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Hintergründe

„Der SC Paderborn ist mittlerweile in allen Belangen in der Bundesliga angekommen“

Autor: Sören Stephan Veröffentlicht: 29. November 2014
Quelle: imago

Der SC Paderborn 07 ist wohl unzweifelhaft der Sensations-Aufsteiger dieser Saison. Entgegen aller Prognosen schlägt sich der Verein aber auch in der 1. Bundesliga beachtlich gut. Nicht nur aus sportlichen Gründen stehen deshalb Auswärtsfahrer dem Gastspiel ihres Vereins in Paderborn zwiespältig gegenüber. Dass sich nicht jeder Gästefan auf die Tour in die ostwestfälische Domstadt freut, liegt einerseits an dem kleinen Gästekontingent in dem 15.000 Zuschauer fassenden Stadion und andererseits an dem Provinzclub-Image, das dem Verein immer noch anhaftet und insofern bei Spielen in der Benteler-Arena nicht gerade südländische Atmosphäre vermuten lässt.

Im Fanzeit-Interview spricht der Pressesprecher des SC Paderborn 07, Matthias Hack, über das Image eines Provinzclubs, die wachsende Fanszene des SCP und den Diskurs mit ultraorientierten Gruppen in Paderborn.

Der SC Paderborn 07 kann auf keine allzu lange Tradition zurückblicken, da es den Verein in dieser Form und unter diesem Namen erst seit 1997 gibt. Wie viele Fangruppen haben den Sprung vom Vorgängerverein TuS Paderborn-Neuhaus zum SCP gemacht?
Zum Ende der 1990er Jahre gab es noch wenige Fangruppen bzw. Fanclubs. Allerdings haben viele Einzelpersonen den Sprung mitgemacht und unterstützen den Verein teilweise seit mehreren Jahrzehnten. Daraus haben sich mehrere Faninitiativen entwickelt. Durch den außergewöhnlichen sportlichen Erfolg in der jüngeren Vergangenheit ist die Anzahl unserer Anhänger und Fanclubs deutlich gestiegen.

Anhänger von kleinen Vereinen werden oft von Fangruppen sogenannter Traditionsvereine belächelt. Auch das Image eines Provinzclubs haftet an Verein und Fans. Erkennen Sie eine Entwicklung bzw. Veränderung des Images von Verein und Fans seit dem Aufstieg in die Bundesliga?
Der SC Paderborn ist mittlerweile in allen Belangen in der Bundesliga angekommen. Dazu tragen die guten sportlichen Leistungen unserer Mannschaft ebenso bei wie das sympathische Auftreten von Spielern und Trainern in der Öffentlichkeit. Zudem sind wir stolz auf unsere Fans, die die Mannschaft sensationell und immer mehr unterstützen, sie sind ein wichtiger Teil des Erfolgs. Alle Heimspiele sind im Heimbereich ausverkauft. Zu den Auswärtsspielen pilgern mittlerweile mehrere Tausend Fans, die die Mannschaft unterstützen. Bei Rückständen wie jüngst gegen Borussia Dortmund feuern die Fans das Team weiter an und glauben bis zur letzten Sekunde an einen Erfolg.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Fans und Verein beschreiben?
Das Verhältnis zwischen Fans und Verein ist gut. Wie in allen anderen Clubs gibt es im Detail bisweilen auch unterschiedliche Meinungen. Der SCP ist immer gesprächsbereit und steht in regelmäßigen Abständen bei Fanabenden Rede und Antwort. Gleichwohl gibt es Spielregeln, an denen sich auch die Fans orientieren müssen.

Wie beobachten Sie insgesamt die Entwicklung der Fanszene in Paderborn?
Die Entwicklung der Fanszene ist sehr positiv. Durch den Aufstieg sind innerhalb kurzer Zeit viele neue Anhänger dazugekommen. Zudem gibt es auch viele Zuschauer, die im Zuge der Bundesliga-Zugehörigkeit erstmalig die Heimspiele besuchen oder sich mit einer Dauerkarte zu Saisonbeginn eingedeckt haben. Die Stimmung im Stadion ist überragend, nicht ohne Grund wird die Benteler-Arena in vielen Medien als „Hexenkessel“ bezeichnet. Der Support der Süd-Tribüne überträgt sich auf alle Bereiche des Stadions und sorgt für Gänsehaut-Stimmung.

