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Hintergründe

Dynamo und der DFB-Pokal: Ein besonderes Verhältnis

Autor: Nicolas Breßler Veröffentlicht: 03. März 2015
Quelle: imago

Heute Abend treffen im DFB-Pokal-Achtelfinale Dynamo Dresden und Borussia Dortmund aufeinander. Ein Spiel mit Brisanz, seit den Vorfällen rund um das DFB-Pokal-Zweitrundenspiel beider Mannschaften am 25. Oktober 2011. Damals hatte es massive Randale von Seiten einiger Dynamo-Anhänger gegeben, was eine Geldstrafe von 100.000 Euro und ein Geisterspiel zur Folge hatte. Nach erneuten Krawallen beim DFB-Pokalspiel in Hannover ein Jahr später wurde der Verein für ein Jahr vom DFB-Pokal ausgeschlossen. Daraufhin hatte Dynamo einen eigenen Pokal veranstaltet, den FDGB-Pokal.

In Dortmund hatten, gewohnt zahlreich, 10.000 Dresdener Fans ihre Mannschaft begleitet. Bereits beim Marsch zum Stadion war es zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen, als Anhänger die Polizeiabsperrungen durchbrechen wollten. Daraufhin hatte die Polizei Pfefferspray eingesetzt. Auch vor dem Stadion kam es zu Gewaltszenen und chaotischen Zuständen, so dass der Anpfiff um eine Viertelstunde verschoben werden musste. Während des Spiels wurde die Partie wegen diverser Pyro-Aktionen mehrfach unterbrochen. Auch nach dem Spiel kam es in Dortmund zu weiteren Zwischenfällen. Im Anschluss sollte der Verein für ein Jahr aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen werden. Dynamo ging erfolgreich in Berufung und milderte die Strafe ab auf eine Geldstrafe und ein Geisterspiel.

Geistertickets und FDGB-Pokal

Beeindruckend war hingegen, wie die Dynamo-Fans aus der Not eine Tugend machten: Durch den Erwerb so genannter Geistertickets für das Geisterspiel gegen den FC Ingolstadt konnte der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. 34.638 „Zuschauer“ sorgten dafür, dass das Stadion sogar mehr als ausverkauft gewesen wäre. Insgesamt sparte der Verein so etwa 200.000 Euro.

Enige Dynamo-Anhänger wurden beim Pokalspiel in Hannover im Oktober 2012 erneut auffällig: Vor dem Spiel wurde der Block gestürmt sowie Pyrotechnik gezündet. Dynamo schied im Elfmeterschießen gegen Hannover 96 aus, nach Abpfiff stürmten einige Anhänger den Platz. Diesmal hatte der DFB kein Einsehen: Dynamo Dresden wurde für die DFB-Pokal Saison 2013/14 aus dem Wettbewerb ausgeschlossen. Proteste von Verein und Fans, dass der gesamte Verein für das Fehlverhalten einiger Weniger bestraft würden, blieben ungehört.

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Wiederum bewiesen Verein und Fans Kreativität, um die entstandenen Verluste in Grenzen zu halten. Der „Für-Dynamo-Gemeinsam-Blechen“-Pokal, kurz FDGB-Pokal, wurde ins Leben gerufen. FDGB-Pokal hieß auch der alte Pokalwettbewerb in der DDR, den der Verein noch unter dem Namen 1.FC Dynamo Dresden siebenmal gewann. Für die verschiedenen „Pokalrunden“ konnten dann Gegner wie Hull City und Borussia Mönchengladbach gewonnen werden. Die Mannschaft blieb so im Spielrhythmus und die Verluste konnten so minimiert werden.

 


Dynamo als „Ruhrpottschreck“

Welch eine Bereicherung der Verein und seine Fans für den DFB-Pokal sein können, zeigte sich dann in den ersten beiden Runden des diesjährigen Wettbewerbs: Dort gelang es Dynamo zunächst, Champions-League-Teilnehmer FC Schalke 04 mit 2:1 zu schlagen, im selbstverständlich ausverkauften Stadion. Mit demselben Ergebnis wurde ein weiterer Ruhrgebietsverein, der VfL Bochum, besiegt. Nun fiebert ganz Dresden auf das Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund hin, um auch den dritten Verein aus Westfalen aus dem Pokal zu werfen.

Das Stadion ist ausverkauft und etwa 1.000 Polizeibeamte werden im Einsatz sein. Auch in dieser Saison hatte es, nach Ausschreitungen in Rostock, bereits ein Geisterspiel gegeben. Die Verantwortlichen hoffen, dass der heutige Pokalabend ruhig verläuft. Insgesamt bleibt das Verhältnis Dynamo Dresdens zum DFB-Pokal eben ein Besonderes.