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National

Die Hertha-Fanhilfe verurteilt den Polizeieinsatz gegen Werder-Fans

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 13. September 2017
Quelle: imago

Nach Abpfiff der Bundesligapartie Hertha BSC – Werder Bremen gab es einen Polizeieinsatz vor dem Gästeblock. Dabei wurden mehrere Personen verletzt und 30 in Gewahrsam genommen. Auslöser war die „Null-Toleranz-Schiene“ der Polizei gegen das Abbrennen von Pyrotechnik.

Wie das Fanprojekt Bremen berichtet, lehnte die Polizei eine nachträgliche Identifikation der mutmaßlichen Pyrozünder durch szenekundige Beamte ab. Stattdessen versuchten sie einzelne Fans beim Verlassen des Stadions festzunehmen. Dieses Vorgehen führte zu Eskalationen über den gesamten Vorplatz und teilweise wahlloser Polizeigewalt. Bremer Fans erlitten Tritte oder Kopfnüsse mit Helmen, außerdem sind seitens der Polizei mehrfach Beleidigungen wie „linke Fotze“ oder Aufrufe wie „Rauf jetzt, Männer!“ gefallen. Die anschließenden Polizeimaßnahmen gegen die festgehaltenen Bremer dauerten bis 22:30, auch hier sollen sich weitere Schikanen ereignet haben.

Die Fanhilfe Hertha B.S.C. kritisiert das Vorgehen der Polizei aufs Schärfste: „Durch solche Angriffe versucht die Berliner Polizei ein künstliches Horrorszenario angeblich zunehmender Fangewalt aufrechtzuerhalten, um damit weitere Polizeieinsätze zu rechtfertigen.“ Sie fordern eine schonungslose Aufklärung des Einsatzes. Nachfolgend ihre Pressemitteilung in voller Länge:

Brutaler Polizeieinsatz muss aufgeklärt werden

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Nach dem Heimspiel von Hertha B.S.C. gegen den SV Werder Bremen spielten sich am Gästeblock und vor dem Eingang „Südtor“ unschöne Szenen ab. Hochgerüstete Polizeieinheiten griffen offensichtlich wahllos Fans des SV Werder Bremen an und verletzten diese teilweise schwer. Auslöser für das Vorgehen der Beamten soll das Abbrennen von Pyrotechnik seitens der Gäste zu Beginn des Spiels gewesen sein. Bei dieser Aktion wurde keine Person verletzt. Eine Person, die angeblich mit einer Fahnenstange im Nachgang der Aktion auf Polizisten einschlug, nahm die Polizei bereits in der Halbzeitpause fest. Während der gesamten Aktion filmte die Polizei die Fans. Als diese sich dann auf ihrem Rückweg zu den Bussen befanden, kam es zum Angriff.

Wir als Fanhilfe Hertha B.S.C. hinterfragen offen die Recht- , genauer gesagt die Verhältnismäßigkeit, dieses Angriffs. Es ist für uns nicht ersichtlich, wo die Grundlage für die Art und Weise dieses Einsatzes liegen soll. Wenn die Polizei während des Spiels Fans identifizieren konnte, dann ist die Frage, warum diese nicht über die szenekundigen Beamten vom SV Werder Bremen angeschrieben werden können, um ein mögliches Strafverfahren einzuleiten. Wenn wiederum keine Personen bis dato identifiziert werden konnten, fragen wir uns, wie dies mit Hilfe eines Angriffs auf ungeschützte Personen, unter denen sich mehrere Minderjährige befanden, erfolgen soll. Zumal die Orte der Angriffe voll mit abreisenden Fans waren. Nur durch viel Glück konnte trotz des blinden Aktionismus der Polizeiführer eine Panik vermieden werden.

Wie man es auch dreht und wendet, es drängt sich für uns der Eindruck auf, das die Berliner Polizei wieder einmal Härte beweisen wollte, ohne auch nur im Ansatz begangene Straftaten aufklären, sondern im Gegenteil neue Straftaten provozieren zu wollen. Dies wäre kein Novum, denn in den letzten Jahren wurden in Berlin gerade die Fans vom FC Bayern München häufig Opfer von Polizeigewalt. Durch solche Angriffe versucht die Berliner Polizei ein künstliches Horrorszenario angeblich zunehmender Fangewalt aufrechtzuerhalten, um damit weitere Polizeieinsätze zu rechtfertigen.

Wir fordern eine schonungslose Aufklärung des Polizeieinsatzes vom 10.09.2017 und die vorläufige Suspendierung des zuständigen Einsatzleiters. Alle Gästefans möchten wir hiermit auf die enorme Gewaltbereitschaft der Berliner Polizei hinweisen. Lasst euch daher nicht unnötig provozieren und nehmt sicherheitshalber einen Rechtsanwalt mit! Polizeiliches Fehlverhalten muss konsequent angezeigt und verfolgt werden!

Fanhilfe Hertha B.S.C.