Anzeige

National

„Ein entschlossenes Zeichen setzen!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 04. September 2015
Quelle: imago

Es ist der feuchte Traum vieler Scharfmacher und womöglich gar ein Präzedenzfall: Bei beiden Spielen zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster dürfen keine Gästefans ins Stadion. Viele Fans aus Münster wollen zum Spiel in Osnabrück am 23. September aber offenbar auch ohne Karte anreisen. Unterstützung erhalten sie dabei vom eigenen Fanprojekt.

In einer ausführlichen Stellungnahme erläutert das Fanprojekt noch einmal, wie es überhaupt zum Ausschluss von Gästefans kam. Demnach hätten Polizei und Politik den Verein vor die Wahl gestellt: Eine Reduzierung des Gästekontingents von 2.000 auf 800 und Ausgabe von Vouchers gegen Angabe persönlicher Daten, verbunden mit einer verpflichtenden Busanreise. Für Preußen Münster keine praktikable Option. Oder den Ausschluss aller Gästefans.

Dieser kam zwar in der Konsequenz heraus, dennoch hält das Fanprojekt die Entscheidung für „nicht hinnehmbar“ und ruft dazu auf,  mit allen Preußenfans am Spieltag ein „deutliches Zeichen“ zu setzen, ohne dies allerdings zu präzisieren. Die von Polizei und Innenministerium angeführten Gründe versucht das Fanprojekt derweil zu entkräften. So entspreche die als ursächlich ins Feld geführte Zahl von 114 Verletzten Personen bei den letzten Derbys gerade einmal 0,1 Prozent der 120.000 Besucher der letzten acht Jahre. Ferner werde gar nicht geklärt, woher diese Verletzungen letztlich rührten. Etwa sei es am Gästeeingang in Osnabrück 2013 aufgrund der Einlasssituation beinahe zu einer Massenpanik gekommen, was jedoch keineswegs mit Ausschreitungen zu erklären sei. Gewalt sei ferner ein gesellschaftliches und kein Fußballproblem, das sich mit Verboten nicht aus der Welt schaffen lasse.

Anzeige

Würde man diese Entscheidung nun kommentarlos hinnehmen, wäre womöglich ein Präzedenfall geschaffen, der auch bei noch „größeren“ Derbys Anwendung finden könnte. Beim Rheinderby in Köln etwa haben Mönchengladbach-Fans ja schon ihrerseits aus Protest gegen die Auflagen einen Boykott angekündigt.

Pistorius wirbt für das „Niedersächsische Modell“

Auch das niedersächsische Innenministerium hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert und weist den Vereinen eine Teilschuld zu. Da der Spieltermin in der Woche in den Abendstunden liege, hatten Polizei und Ministerium eine Verlegung der Partie in die Länderspielpause vorgeschlagen. Darauf hätten sich Münster und Osnabrück jedoch nicht einigen können. Weiterhin bewirbt Pistorius, einer der Väter des „Buszwangs“ in Hannover, das „Niedersächsische Modell“, das sich in Braunschweig schließlich bewährt habe. Dass dies letztlich den endgültigen Bruch zwischen den betroffenen Hannover-Fans und ihrem Verein verursacht hat, verschweigt der SPD-Politiker dabei.

Von gegenseitigem Verständnis sind beide Parteien offenbar also noch ein ganzes Stück entfernt. Dennoch beteuert Pistorius: „Die Entscheidung ist sehr schade für alle friedlichen Fußballfans. Mich ärgert das und ich hoffe, dass zukünftig andere Lösungen gefunden werden. Es kann nicht sein, dass wenige Idioten und Krawallmacher allen friedlichen Fans den Spaß an Fußball derart verderben und dem Fußball in Deutschland solchen Schaden zufügen, dass es am Ende keine andere Lösung mehr gibt, als Gästefans generell auszuschließen.“ Genau das steht jedoch vielleicht konkreter im Raum als je zuvor.