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National

Viele Vereinsmitglieder als „Heuschrecken-Schutz“

Autor: Mirko Lorenz Veröffentlicht: 24. April 2015
Quelle: imago

Am vergangenen Mittwoch hat der Nordwestkurve e.V. zu einem offenen Themenabend mit Vorstandsmitglied und Finanzdirektor Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt, im Fanhaus Louisa geladen. Hauptdiskussionspunkt waren Investoren im Fußball und wie sich ein Verein wie Eintracht Frankfurt gegen Wolfsburg, Hoffenheim und RB Leipzig behaupten kann.

Beim Thema Investoren verdreht sich bei vielen Fußballfans der Magen. Gerade die Eintracht ist bei diesem Thema ein gebranntes Kind. Anfang der 2000er, als der Verein kurz vor der Insolvenz stand, verkaufte man 49% der Anteile an die amerikanische Marketingfirma Octagon, um die Lizenz zu sichern. Das vorgegriffene Geld musste allerdings schmerzvoll zurückgezahlt werden.

Auf dem Fantreffen machte Hellmann nun klar, dass der Weg der Eintracht nur über den Verein gehen kann. Ziel müsse sein, die Mitgliederzahl noch weiter auszubauen, um den Verein und seine wirtschaftliche Position insgesamt zu stärken. Durch Widerstand aus den eigenen Reihen könnten Übergriffe durch „heuschreckenartige“ Investoren am besten verhindert werden. Allerdings lehnt Hellmann die Möglichkeit, Gelder durch Investoren zu generieren, nicht generell ab. Dabei spielen für ihn auch die Herkunft oder Art der Unternehmung tendenziell keine Rolle, solange man sich über die Zielsetzung einig sei. Ein Modell wie in Hoffenheim, wo eine Einzelperson maßgeblichen Einfluss hat, solle es in Frankfurt jedoch niemals geben. Seine Wunschvorstellung für die fernere Zukunft sei es, den Großteil der Anteile im Vereinsbesitz zu sehen und ungefähr ein Viertel auf viele Unternehmen und Privatpersonen mit langjährigem Eintracht-Bezug zu verteilen. So sei der Verein in seinen Augen am besten aufgestellt, um einerseits die Vereinsinteressen zu wahren und andererseits die finanziellen Möglichkeiten zu maximieren.

Aktuell sieht Hellmann jedoch keine unbedingte Notwendigkeit, Investoren zu integrieren, und hofft, dass dies auch in Zukunft nicht nötig sein wird. Denn in schweren Zeiten müsse man sich Kapital teuer besorgen. Die im Jahre 2000 erhaltenen 10 Millionen Euro eines Vermarktungsdeals mit ISPR, heute Sportfive, zahlte die Eintracht in mehr als doppelter Höhe zurück. „Der Vertrag wird die Fußball AG von 2000 bis 2013 22,5 Millionen Euro gekosten haben“, sagte Finanzvorstand Pröckl.

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Der „Gladbacher Weg“ als Vorbild

Klar sei aber, dass man alle Möglichkeiten ausschöpfen müsse, um einen konkurrenzfähigen Etat für die Profimannschaft zu erwirtschaften. Hier nennt er vor allem den „Gladbacher Weg“ als Beispiel. Die Borussen hätten es geschafft, durch Ablösesummen den Abstand zu den (finanziellen) Spitzenteams wie FC Bayern München, Borussia Dortmund, FC Schalke 04, VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen zu verkürzen. Alleine die Transfers von Marco Reus und Marc-André ter Stegen brachten in den letzten Jahren etwa 30 Millionen Euro ein. Bisher hat die Eintracht es noch nicht geschafft, große Transfererlöse zu generieren. Die Abgänge der Leistungsträger Jung, Rode und Schwegler im letzten Jahr brachten insgesamt nur etwa 4,5 Millionen Euro ein, bei damaligen geschätzten Marktwerten von etwa 25 Millionen Euro. Mit der langfristigen Vertragsverlängerung von Kevin Trapp ist hier aber schon ein Schritt in die richtige Richtung getan.

Außerdem sprach Hellmann von der Eintracht als einem Gesamtkunstwerk mit Stadt, Stadion und vor allem den Fans. Dadurch sei es möglich, bei den Fernsehtabellen und der Reichweite am oberen Drittel der Bundesliga anzuklopfen. Hier schneidet die Eintracht sogar besser ab als deutlich finanzstärkere Klubs. Das hieße aber auch, man müsse dieses Standing vor allem durch ständige Präsenz in den sozialen Medien verteidigen. Gerade im Ausland verliere man sonst schnell Plätze an Vereine wie Wolfsburg, die keine klassischen Traditionsvereine sind, aber mit gutem Fußball und durch Live-Übertragungen von internationalen Spielen Fans für sich begeistern können. Denn die Vereinsstrukturen und Historien seien den internationalen Fans zunächst mal nicht so wichtig.

Geschehnisse auf den Rängen teilweise interessanter als das Spiel

Viel diskutiert wurde natürlich auch über die TSG Hoffenheim und RasenBallsport Leipzig. Hellmann warnte davor, dass solche Klubs dem Image der Bundesliga langfristig schaden könnten. Gerade RB nutze den Erfolg des Produkts Bundesliga für ihre marketingorientierten Zwecke, „sie surfen sozusagen auf der Welle des Erfolgs mit“, so der Finanzdirektor der Eintracht. Langfristig könne die Bundesliga aus seiner Sicht aber nur mit Fans funktionieren. Diese sorgten für die Stimmung und Emotionen und auch für ihn seien früher schon die Geschehnisse auf den Rängen teilweise interessanter als das Spiel gewesen.