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National

DFB knallhart: 20.000 Euro Pyro-Strafe für RW Erfurt

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 16. Januar 2015
Quelle: imago

Es hatte sich bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Der FC Rot-Weiß Erfurt wurde vom DFB wegen der Pyroshow bei der Verabschiedung des alten Steigerwaldstadions zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Dabei hatte die Stadt Erfurt das Abbrennen von Pyrotechnik sogar genehmigt und der Verein die Verabschiedung des Stadions als separate Veranstaltung angemeldet. Ein Anwalt sieht in dem Urteil vor allem eine Machtdemonstration des Verbandes.

Am Freitag fiel vor dem DFB-Sportgericht der Urteilsspruch: Wegen „unsportlichen Verhaltens“ wurde der Verein zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro verurteilt. „Geahndet wurden damit die pyrotechnischen Vorkommnisse im Rahmen des Erfurter Freundschaftsspieles gegen den niederländischen Erstligisten FC Groningen am 8. Oktober 2014“, heißt es in der Mitteilung des DFB.

Erfurt-Präsident „erschüttert“

Stephan Oberholz, der in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des DFB-Sportgerichts die Sitzung leitete, begründet das Urteil wie folgt: „Bei Bundesspielen ist der Einsatz von Pyrotechnik untersagt. Darauf wurde Rot-Weiß Erfurt im Vorfeld des Spiels auch noch mal explizit hingewiesen. Hierüber hat sich der Verein hinweggesetzt, was in einem klaren Verstoß gegen die geltenden DFB-Regeln mündete.“

Erfurts Präsident Rolf Rombach zeigte sich „erschüttert“ über die Höhe der Summe und stellte sich in einer ersten Reaktion nach Erhalt des Urteilsspruchs auf der Vereinshomepage die Frage, ob hier tatsächlich die Verhältnismäßigkeit gewahrt worden sei. Der Verein werde nun auf die offizielle Urteilsbegründung warten und hat danach eine Woche Zeit, Rechtsmittel einzulegen.

Machtdemonstration des Verbandes

Matthias Düllberg, Rechtsanwalt aus Bochum und Betreiber des Blogs “Strafrecht am Spieltag“, sieht in dem Urteil vor allem eine Machtdemonstration des Fußballverbandes: „Der DFB macht damit deutlich: `Wir wollen in deutschen Stadien keine Pyrotechnik, Basta´“ Das Argument, dass Pyrotechnik gefährlich ist, könne hier jedenfalls nicht gelten, so Düllberg gegenüber fanzeit. „Die bengalischen Feuer wurden auf der Laufbahn des Stadions gezündet, im gesamten Stadion waren gerade einmal 6.000 Leute und sogar die Feuerwehr war in der Nähe.“ Schließlich hatte sogar die Stadt Erfurt das Abbrennen von Pyrotechnik genehmigt – was laut Düllberg aufgrund von Brandschutzbestimmungen im Versammlungsrecht ohnehin schon eine ganze Reihe von Vorsichtsmaßnahmen mit sich bringe.

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Der Fachanwalt für Strafrecht vermutet, dass ein anderes DFB-Urteil für den Verband eine unerwünschte Signalwirkung mit sich gebracht hätte: „Wäre Erfurt nicht verurteilt worden, gäbe es ja durchaus eine Grundlage für erneute Gespräche über ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik, wie es zahlreiche Fans immer wieder fordern.“ Für den DFB offenbar ein alles andere als wünschenswertes Szenario. Darüber hinaus sieht Düllberg in dem Urteil auch einen Beweis dafür, dass die Urteile des DFB-Sportgerichts vor allem als Strafe zu verstehen sind und nicht wie vom DFB oft betont als Präventionsmaßnahme.

Düllberg hofft nun, das Rot-Weiß Erfurt gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen wird, „vielleicht sogar über den ordentlichen Rechtsweg.“

fn