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„Die müssen nicht so tun, als wären sie die Asis aus Buer und Ückendorf – sie sind es“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 13. März 2015
Quelle: imago

Eine Fanfreundschaft ist vorerst nicht geplant, darüber sind sich beide Seiten einig. Dennoch bleibt bei der Rivalität zwischen Hertha BSC und Schalke 04 manches unerwidert. Während in Gelsenkirchen viele nichts von einer Rivalität wissen wollen und sich der Auseinandersetzung weitgehend verweigern, sind die Berliner um eine klare Kante nicht verlegen. Der Förderkreis Ostkurve hat in seiner turnusmäßigen Vorschau auf das Heimspiel am kommenden Samstag eine Charakterstudie des durchschnittlichen Schalke-Fans skizziert, die sich in Gelsenkirchen wohl niemand übers Bett hängen wird.

Nach einem historischen Abriss, der wie zufällig die königsblauen Erfolge im dritten Reich behandelt, arbeiten sich die Berliner an einigen einschlägigen Ruhrgebiets-Stereotypen und Klischees des Schalker Seelenlebens ab. Im Wortlaut liest sich das wie folgt:

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„Der typische Fan des FC Schlacke rekrutierte sich früher aus der Arbeiterklasse, besonders derer der Bergleute. Schlacke war bekannt als Proleten- und Arbeiterverein, also galt dies auch für die Fans. Diese waren meist letzteres und benahmen sich wie ersteres. Diese Zeiten haben sich aber natürlich geändert. Die hohe Arbeitslosigkeit im mittleren Ruhrgebiet, dem Kernbereich des FC Schlacke, hat mittlerweile dafür gesorgt, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der königsblauen Anhängerschaft (zumindest der bekennenden) aus beruflichen Hartz-4-Empfängern rekrutiert, die mittlerweile nicht mehr so tun müssen, als wären sie die Asis aus den Slums von Buer und Ückendorf – denn… sie SIND es. Typische Schlacker stehen an Spieltagen um neun in der Früh im Trikot und dem dritten Bier in der Hand vor der Trinkhalle und fachsimpeln über die Aufstellung des Trainers, der, heißt er grad nicht zufällig Huub Stevens, natürlich durchgängig alles falsch macht. Generell herrscht aber das konsequente Gefühlschaos. Entweder man gewinnt und wird daraufhin sofort Meister, oder man verliert und steigt sofort ab.“

Und wo der Förderkreis Ostkurve gerade dabei ist, sich beim kommenden Gegner beliebt zu machen, bekommen auch die Ultras GE noch eine Breitseite verpasst.

„Eine besondere Spezies sind die Ultras GE. Diese Vereinigung von meist halbstarken Jungs bildet eine (nach eigener Ansicht) schlagfertige bzw. schlagkräftige Allianz gegen die Modernisierung des Fußballs, womit vor allem Wechsel von Schlacker Spielern nach München gemeint sind. Die Ultras sind sehr deutlich zu erkennen am verschwitzten Äußeren, den Fahnen, auf denen kleine Schlacker grundlos auf das Emblem von Borussia Dortmund einschlagen und den lauten Schmähgesängen gegen alles, was grad kein Blau-weißes Trikot trägt. Die Ultras treffen sich meist vor Spielen noch in der Nähe der Glückauf-Kampfbahn, um rituell Trikots des Gegners zu verbrennen, sich selber einmal zu feiern (was nach dem Durchzählen etwas tragisch wird, da anschließend die Hälfte wieder von Mutti abgeholt wird) und dann gemeinsam ins Stadion zu ziehen. Dort angekommen wird die Keimzelle des blau-weißen Glaubens, die Nordkurve der Arena konsequent belagert.Doch bei aller Emotion muss man den Ultras eins lassen: Sie stehen bedingungslos hinter ihrer Mannschaft – wenn diese gewinnt. Liegt Schlacke fünf Minuten vor Schluss mit 0:2 hinten, verlassen die Ultras geschlossen die Kurve und sehen sich das Spiel nicht bis zum Schluss an. Stattdessen warten sie vor dem Stadion, um die Gästefans, die auf Schlacke ohnehin zu jedem Spiel in einen viel zu engen Käfig gesteckt werden, bei deren Jubelfeier zu stören. So funktioniert Fanfreundschaft auf Schlacke. Einzige Ausnahme bilden dabei die Fans des 1. FC Nürnberg. Allein warum, weiß niemand.“

Dass in Gelsenkirchen nun jemand bass erstaunt sein wird über diese nie zuvor gehörten Schmähungen, steht nicht zu erwarten. Allerdings dürften die Gastgeber wohl auch beim Spiel weiter daran arbeiten, dass die Abneigung auf Gegenseitigkeit beruht.