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Hintergründe

Ein Hoch auf die digitale Eintrittskarte?

Autor: Zienau Veröffentlicht: 22. Januar 2015
Quelle: imago

Die EM 2016 in Frankreich steht an und eine Revolution könnte sich anbahnen. Die UEFA plant, dass Eintrittskarten zu den Spielen der EM 2016 nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern ans Smartphone geschickt werden sollen. Stellt sich nur die Frage, ob man das auch machen sollte.

Schon lange hat das Smartphone den Hund als besten Freund des Menschen abgelöst. Nicht nur, dass es bedeutend weniger zu essen braucht, es bietet auch eine Menge toller Funktionen, die unsere vierbeinigen Gefährten nicht bieten können. Man kann mit ihm surfen, spielen, Musik hören, Aktien handeln, Freunde finden, Netzwerke aufbauen oder beitreten, man kann Fotos schießen, Videos drehen und diese betrachten, Essen bestellen, Pornos gucken und Flüge buchen. Inzwischen dient das Smartphone sogar als Eintrittskarte zu Veranstaltungen, einfach einen Strichcode, der einem zugeschickt wird, unter einen Scanner halten und man ist drin.

Dieses Konzept findet man bei der UEFA voll super! Endlich fallen die teuren Druckkosten weg! Dieses Papierzeugs müllt doch eh nur alles zu. So wird alles bestimmt viel schöner. Zudem sind digitale Tickets kurzfristig buchbar, verknittern nicht, kosten kein Porto und können nicht vergessen werden, da man ohne sein Handy ohnehin nicht mehr das Haus verlässt. Was also könnte gegen E-Tickets sprechen?

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Zum einen sind und waren Papiertickets schon immer Erinnerungsstücke. Viele Fans bewahren ihre Eintrittskarten von großen, denkwürdigen Spielen auf. Ob die Erinnerungen auf dem Handy einen ähnlichen Wert besitzen würden, ist zweifelhaft. Gerade WM- und EM-Tickets sind sowohl Sammlerstücke, als auch schöne Erinnerungen an besondere Momente, die in digitaler Form einfach nicht mehr den selben Effekt hätten.

Außerdem bieten digitale Tickets einige weitere Angriffspunkte und Schwächen. So können sich Kriminelle oftmals recht mühelos in E-Mailkonten oder Accounts einklinken und vertrauliche Daten stehlen. Zudem kann der zugesandte Datensatz beliebig oft kopiert werden. Ein Papierticket hat meist Wasserzeichen und Spezialfarben, das Kopieren fällt also schwerer. Außerdem geht den analogen Eintrittskarten niemals der Strom aus und sie überleben einen Sturz aus mehreren Metern Höhe. Dabei nehmen sie auch nicht mehr Platz ein als ein handelsübliches Smartphone, Probleme beim Transport sind also auch nicht wirklich realistisch.

Hinzu kommt, dass 2014 insgesamt 41,1 Millionen Deutsche ein Smartphone besaßen. Würde die FIFA analoge Tickets verbannen, würden die anderen 39 Millionen in die Röhre schauen müssen. Natürlich befinden sich auch viele Kinder unter den Smartphoneasketen, aber eine gewisse Zahl Erwachsener sind von den Handys nicht überzeugt. Rechnet man diese Minderheit auf den europäischen Raum hoch, würden viele Leute auf ein Besuch der Spiele verzichten müssen, da sie, aus welchen Gründen auch immer, kein Smartphone besitzen.

Am ehesten würde sich ein Kompromiss anbieten, indem einfach analoge und digitale Tickets angeboten werden würden. So könnte sich jeder Fan seine Lieblingsmethode auswählen.

mz