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National

Dynamo droht nach Ostduell Zuschauer-Ausschluss

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 01. Dezember 2014
Quelle: imago

Das Ostduell zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden bestätigte, was viele zuvor befürchtet hatten. Nachdem Dresdner Anhänger schon während des Spiels Raketen in den Rostocker Block gefeuert und so für eine Spielunterbrechung von rund zwölf Minuten gesorgt hatten, kam es nach Spielende zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rostocker Anhängern und der Polizei. Viele Hansa-Fans hinterfragen jedoch auch das Vorgehen der Einsatzkräfte.

Laut Angaben der Polizei sollen gegen 17 Uhr rund 70 Rostocker Anhänger die Polizeidienststelle in der Ulmenstraße angegriffen haben. Bei den Auseinandersetzungen wurden insgesamt 13 Beamte verletzt, eine Polizistin ist aufgrund ihrer Verletzung derzeit noch dienstunfähig. Die Polizei hat die Identität von 67 Personen feststellen können und über 30 Anzeigen in die Wege geleitet. Derzeit wird geprüft, ob gegen die Personen wegen verschiedener Delikte wie Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt wird. Auch der Sachschaden ist immens: Insgesamt sollen 19 Scheiben der Polizeiwache eingeworfen worden sein, auch die Fassade hat etwas abbekommen, sodass sich der Schaden derzeit laut Polizeiangaben auf etwa 40.000 Euro beläuft.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier reagierte auf die Vorfälle bereits mit einer erwartungsgemäß scharfen Replik. „Die Krawallos des FC-Hansa Rostocks konnten nicht lange ihr wahres Gesicht verbergen. Während sie sich im Stadion noch mäßigen konnten, haben sie nach dem Spiel ihre engelsgleiche Fan-Maske fallen lassen. Zum Vorschein kam das altbekannte Gesicht eines äußerst schlechten Verlierers, der nur auf Gewalt aus ist. Das ist eine Schande für eine lebendige Fankultur“, findet der CDU-Politiker. „Auch wenn außerhalb des Stadions die Polizei zuständig ist, erwarte ich vom Verein und den Fanvertretern, dass sie sich ganz klar von diesen Aktionen distanzieren und gemeinsam mit der Polizei die Ereignisse prüfen, analysieren und auch entsprechende Sanktionen für die kommenden Spiele prüfen. Gerade in Zeiten, in denen der Verein in solch großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, kann er sich keinen weiteren Image-Schaden leisten.“ Das klingt beinahe wie eine Drohung. Zumindest kündigt Caffier bereits an, auf der nächsten Innenministerkonferenz eine Diskussion darüber anzustoßen, wie gegen die „Rädeslführer“ vorgegangen werden könne.

Rostocker Fans indes wollen nicht die Alleinschuld auf sich sitzen lassen. Blieb es im Stadion trotz der Pyro-Würfe auf Rostocker Fans noch ruhig, habe möglicherweise auch das Einsatzkonzept der Polizei die Stimmung zusätzlich angeheizt. Zumindest ist es den Beamten nicht gelungen zu verhindern, dass eine etwa 150-köpfige Gruppe schwarz gekleideter Dresdner Fans gegen 9 Uhr vormittags in Warnemünde am Strand und vor dem berühmten „Teepott“ für Erinnerungsfotos posierte. Die Polizisten eskortierten den Dresdner Anhang sogar. „Wir haben schon nachgefragt, was dort geplant sei, aber wir müssen niemanden, der in Warnemünde ist, von Warnemünde abtransportieren“, erklärte Polizeisprecherin Yvonne Hanske gegenüber Fanzeit. Dass dies auf gegnerischer Seite als Provokation empfunden werden musste, dürfte aber auch den Beamten klar gewesen sein. Nichtsdestotrotz ließen sie die Dresdner einigermaßen unbehelligt gewähren. Vermutlich wurden die Polizisten von dem Auftauchen des Dresdner Anhangs selbst kalt erwischt. Zur Beruhigung der Szenerie dürfte der symbolische Aufmarsch des Dynamo-Anhangs jedenfalls nicht beigetragen haben, auch wenn es dabei offenbar nicht ganz friedlich geblieben ist, wie einige Aufnahme der Ultras Dynamo beweisen, die Auseinandersetzungen mit der Polizei dokumentieren.

 

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Drittligist Hansa Rostock hat sich in einer Stellungnahme von den Vorfällen distanziert. Rainer Friedrich, Vorstand für Stadionmanagement und Prävention erklärte: „Für das Verhalten dieser Straftäter haben wir überhaupt kein Verständnis! Der Einfluss eines Fußballvereins hat jedoch gewisse Grenzen, weshalb wir für diese Straftaten Einzelner keine Verantwortung übernehmen können und wollen. Personen, die auf andere Menschen mit Steinen werfen und somit Verletzungen und Schlimmeres billigend in Kauf nehmen, haben in der Hansa-Familie keinen Platz! Diese Personen sind ein klarer Fall für die Strafverfolgungsbehörden!“

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Robert Schäfer bewertete die Vorfälle nicht anders: „So wichtig der Sieg heute war, er ist natürlich getrübt. Diejenigen, die Leuchtspurmunition in gegnerische Fans schießen, sind Straftäter, die wir als Verein scharf verurteilen. Diese Personen müssen strafrechtlich verfolgt, abgeurteilt und bestraft werden. Was heute passiert ist, wird für den Verein sicherlich Konsequenzen haben. Die Personen, die dafür verantwortlich sind, haben Dynamo Dresden erneut einen Bärendienst erwiesen. Wir werden weiter konsequent gegen diese Leute vorgehen und nicht klein bei geben.“

Dynamo muss mit Zuschauer-Teilausschluss rechnen

Mit Konsequenzen müssen aber beide Vereine rechnen. Vor allem Dynamo Dresden dürfte es hart treffen, da der Verein seit den Vorkommnissen beim Spiel gegen Arminia Bielefeld in der vergangenen Saison „auf Bewährung“ ist. Nun droht den Sachsen ein Teilausschluss der Zuschauer. Dann dürften beim folgenden Heimspiel nur noch 7.000 Dresdner Fans ins Stadion. Der DFB hat am Montag bereits Stellungnahmen beider Klubs eingefordert und die Ermittlungen aufgenommen.

Dynamo Dresden hat inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Aus den ersten Auswertungen des Videomaterials geht offenbar hervor, dass einige der möglichen Täter nicht die gesamte Zeit über vermummt und maskiert gewesen sind. Wir hoffen daher, dass die Ermittlungsbehörden Täter identifizieren können“, sagte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Robert Schäfer am Montag. „Wir als Verein sind ja keine Ermittlungsbehörde und können deshalb erst dann aktiv werden, wenn Täter festgestellt worden sind. Wir unterstützen die Ermittlungen, soweit wir können. Jene Personen, die die Gesundheit anderer Menschen mit Leuchtspurraketen vorsätzlich gefährden, sind Straftäter, keine Fußballfans. Dieses kriminelle Verhalten werden wir als Verein nicht tolerieren. Sobald Täter identifiziert und ermittelt wurden, werden wir sie mit Stadion- bzw. Hausverbot und Vereinsausschlüssen sanktionieren und mögliche Regressansprüche prüfen lassen.“