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Hintergründe

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Oktober 2015

Ruhig Blut! Es ist noch nichts geschehen, die Konsequenzen des VW-Skandals lassen sich nicht mal richtig fieberträumen. So instinktiv die gescheiterten Gescheitelten aus den Teppichetagen das soziale Gerechtigkeitsempfinden auch aktivieren – man muss davon ausgehen, dass diese Runde auf die mit dem kleinsten Klimperbeutel im Blaumann geht. Schadenfreude ist also völlig verfehlt. Sollte der VfL Wolfsburg als abgeliebtes Spielzeug enden, dürfte das vielen Fans jedoch ein kleines Stück Glauben an ihre Sache zurückgeben. Ein Kommentar.

Über Profifußball zu fabulieren verbietet sich in Wolfsburg derzeit. Hat er auch nicht gemacht, der Matthias Müller. Und doch gemeint, glauben nicht wenige. Mal ehrlich, die Summen, mit denen der VfL Wolfsburg seine Betriebssportgruppe pampert sind in Relation zum großen Ganzen zu vernachlässigen. Aber wenn die Hütte brennt, kann sich eben selbst ein Konzern von Weltruf keinen Englischen Vorgarten mehr leisten – allein aus Imagegründen.

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Mit der noch recht neuen Herrlichkeit könnte es in Wolfsburg also bald vorbei sein. Dass der VW-Skandal, der längst zur VW-Krise geworden ist, den Werksklub in Mitleidenschaft ziehen wird, ist unstrittig. Die Frage ist allein, wie sehr. So hochmotorisiert wie in der jüngeren Vergangenheit dürften die Wölfe vermutlich bald nicht mehr auf Bayernjagd gehen. Die Bundesliga wird daran keinen größeren Schaden nehmen. Am Ende ist der VfL Wolfsburg in seiner DNA doch immer ein Traditionsverein geblieben, der einen Großteil seiner Historie in der Oberliga und Regionalliga Nord erfochten hat. Peinlichkeiten wie halbvolle Stadien in der Champions League haben das noch zuletzt dokumentiert.

Sollte der Verein nun tatsächlich durch die Probleme seines Geldgebers ins Schlingern geraten, wäre das aber gleichsam ein Präzedenzfall. So erfolgreich sich Vereine wie Wolfsburg, Leverkusen oder vor allem RB Leipzig von ihren Geldgebern finanziell fitspritzen lassen, dieses Szenario stand immer im Kleingedruckten. Reduziert man also alles auf die sportlichen Konsequenzen, kann die Enwticklung in Wolfsburg den Traditionalisten das Wort reden und die Frage in den Raum stellen, wie sich ähnlich aufgestellte Klubs für solche Eventualitäten rüsten. Mit Volkswagen wusste Wolfsburg schließlich einen Sponsor hinter sich, der vielleicht wie kein Zweiter für Verlässlichkeit stand. Eigentlich.

Um auf Dauer Erfolg zu haben, müssen Klubs aber nicht nur Geld, sondern auch Menschen „akquirieren“ und begeistern. Nur ein Verein, der von einer breiten Fanbasis und mithin dann auch Sponsoren getragen wird, kann solche Risiken halbwegs abfedern. Die Gunst jedes Sponsors ist endlich. Auch die „Roten Bullen“ müssen sich die Frage stellen, was passiert, wenn das Geld eines Tages nicht mehr aus der (Steck-)Dose kommt. Es war vieles anders damals, aber auch die goldenen Zeiten von Wattenscheid, Uerdingen oder Ahlen waren mit einem Ablaufdatum versehen. Drum prüfe, wer sich ewig bindet …