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Der WSV hat plötzlich nur noch 27 statt 300 Problemfans

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 10. September 2014
Quelle: imago

Lange musste der Wuppertaler SV in der Vorsaison kämpfen, um überhaupt auf fremden Plätzen spielen zu dürfen. Die Polizei sah die Sicherheit vor allem durch eine aktive Wuppertaler „Störerszene“ in Gefahr. Von etwa 300 Personen war damals die Rede. Die Piratenfraktion NRW nahm die aus ihrer Sicht weitgehend „ruhige und friedliche“ Saison jedoch zum Anlass, um eine kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen und zu fragen, ob die Gefahrenprognose zutreffend war.

Auch wenn sich die Landesregierung bei der Antwort windet und darauf verweist, dass Prognosen über Zuschauerzahl und auch das Erscheinen möglicher Problemfans von vielen äußeren Faktoren wie Saisonverlauf, Gegner oder Wetterlage abhänge und die Polizei schon im Vorfeld viele Fans vermittels Platzverweisen herausfiltere, liest sich die Zahl der auffällig gewordenen Wuppertaler Fans am Ende doch erstaunlich anders als die prognostizierten 300. Tatsächlich vermerkt haben die Einsatzräfte „29 Personen, die zum Teil mehrfach auffielen. Von diesen Tatverdächtigen waren 27 Personen bei ihrer Tatausführung der Wuppertaler Störerszene zuzurechnen. Zwei ermittelte Tatverdächtige waren zuvor nicht als Angehörige der Störerszene bekannt“, heißt es in der Erklärung.

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Über die Zahl der eingesetzten Polizeibeamten und die Kosten für diese Einsätze sah sich die Landesregierung nicht in der Lage, genaue Angaben zu machen. Um die Verhältnismäßigkeit des von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) veranschlagten Personalschlüssels bei Spielen des Wuppertaler SV zu untermauern, führt die Landesregierung weiterhin eine Liste aller Vorfälle bei Spielen des Wuppertaler SV auf. Darunter fallen allerdings auch Vorfälle, die gegnerischen Fanlagern zuzurechnen sind, wie beispielsweise ein versuchter Platzsturm beim Spiel gegen Rot-Weiss Essens Zweitvertretung.

DatumGegnerArt der Störung / Anzahl Strafanzeigen
Heimspiele
15.09.2013VfB SpeldorfAbbrand von Pyrotechnik,
eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen
das Sprengstoffgesetz
20.10.2013SW EssenZwei Strafanzeigen wegen des Aufforderns
zur Begehung von Straftaten und
Beleidigung
16.02.2014Sportfreunde BaumbergZwei Strafanzeigen wegen Beleidigung
21.04.2014 VfB 03 HildenVersuchter Platzsturm, sieben Strafanzeigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Sachbeschädigung sowie sieben Strafanzeigen nach Körperverletzung, Land- und Hausfriedensbruch, sieben freiheitsbeschränkende Maßnahmen bei Tatverdächtigen
04.05.2014SV UedesheimEine Strafanzeige nach gef.
Körperverletzung, Widerstand,
Landfriedensbruch und Beleidigung, eine
Strafanzeige nach Sachbeschädigung und
Beleidigung
18.05.2014SV SonsbeckEine Strafanzeige nach gef.
Körperverletzung und Widerstand, drei
Strafanzeigen nach Beleidigung, eine
Ingewahrsamnahme
Auswärtsspiele
28.09.2013RW Essen II Versuchter Platzsturm,
eine Strafanzeige wegen Beleidigung
06.10.2013 SC Kapellen-Erft Versuchtes Betreten des Innenraums wurde
von Ordnern unterbunden
27.10.2013VfB 03 Hilden Eine Strafanzeige wegen Beleidigung und
Sachbeschädigung, eine
freiheitsbeschränkende Maßnahme eines
Tatverdächtigen und zusätzlich drei
Ingewahrsamnahmen
10.11.2013SV Uedesheim Zeigen von Bannern mit diffamierendem
Inhalt und Provokationen, ohne
strafrechtliche Relevanz
23.02.2014TuRU DüsseldorfAbbrand von Pyrotechnik,
zwei Strafanzeigen wegen Verstößen gegen
das Sprengstoffgesetz
05.03.2014FC Kray Abbrand von Pyrotechnik,
eine Anzeige wegen Beleidigung
22.03.2014VfB Homberg Versuchter Kassensturm, Abbrand von
Pyrotechnik (führt zum Spielabbruch),
eine Strafanzeige nach gef.
Körperverletzung, eine Strafanzeige nach
Körperverletzung, eine Strafanzeige nach
Landfriedensbruch und eine Strafanzeige
nach Beleidigung
30.03.2014MSV Duisburg IIDiffamierungen und Provokationen durch
gezeigte Banner, ohne strafrechtliche
Relevanz
12.04.2014SW EssenVersuchter Platzsturm,
drei Strafanzeigen nach Beleidigung und
zwei Strafanzeigen nach Hausfriedensbruch
07.05.2014 TuS BösinghovenEine Strafanzeige nach Körperverletzung,
zwei Ingewahrsamnahmen, Polizeikräfte
verhindern eine Eskalation der Lage durch
den Einsatz u.a. von Pfefferspray

Eine Anpassung des Sicherheitskonzepts oder der neuen Stadionordnung, die der Wuppertaler SV dem Vernehmen nach auch auf Druck der Polizei empfindlich verschärft hat, steht daher wohl nicht in Aussicht. In der Antwort der Landesregierung heißt es lapidar: „Der für den Spielbetrieb und die Sicherheit in der Oberliga Niederrhein zuständige Fußball-Verband Niederrhein hat in diesem Zusammenhang Sicherheitsrichtlinien erstellt, die vereinsübergreifende Wirkung entfalten. Darüber hinaus ist der Landesregierung bekannt, dass der Wuppertaler SV eine Broschüre erstellt hat, in dem er über seine beabsichtigten Maßnahmen zur sicheren Durchführung von Fußballspielen informiert. Die Landesregierung begrüßt die Aktivitäten und Beiträge des Verbandes und der Vereine zu einem sicheren Ablauf von Fußballveranstaltungen.“

Das komplette Dokument gibt es hier noch einmal nachzulesen.