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National

Die Macht der Mitglieder

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 21. Oktober 2014
Quelle: imago

Die Mitglieder beim VfL Bochum haben entschieden: Die Frauen- und Mädchenfußballabteilung bleibt im Verein, zumindest vorerst. Damit haben sie die Pläne der Vereinsführung gekippt. Das ist nicht nur ein starkes Zeichen für die 120 betroffenen Frauen und Mädchen, sondern zeigt auch, was Mitglieder in einem eingetragenen Verein bewegen können. Ein Kommentar.

Clemens Tönnies ist Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 und für gewöhnlich ein Mann klarer Worte. Zuletzt sorgte er beim Schalker Anhang aber für Irritation, als er in einem Interview laut über eine mögliche „Schalke AG“ nachdachte. Beim letzten Heimspiel gegen Hertha BSC gab es dann entsprechende Reaktionen in der Fankurve zu sehen: „Der FC Schalke 04 ist und bleibt ein Verein im Sinne des dt. Vereinsrechts“, war dort auf einem Banner zu lesen. „Schalke wird kein zweites Hamburg“ und „Treib’s nicht auf die Spitze, Clemens!“, hieß es auf Spruchbändern der Ultras.

Warum den Schalke-Fans die beiden Buchstaben e. und V. so sehr am Herzen liegen, wurde gestern nur wenige Kilometer von Gelsenkirchen entfernt deutlich: Dort hatte die Vereinsführung des VfL Bochum zuletzt viele Fans verärgert, weil sie plante, sich von der Frauen- und Mädchenfußballabteilung zu trennen. Auf der gestrigen Jahreshauptversammlung kippten die Mitglieder dieses Vorhaben jedoch – zumindest vorübergehend.

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Anstatt die Entscheidung einfach hinzunehmen, gab es in den vergangenen Tagen und Wochen zahlreiche Proteste und Solidaritätsbekundungen von Bochumer Fans. Doch erst die Mitgliederversammlung eröffnete den Anhängern die Möglichkeit, tatsächlich über die Zukunft des Frauenfußballs in Bochum mitzuentscheiden.

Diese aktive Teilnahme am Vereinsleben ist in der Bundesliga selten geworden: Nach der Ausgliederung der Profimannschaft beim Hamburger SV in diesem Sommer spielen mit Mainz 05, Paderborn, Schalke, Freiburg und Stuttgart nur noch fünf Mannschaften mit der Rechtsform „eingetragener Verein“ in der Bundesliga. Und auch beim VfB Stuttgart werben die Verantwortlichen seit geraumer Zeit für eine Ausgliederung.

Meist ist es die Aussicht auf frisches Geld durch Investoren, die die Klubs zu diesem Schritt veranlasst. Der Preis, den die Vereine für den möglichen schnellen sportlichen Erfolg zahlen, ist die aktive Gestaltung des Vereinslebens durch die Mitglieder.

fn