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National

Familienvater von BVB-Ultras angegriffen

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 07. April 2015
Quelle: imago

Unter dem Motto „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Kick Racism out!“ fand am Karfreitag in Dortmund der von BVB-Fans organisierte Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf statt. Weil ein Teilnehmer jedoch einen Schal der Ultras St. Pauli trug, soll er von drei Mitgliedern der Dortmunder Ultragruppe „The Unity“ angegriffen worden sein. Die Veranstalter distanzieren sich von der Aktion und auch von weiteren BVB-Fans gibt es Kritik.

So fragt das BVB-Fanzine schwatzgelb.de: „Wie kann man nur so bescheuert sein?“ Der Erklärung einiger Fans, wer szenetypische Kleidung trage, müsse sich eben auch szenetypischen Regeln unterwerfen, entgegnet der Autor mit der Feststellung, dass niemand Attacken in Kauf nehmen müsse, „nur weil er ein Kleidungsstück kauft und trägt.“ Auch der Veranstalter des Laufs, Rüdiger Raguse, findet gegenüber der Recklinghäuser Zeitung klare Worte für die Aktion: „Wir können doch nicht einen Gedächtnislauf gegen Gewalt machen und Toleranz fordern und dann so intolerant sein. Diese Idioten sollen nächstes Mal wegbleiben. Solche Leute brauchen wir hier nicht“

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Am Karfreitag sollen drei Dortmunder Ultras versucht haben, einem 40-jährigen Teilnehmer des Gedächtnislaufs im Beisein seiner Kinder seinen St.-Pauli-Fanschal abzunehmen. Dieser trug neben einer antirassistischen Aufschrift offenbar auch den Schriftzug der Ultras St. Pauli. Obwohl der 40-Jährige beteuerte, kein USP-Mitglied zu sein, entrissen die drei Ultras ihm laut Recklinghäuser Zeitung seinen Schal unter Anwendung von gewalt. Der Mann musste anschließend mit Prellungen und Schürfwunden im Krankenhaus behandelt werden. Auch eine Freundin, die helfen wollte, erlitt Prellungen am Arm.

Der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf fand in diesem Jahr bereits zum elften Mal statt und erinnert an den früheren Platzwart von Borussia Dortmund, der Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leistete und in den letzten Tagen vor der Befreiung Dortmunds von den Nazis ermordet wurde.