Anzeige

Hintergründe

Echte Liebe zur Musik

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 22. April 2014
Quelle: dortmunder-jungs.net

Fußballmusik – ein schwieriges Thema. Neben den liebgewonnenen Vereinsliedern wechseln sich oft totgespielte Hymnen mit zweckentfremdeten Gassenhauern ab. Die Dortmunder Jungs aber wollen mehr als das. Und punkten nicht zuletzt mit beeindruckender Prominenz. Er gründete mit Dave Lombardo – ehemaliger Schlagzeuger von Slayer – die Thrash-Metal-Band Grip Inc., spielte bei Voodocult mit Phillip Boa und tourte mit diesen und anderen Combos durch die ganze Welt. Waldemar Sorychta arbeitet heute als Produzent für das Dortmunder Metal-Label Century Media, ist aber nach wie vor Gitarrist. Zusammen mit The Duke, Swen O. Heiland und Bobby Schottkowski bildet er nun die Dortmunder Jungs. Unterstützt werden sie dabei von namhaften Gästen, wie Gas Lipstick (HIM), Sir Hannes Schmidt (The Idiots) oder dem Rapper M.I.K.I. – allesamt BVB-Fans. Wir sprachen mit Mastermind Sorychta über seine Liebe zum BVB, zur Musik und das Besondere an den Dortmunder Jungs.

Waldemar Sorychta, inwiefern gehören Fußball und Musik für Sie zusammen?

Direkt vergleichen kann man beides vielleicht nicht, aber beides hat sehr viel mit Emotionen und mit Leidenschaft zu tun. Musik erzeugt Gefühle in dir – ohne zu wissen, wann oder durch wen sie gemacht wurde. Für mich ist Musik das beste Beispiel dafür, wie Gefühle konserviert werden können. Ich beschäftige mich schon seit meinem sechsten Lebensjahr mit Musik und habe mich immer sehr in die Musik vertiefen können. Auch klassische Musik, von Komponisten, die seit zwei- oder dreihundert Jahren tot sind, transportiert heute noch sehr präsente und lebendige Gefühle. Das ist es, was Musik für mich ausmacht. Alles andere – sich die neusten Lieder zu holen, weil sie gerade in den Charts auf Platz zwei sind, das ist Musikmarketing. Musik verkaufen, sprich: Business. Offen zugegeben: Das verabscheue ich oft zutiefst, weil man den Leuten etwas vortäuscht.

Würden Sie es dann als Gratwanderung bezeichnen, diese Einstellung zu haben, aber gleichzeitig als Musikproduzent zu arbeiten und dabei Werbung und Medien zu nutzen?

(lacht) Deswegen kann ich das vielleicht auch nicht so gut. Ich sehe mich in erster Linie als Musiker.

Anzeige

Wie wichtig ist Ihnen neben der Musik der Fußball?

Fußball ist die zweite Leidenschaft für mich. Das habe ich relativ spät entdeckt, obwohl ich schon früh Fußball gespielt habe. Als ich von der Musik schon fast besessen war und auf dem Weg zum Proberaum in Dortmund durch die Massen gehen musste mit meiner Gitarre – da war das manchmal sogar schon nervig. Und die Fans werden sich auch gedacht haben, warum ich ausgerechnet zu dieser Uhrzeit mit meiner Gitarre diese Bahn nehmen musste. Wir probten jeden Samstag und danach ging es meistens in Kneipen. Und da wurde natürlich die Hälfte der Zeit über Fußball diskutiert. In den Jahren habe ich dann gemerkt, wie verbunden ich mit der Stadt Dortmund und dem Verein Borussia überhaupt bin. Ich mag die Bezeichnung „Patriot“ nicht, aber ich empfinde tatsächlich Dortmund als Heimat. Und die erste Adresse ist der BVB. In den Jahren, als es mit meiner Musikkarriere steil nach oben ging, war ich immer öfter unterwegs. Touren durch die ganze Welt. Und plötzlich merkte ich, wie sehr mir das fehlt. Vorher war es selbstverständlich und plötzlich kriegt man mal zwei Wochen nichts vom BVB mit. In den Achtzigern gab es ja kein Internet wie heute. Ich musste mir manche Spiele in voller Länge am Telefon beschreiben lassen, weil ich keine Wahl hatte. Ihr könnt euch vorstellen, was das für Geld gekostet hat …

„Je öfter ich weg war, umso mehr wurde ich Borusse“

Die Liebe zu Borussia Dortmund wuchs also in Amerika?

Vor allem in den USA war Fußball ja völlig unbekannt. Das EM-Halbfinale 1996 haben sie nicht im Fernsehen gezeigt. Die haben Fishing gezeigt! Das müsst ihr euch mal vorstellen. Habe die Spiele dann im englischen Pub gesehen, wo ich auch willkommen war, bis zum Elfmeterschießen. Da flogen dann am Ende Gegenstände. Je weiter ich weg war, desto mehr fühlte ich mich hingezogen. Und je öfter ich weg war, umso mehr wurde ich Borusse. Aus einem Schal wurden zwei, drei vier. Später war ich fast jeden Tag im kompletten BVB-Dress unterwegs. Und immer wenn ich die Klamotten getragen habe, fühlte ich, ein Stück Heimat dabeizuhaben. Die Entscheidung, musikalisch was in diese Richtung zu machen, lag daher schon lange auf der Hand. Es war nur die Frage: Wie verbinde ich das am besten mit der Musik, die ich mache?

Auf Seite 2: “Ich habe das Gefühl, dass zu viel schleimige Schlager-Scheiße in den Stadien läuft”