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Hintergründe

Diese sogenannten Fans

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 28. September 2015
Quelle: imago/fanzeit

Wir brauchen Rivalität und Rivalität funktioniert durch eine klare Abgrenzung. Die Blauen gegen die Gelben, die Roten gegen die Grünen. Aber eine Abgrenzung stößt mir sauer auf: Die Echten gegen die Falschen. Oder besser noch: diese „sogenannten Fans“.

So zu lesen auch in der Mitteilung des FC Hansa Rostock. Die Südtribüne bleibt zu, die Botschaft ist klar: Hier sind wir und die da hinten gehören nicht dazu. Man distanziert sich, will sein Image schützen, will dem Verband Kooperationsbereitschaft signalisieren. Aber wenn man als Reaktion auf Ausschreitungen „alle echten Hansafans“ beschwört, dann aber ausgerechnet die Südtribüne sperrt, dann zieht man Gräben, wo es keine geben darf. Ob nun der Verein so versucht, latent Unvernünftige auszuschließen oder ein ergrauter Mann mit aufgestickten Sky-Wappen aus der bequemen Presse-Loge heraus jedem mit Bengalo pauschal das Fansein abspricht, es ist eine unnötige Abgrenzung und Ausgrenzung.

Dabei ist es egal, ob es nun Pyrotechnik im Stadion ist oder eine Gewalttat davor: Konflikte werden nicht dadurch gelöst, indem man eine klare Trennlinie erfindet.

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Aber auch die Fans selbst mögen diese Abgrenzung. Klar, wer sich regelmäßig zu völlig bescheuerten Anstoßzeiten auf den Weg in die Walachei macht, um seine Jungs zu unterstützen, ist ein viel echterer und besserer Fan als die verwöhnte, couchwärmende Skygucker-Fraktion. Echte Fans fassen schließlich auch keine Klatschpappen an. Auch der Vorwurf an viele neue Fans, nur wegen des Erfolgs oder einzelner Spieler plötzlich ein Ticket haben zu wollen, ist zunächst verständlich. Gerne wird aber auch schon in den Farben unterschieden. Und hier erinnert das Muster deutlich an das Verhalten von Vereinen und Verbänden. Wer nicht aus der Umgebung kommt, ist kein echter Fan. Wer nicht mindestens 10 Heimspiele pro Saison besucht, ist kein echter Fan. Und Anhänger von „Retorten“-Klubs können per definitionem gar keine Fans sein. Dann ist es auch egal, ob diejenigen bei jedem Spiel dabei sind und wie sehr sie sich die (verkaufte) Seele aus dem Leib brüllen. Plastikklubs haben keine Fans.

Bestenfalls sind es Sympathisanten, schlimmstenfalls Kunden. Die Logik dahinter ist aber die gleiche wie oben: Packe „uns“ nicht mit „denen“ in einen Topf, bitte. Sprachlich auch nicht. Die Anhänger sind nie alle gleichermaßen cool, gleichermaßen fanatisch oder gleichermaßen treu. Fußball ist unter anderem deshalb so großartig, weil die Szene so extrem heterogen ist. Man muss nicht alle toll finden und so manch ein Verhalten verdient –natürlich– kein bisschen Toleranz. Aber eine künstliche Aufteilung hilft nicht. Auch Traditionsklubs verkaufen wöchentlich Tausende von Karten an Leute, die das Spiel nur nebenbei interessiert. Wer wie treu oder „echt“ ist, kann einfach nicht ermittelt werden. Es gibt keinen Fan-Index.

Auch die sogenannten Fans werden eben: so genannt. Sie gehören dazu.

Gibt es Probleme in der Szene, muss man sich ihnen stellen. Lehnt man Entwicklungen im Fußball ab, kann man sich wehren und beschweren, gerne auch laut. Aber bitte ohne Unterscheidung zwischen Fans und Sogenannten, zwischen echt und falsch.