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National

Endstation Rastplatz oder Beginn einer Freundschaft?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 16. April 2014
Quelle: imago

Vielen Hannover-Fans dürfte die Lust auf Busreisen zu Auswärtsspielen in den letzten Wochen gründlich vergangen sein. Und doch werden sich zum Auswärtsspiel in Frankfurt am morgigen Donnerstag (20.30 Uhr) wieder etliche 96er in den Bus setzen. Nicht zuletzt geht es ja für beide Mannschaft noch irgendwie um den Klassenerhalt. Als ausgewiesene Glücksbringer werden die sechs Jungs aber kaum durchgehen, die sich gemeinsam mit den Hannoveranern auf die gut dreieinhalbstündige Reise nach Hessen machen werden. Eine Handvoll Mitglieder des Eintracht-Fanclubs EFC Nord Hannover-Celle hat allen Ernstes vor, zum Heimspiel in der Fremde im 96-Fanbus mitzufahren.

Für die verrückte Idee sprachen ganz vernünftige Gründe – es liegt logistisch einfach nah. „Bei so einem späten Termin haben wir das Problem, dass irgendwann die Bahn nicht mehr fährt. Wir wollten auch nicht mit dem Auto kommen und haben uns überlegt: Wie machen wir das?“ erklärt der 1. Vorsitzende des Fanclubs, Alexander Hass gegenüber fanzeit. Dem Veranstalter der Busreise sei es einerlei gewesen, wen genau er da nach Frankfurt und zurück kutschiert. Großes Konfliktpotenzial gehe von den EFC-Mitgliedern aber auch nicht aus, versichert der gebürtige Frankfurter. „Wir sind eher eine Sitzkissen-Fangemeinde und weniger die Hardcore-Ultras. Eine bunt gemischte Gruppe, die meisten zumindest über 30.“

Nicht umsonst lauten die ersten drei Grundregeln des Clubs: „Wir sind zu alt (oder zu bequem) um zu stehen, sind aber stolz auf unsere Fans in der Kurve, wir nutzen ein Sitzkissen und wir gehen auch bei Auswärtsspielen mit Eintrachtschal in den Heimblock.“ Etwa 30 Mitglieder zählt der Fanclub, den Hass gerne nach und nach als Außenstelle der Eintracht im Norden etablieren möchte. Durch die jüngste Aktion habe er schon wieder Feedback von anderen Frankfurtern in der Diaspora bekommen. „Uns gibt es erst seit 2006, wir merken aber lansgam, dass sich der Norden bei uns firmiert.“ Dabei sind es nicht nur gebürtige Hessen, die den Treffen beiwohnen. Es gebe auch einige Ortsfremde, die dennoch ihre Liebe zu den Adlerträgern für sich entdeckt hätten. „Wenn jemand gar keine Wurzeln dort hat und wegen Uwe Bein, Jürgen Grabowski oder Cha Bum-kun Eintracht-Fan geworden ist, imponiert mir das noch mehr“, sagt der EFC-Chef.

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Ebbelwoi als Eisbrecher

Um Unentschlossenen die Sache schmackhaft zu machen, organisiert er regelmäßig kulinarisches Lokalkolorit. Rindswürste bringt der Inhaber von gleich zwei Dauerkarten von seinen 14-täglichen Heimaturlauben mit, zur Zeiss-Metzgerei besteht guter Kontakt und auch für Possmann-Ebbelwoi sei stets gesorgt. Gerade damit erhofft Hass, die Herzen der Hannoveraner zu erweichen: „Wir lassen sie mal probieren, dann wird das schon.“ Das Verhältnis zwischen beiden Klubs sei schließlich bisher weitgehend neutral. Er selbst schiele als zugezogener Niedersachse inzwischen natürlich schon mal mit einem Auge auf die Konkurrenz. Nur Wolfsburg möge er nicht. Das zumindest dürfte in Hannover durchaus mehrheitsfähig sein.

Ob seine Sitznachbarn das allerdings genauso diplomatisch sehen, wie er selbst, bleibt abzuwarten. Schließlich wissen weder die Frankfurter, neben wem sie sitzen, noch der Hannover-Bus, dass überhaupt gegnerische Fans an Bord sein werden. Für den Fall der Fälle haben sich die Exil-Hessen daher vorsichtshalber einen Plan B bereit gelegt: „Ich habe mich schon schlau gemacht, was ein Auto kostet. Wenn sie uns nicht mitnehmen, müssen wir uns halt eins mieten“, sagt Hass. Nur an einem Rastplatz würde er ungern stehen gelassen werden: „Das wäre schlecht…“ Aber um atmosphärischen Störungen vorzubeugen, sollte schließlich genug Eppelwoi im Gepäck sein.