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National

Fahnenverbot „weltfremd, kontraproduktiv und nicht akzeptabel“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 10. August 2015
Quelle: imago

Die Dortmunder Südtribüne will sich gegen das vom DFB verhängte Fahnenverbot für Auswärts- und Pokalspiele zur Wehr setzen. In einem offenen Brief hat sich das Fanbündnis an DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und seinen Vize Dr. Rainer Koch sowie Organisationschef Dr. Christian Hockenjos und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund gerichtet.

Von beiden Parteien erhofft sich die Südtribüne ein Entgegenkommen, die Kollektivtrafe sei „weltfremd, kontraproduktiv und nicht akzeptabel.“

Der DFB gehe im Besonderen mit dem Verbot von Zaunfahnen gegen einen nicht wegdenkbaren Teil der Fankultur vor, zu dem sich der Verband selbst bekannt habe. Zudem wünschen sich die Fans mehr Unterstützung durch den eigenen Verein, der es versäumt hätte, diese Art der Bestrafung seiner Fans zu verhindern. Die Südttribüne kündigt in ihrem Schreiben daher an, dass die Fanszene des BVB dieses Urteil nicht akzeptieren wird.

Der DFB hatte aufgrund von Ausschreitungen beim DFB-Pokalfinale neben einer Geldstrafe für den Verein ein grundsätzliches Verbot von allen großen Fahnen sowie sämtlichen Block- und Zaunfahnen und Transparenten für alle Liga- und Pokalauswärtsspiele des BVB im Kalenderjahr 2015 verhängt.

 

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Nachfolgend der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Herren,

mit großer Verwunderung nahmen wir vor einigen Tagen die Meldung zur Kenntnis, dass der BVB wegen so genannten „Zuschauer-Vorkommnissen“ u.a. beim Pokalfinale in Berlin zu 90.000 Euro Strafe verurteilt wurde und zudem den BVB-Fans bei allen Bundesliga- und Pokal-Auswärtsspielen „alle großen Fahnen sowie sämtliche Block- und Zaunfahnen und Transparente verboten sind.“ Insbesondere die Zaunfahne ist seit Jahrzehnten nicht wegdenkbarer Teil der Fankultur. Sie ist das Herzstück und Teil der Identität eines jeden Fanclubs und jeder Fan-/Ultrá-Gruppe.

Warum? Warum wird erneut eine Kollektivstrafe ausgesprochen unter der alle Fans zu leiden haben? Der DFB bekannte sich vor nicht allzu langer Zeit dazu, dass Fanutensilien ein fester und integraler Bestandteil der Fankultur sind. Wir verstehen nicht, warum sich der DFB nicht an die Empfehlungen seiner eigenen Gremien hält. Dieses Urteil ist weltfremd, kontraproduktiv und nicht akzeptabel. Was erhofft sich der DFB von solchen Kollektivstrafen? Etwa, dass die Fanszene in Dortmund diese in irgendeiner Form akzeptiert? Oder, dass sie sich gegenseitig für die Strafen verantwortlich macht und sich spalten lässt? Beides wird nicht passieren!

„Der Verein hat dem Urteil zugestimmt (…)“ heißt es am Ende der Mitteilung des DFBs. Das ist auch von Seiten des Vereins ein Schlag ins Gesicht für uns BVB-Fans. Der BVB rühmt sich in seiner Außendarstellung so oft und gerne mit seiner Fankultur – wie kann man dann einem Urteil zustimmen, das grundlegende Elemente unserer Fankultur wie z.B. Fahnen verbietet? Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir erwarten von unserem Verein, dass er sich für seine Fans einsetzt und so ein Urteil dann nicht akzeptiert, da es schlichtweg inakzeptabel ist. Der BVB hat als einer der „großen“ Vereine mal wieder die Chance verpasst, kritisch auf die völlig intransparente und unverhältnismäßige Rechtsprechung des DFB Sportgerichts einzugehen.

Stattdessen wird ein System mitgetragen, das in seinem aktuellen Dasein jeden rechtsstaatlichen Prinzipien widerspricht. Dieses Urteil wird mehr Probleme schaffen als es lösen wird.

SÜDTRIBÜNE DORTMUND