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International

„Es sollte kein Privileg sein, zum Fußball zu gehen“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 02. Oktober 2015
Quelle: imago

Seit langer Zeit kämpfen Fußballfans in England gegen die hohen Eintrittspreise in der Premier League. Insbesondere Auswärtsfans leiden darunter. An diesem Wochenende wollen nun Fans aller Premier-League-Klubs mit verschiedenen Aktionen für erschwingliche Tickets demonstrieren.

Wie das Portal GoEuro errechnet hat, kostet eine durchschnittliche Auswärtsfahrt in England 297,67 Euro, wovon 74,04 auf die Eintrittskarte entfallen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es mit Ticketkosten von 31,70 Euro durchschnittlich 163,72 Euro pro Fahrt. „Es kostet fast dasselbe, von England nach Deutschland zu reisen, um ein Bundesligaspiel zu sehen, als in England zu bleiben und ein Premier-League-Spiel zu besuchen“, so Naren Shaam, CEO von GoEuro.

Um gegen diese Entwicklung zu protestieren, wollen Fans in ganz England nun am kommenden Spieltag für die „Twenty´s Plenty“-Kampagne der Football Supporters´ Federation einstehen. Die Kampagne setzt sich dafür ein, dass Eintrittskarten für Auswärtsfans nicht mehr als 20 Pfund (etwa 27 Euro) kosten. Darüber hinaus wirbt sie für sogenannte „Reciprocal Deals“. Dabei einigen sich zwei Vereine auf einen möglichst niedrigen Preis für Auswärtstickets, der dann im Hin- und Rückspiel zwischen den beiden Mannschaften für die Fans des jeweiligen Auswärtsteams gilt.

In allen Stadien der Premier League und auch in tieferen Ligen werden an diesem Wochenende Banner hängen, die für die „Twenty´s Plenty“-Kampagne werben. Auch vor den Stadien sind gemeinsame Proteste geplant.

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„In den letzten 25 Jahren ist so viel Geld in den Fußball geflossen, an dem sich Spieler, Besitzer und Funktionäre bereichert haben – es wird Zeit, dass nun auch die Fans profitieren“, sagt Kevin Miles, Geschäftsführer der Football Supporters´ Federation und spielt dabei auf den neuen TV-Vertrag an, der den Premier-League-Klubs Millionen in die Kassen spült.

In Slaven Bilic, Trainer von West Ham United, hat die Kampagne auch bereits einen prominenten Fürsprecher gefunden. „Fußball ist nicht Golf oder Polo für die VIP´s, für die Elite. Fußball ist Volkssport“, sagte Bilic auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen AFC Sunderland. „Es sollte kein Privileg sein, alleine, mit deinen Freunden, mit deiner Freundin, oder mit deiner Frau und deinen Kindern zum Fußball zu gehen. Fußball sollte für jeden da sein.“

Dass der Protest der Fans kein Kampf gegen Windmühlen ist, zeigen die Erfolge der Vergangenheit. So beteiligte sich etwa die Hälfte der Premier-League-Vereine in der letzten Saison an den „Reciprocal Deals“. Und bei Swansea City entschied man sich sogar, jedem Fan, der mehr als 22 Pfund (etwa 30 Euro) für ein Auswärtsticket zahlt, den Differenzbetrag zu erstatten.