Anzeige

National

„Es muss ein neuer Grundkonsens her!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 18. Februar 2015
Quelle: imago

Beim 1. FC Köln herrscht auch heute noch ein wenig mehr Katerstimmung als an einem gewöhnlichen Aschermittwoch. Natürlich hat auch das Fanprojekt des Klubs seit dem vergangenen Samstag kaum etwas anderes beschäftigt, als der Platzsturm in Mönchengladbach. Nun äußern sich die Mitarbeiter erstmals in einer Stellungnahme öffentlich zu den drängendsten Fragen.

In seiner Stellungnahme stellt sich die Abteilung voll hinter die Linie des Vereins, der mit dem Ausschluss des Fanclubs „Boyz“ ein drastisches Signal gesetzt hat. Dass mit der Gruppe nun gleich auch die Ultra-Kultur aus der Kurve verschwinde, wie es derzeit etwa in Hannover zu bedauern ist, glaube und hoffe das Fanprojekt zwar nicht, fordert aber: „Es muss ein neuer Grundkonsens her, als lediglich ‚das FC-Fansein‘. Dies ist zurecht ein offener Begriff. Aber wir möchten Teil einer Fangemeinschaft sein, die unter Vereinsliebe eine bedingungslose Unterstützung auf der Basis verbindlicher Regeln versteht. Wer fortgesetzt in Gruppenstärke ausschert, ist auch von uns nicht willkommen.“

 

Stellungnahme des Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V. zu den Ausschreitungen beim Bundesligaspiel in Mönchengladbach

Nicht nur FC-Präsident Werner Spinner hat das skandalöse Verhalten von Teilen der Fangruppen beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach gehörig die Karnevalsstimmung verhagelt. Auch für große Teile der Fangemeinschaft des 1. FC Köln rückte an den sonst so „Tollen Tagen“ die Auseinandersetzung mit Pyrotechnik, Platzsturm und einem bundesweiten Schock über Anhänger aus Köln zumindest zeitweise in den Vordergrund. Die Fanbetreuer des Fan-Projekts, Beirat und Vorstand waren Augenzeugen, Ansprechpartner und versuchten sich als Antwortgeber. Nachfolgend möchten wir auf der Basis von Mails, Reaktionen in den sozialen Netzwerken und persönlichen Gesprächen eine erste öffentliche Rückmeldung geben.

Wie reagiert Ihr auf die Vorfälle?
Auch wenn es uns fast schon ausgeleiert vorkommt: Natürlich sind wir schockiert! Natürlich distanzieren wir uns in aller Form! Natürlich gehören Gewalt und Regelverletzungen in Form von verbotener Pyrotechnik nicht zu unserem Verständnis von Fankultur! Daher unterstützen wir die klare Haltung und die konsequente Reaktion unseres Vereins. Insbesondere möchten wir dem Präsidium um Werner Spinner den Rücken stärken und weitere Unterstützung zusagen. Der Weg des Dialogs ist aus unserer Sicht alternativlos. Aber die Wegrichtung muss beizeiten angepasst werden.

Anzeige

Ist die AG Fankultur gescheitert?
Sie kann definitiv nicht als gescheitert bezeichnet werden. Denn der FC hat es geschafft, dass Sprachlose zu Gesprächspartnern wurden und eine breite Palette von Themen ausführlich erörtert werden konnte. Unsere Vertreter in der AG verstehen daher sehr wohl, wie es zu den Ausschreitungen gekommen ist. Auch wenn das Ausmaß an Organisation und Aggression überrascht und enttäuscht. Wir werden daher kurzfristig das Gespräch mit dem Leiter der AG Fankultur Thomas Schönig und dem Fanbeauftragten Rainer Mendel suchen und besprechen, unter welchen Rahmenbedingungen die AG mit uns weiterarbeiten kann und soll.

Wird es nun – ähnlich wie in Hannover – keine aktiven Ultras mehr in der Kurve geben?
Wir glauben und hoffen, dass es nicht so sein wird. Lautstarke, kreative und bunte Unterstützung von den Rängen muss es in Müngersdorf weiterhin geben! Das Fan-Projekt wird gerne, wo möglich, einen verstärkten Beitrag dazu leisten. Aber es muss ein neuer Grundkonsens her, als lediglich „das FC-Fansein“. Dies ist zurecht ein offener Begriff. Aber wir möchten Teil einer Fangemeinschaft sein, die unter Vereinsliebe eine bedingungslose Unterstützung auf der Basis verbindlicher Regeln versteht. Wer fortgesetzt in Gruppenstärke ausschert, ist auch von uns nicht willkommen.

Müssen FC-Fans nun Angst vor Reaktionen der Ausgeschlossenen haben?
Das glauben wir nicht. Der 1. FC Köln hat mit seiner Entscheidung umgehend gehandelt und damit aus unserer Sicht auch einer internen Auseinandersetzung vorgegriffen. Wir laden jeden FC-Fan, der sich ggf. verunsichert fühlt, ein, sich mit den Fanbetreuern des Fan-Projekts in Verbindung zu setzen. Beim Heimspiel gegen Hannover stehen wir Euch, wie gewohnt, am Infostand, bei der Betreuung der FC-Fans mit Behinderung und auch als Gästefanbetreuer zur Verfügung.

Was denkt Ihr, welche Strafe droht jetzt?
Darüber möchten wir nicht spekulieren. Wir hoffen, dass die Verbände – trotz der zum Teil drastischen öffentlichen Diskussionsbeiträge – anerkennen, dass die Uhren in Köln nicht auf Mai 2012 zurückgestellt wurden. Der 1. FC Köln ist in den zurückliegenden Monaten als vorbildlich in seiner Fanarbeit wahrgenommen worden. Die Verantwortlichen haben in alle Richtungen umfassend und angemessen kommuniziert. Zudem wurde stets in die Identifizierung von Tätern investiert. Eben um die sog. verschuldensunabhängige Haftung, unter der alle FC-Fans zu leiden haben, abzumildern und Straftäter in die Verantwortung zu nehmen. Wir denken, dies sollten die – nach unserer Definition – echten FC-Fans unterstützen, anstatt einerseits über Kollektivhaftung und andererseits über Denunzierung zu debattieren.

Sind nicht auch der DFB, die Gladbacher Ordner und die Spielplanarchitekten von der DFL schuld?
Bei der intensiven Beleuchtung aller Abläufe werden die Netzwerkpartner sicher auch in diesem Fall nicht haltmachen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Fanverhalten differenziert und neutral aufgearbeitet wird. Jedes Fehlverhalten muss gleich behandelt werden. Aber mal halblang: andere Schuldige sollten wir öffentlich erst suchen oder benennen, wenn wir mit uns im Reinen sind! Daher stellen wir klar, die Hauptverantwortlichen haben leider unter unserer Fahne gestanden.

Wir sind gespannt auf die kommenden Wochen und lassen uns nicht entmutigen. Wir rufen unsere Mitglieder und Freunde auf, den FC auch weiterhin lautstark und sportlich-fair zu unterstützen!

Ja zur Begeisterung, Nein zur Randale!

Euer Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V.