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Hintergründe

Die Sehnsucht nach Mittelmaß

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 11. August 2014
Quelle: Lukas Dombrowski

Wir waren beim Testkick des Hamburger SV gegen Lazio Rom in Lübeck und haben uns unter den HSV-Fans umgehört. Nach der letzten Katastrophen-Saison wären die meisten in der nächsten Spielzeit wohl schon mit einem Platz im Mittelfeld zufrieden.

Die größte Aufregung kommt etwa 20 Minuten vor dem Ende auf. Zwei Flitzer probieren kurz hintereinander die Anerkennung ihres mitgereisten Freundeskreises zu erlangen. Mit einer Mischung aus Interesse und Heiterkeit verfolgen die etwa 10.000 Zuschauer an der Lübecker Lohmühle, wie die herbeisprintenden Ordner die Störenfriede einzufangen versuchen. Willkommene Belustigung an einem sonnigen, ereignisarmen Freitagnachmittag, an dem der Hamburger SV in der letzten Testpartie vor Beginn der Pflichtspielsaison mit 0:2 gegen die Italiener von Lazio Rom verliert und sich noch etwas entfernt von einer Wettkampfform zeigt.

Der Sommerkick wird den Anwesenden sicherlich nicht allzu lang im Gedächtnis bleiben: Zum einen brennen auch die Laziali kein Fußballfeuerwerk ab und zum anderen trainiert der Weltmeister und neue WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose lieber leicht auf einem Nebenplatz, statt wie im Vorfeld groß angekündigt gegen die Rothosen auf Torejagd zu gehen. Doch die angereisten HSV-Fans nehmen das eher locker.

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„Mittelfeld – auf mehr sollte man nicht hoffen“

Nach einer dramatisch schlechten Bundesligasaison und einem noch dramatischeren Happy End in der Relegation ist ihnen der entspannte Durchschnitt momentan mehr als recht. Wer sich unter ihnen nach Prognosen für die neue Saison umhört, trifft auf viel Tiefstapelei.

„Mittelfeld – auf mehr sollte man nicht hoffen“, prophezeit einer der Fans, seit 20 Jahren Mitglied im Verein. Zu viert sind er und seine Kollegen von der Insel Sylt extra zum Testspiel nach Lübeck gereist. Einer seiner Begleiter wird etwas genauer: „Platz 8, 9 oder 10, das wäre in Ordnung. Aber Hauptsache erstmal 40 Punkte holen“, wünscht sich der Dauerkarteninhaber im zehnten Jahr. Und das älteste Mitglied der Sylter Reisegruppe hat sogar ein Ziel jenseits von Punkten, Toren und Tabellenplätzen: „Es ist wichtig, dass da jetzt Ruhe einkehrt in den Verein. Wir müssen auf dem Teppich bleiben“, so der Mann mit dem weißen Haar, der schon viele Saisons mit dem HSV hinter sich hat und seit kurzem Träger der silbernen Ehrennadel ist.

 

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