgefeilte TV-Kritik am Folgetag vernichtend: „Ein peinlicher Fußballabend mit RTL.“

Woanders ist auch nicht besser

Zugegeben, Jens Lehmann machte im Tor sicherlich eine bessere Figur als vor der Kamera. Werbeunterbrechungen sind, seit es sie gibt, einfach nervig und es stimmt, dass sich RTL mit der Sendung rund um das Qualifikationsspiel nicht gerade für den Deutschen Fernsehpreis empfehlen konnte. Dennoch muss man sich im Hinblick auf die Flut von heftiger Kritik und Nörgeleien der Zuschauer mal folgende Frage stellen: Sind die Übertragungen der ARD, des ZDF und des Bezahlsenders Sky so viel besser?

Anzeige

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich nur an die WM-Übertragung der Öffentlich-Rechtlichen in diesem Sommer erinnern. Um es gelinde auszudrücken, haben weder Buffer-Fan Opdenhövel und der braungebrannte Mehmet Scholl eine glänzende Figur abgegeben, noch wussten Talker Reinhold Beckmann und der muntere Giovane Elber zu begeistern. Die Namensvettern Welke und Kahn schafften es immerhin, dem aufmerksamen Zuschauer ab und an ein Schmunzeln zu entlocken, welches jedoch kaum mit einer qualitativ hochwertigen Moderation im Zusammenhang gestanden haben dürfte. Und muss man an dieser Stelle noch über den Sky-Experten Erik Meijer reden, der uns bei Champions-League Spielen mit seinen fachlichen Analysen verwöhnt? Wie häufig wird wohl #MarcelReif getwittert, wenn er mal wieder ein Dortmund-Spiel schlecht redet und die Bayern in den Himmel lobt? Um es kurz zu machen: RTL mag nicht die Königin der Fußballübertragungen sein, aber woanders ist es sicherlich auch nicht besser.

Adi Preißler wusste es schon immer

Worüber regen sich die Zuschauer und die Medien also auf? Oder bleibt am Ende des Tages nur weiterhin fest zu halten, dass wir Deutschen einfach gerne meckern? Wie wäre es, wenn man sich mal wieder auf das Wesentliche konzentriert und über Fußball redet, anstatt sich mit den nichtigen Dingen abseits des Rasens zu befassen?

#entscheidendisaufmplatz

mo

 

Wir wollen von euch wissen, auf welchem TV-Sender ihr am liebsten Fußball schaut. Ihr könnt auch für mehrere Sender abstimmen.