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Schon oft haben die Fans des SCP an gemeinsamen Fanabenden mit Vereinsvertretern einen eigenen Fanstand gefordert, am dem sie eigenes Merchandising oder Informationen zu Auswärtsfahrten etc. anbieten können. Warum wird den Fans des SC Paderborn kein Fanstand im Stadion gestattet?
In der Vergangenheit hat der Verein die Merchandisingrechte an Lizenznehmer abgegeben, die selbstverständlich ihre eigenen Rechte wahren wollten. Gleiches gilt bei der aktuellen Eigenvermarktung für den SCP. Gleichwohl hat der Verein den Fans die Möglichkeit eingeräumt, im Fan-Container ihre Sachen auszustellen und zu bewerben, um diese dann z.B. über eine Online-Plattform zum Kauf anbieten zu können. Auch weiterführende Informationen können in dem zentralen Anlaufpunkt hinterlegt werden. Die Errichtung des Fancontainers war ein Anliegen der aktiven Fanszene, das der Verein positiv begleitet und finanziert hat.

Beim Spiel gegen den FSV Mainz 05 entrollten die Fans auf der Südtribüne ein Spruchband mit der Aufschrift „Den Bonzen baut ihr ein ganzes Zelt, doch ein Fanstand passt nicht in eure Welt!“ Ordner haben es zügig entfernt. Warum wird diese Art von Kritik nicht geduldet?
Grundsätzlich sehen wir auch bei kritischen Bannern kein Problem und würden diese in der Regel genehmigen, sofern keine rassistischen, fremdenfeindlichen, homophoben, gewaltverherrlichenden, antisemitischen, diskriminierenden, ausländerfeindlichen sowie rechts- und/oder linksradikalen Inhalte vermittelt werden. Grundsätzlich sind aber alle Spruchbänder / Choreografien usw. frühzeitig beim Verein anzumelden, damit solche Aktionen gemeinsam mit den sicherheitsrelevanten Institutionen in den Sicherheitsbesprechungen abgestimmt werden können. Dies war bei dem genannten Banner nicht der Fall, aus diesem Grund haben die Ordner entsprechend reagiert. Des Weiteren haben wir die Auflage seitens der Feuerwehr, nur B1-Ware zuzulassen. Hier werden wir aus Sicherheitsgründen auch zukünftig konsequent agieren.

Anders als bei „gewöhnlichen“ Fanclubs ist der Kontakt oder der Austausch mit Ultragruppen oft schwieriger. Auch wenn sich keine Gruppe in Paderborn mit dem Namen „Ultras“ schmückt, wie gestaltet sich der Diskurs mit den ultra-orientierten Gruppen in Paderborn?
Der Kontakt ist vorhanden und man kennt die Ansprechpartner. Auch hier stehen die Türen für konstruktive Gespräche immer offen.

Der SC Paderborn hat vier Fanbeauftragte. Im Vergleich zu anderen Vereinen ist das ein großer Mitarbeiterstab. Provokant gefragt: Hat der SC Paderborn zuviel Geld?
Es gibt bei uns aktuell zwei hauptamtliche Fanbeauftragte. Wie bei anderen Vereinen der Bundesliga auch, ist diese Größenordnung fester Bestandteil der Lizenzierung. Darüber hinaus haben wir zwei ehrenamtlich tätige Fanbeauftragte. In dieser Struktur sehen wir uns für die vielfältigen Aufgaben bei Heimspielen (u. a. Betreuung Sehbehinderter/Rollstuhlfahrer, Betreuung Gästefans, Betreuung Heimfans, Präsenz Fan-Container) und auch zur Koordination der Auswärtsfahrten gut aufgestellt.

Viele Fanbeauftragte anderer Vereine stammen aus der Ultra-Szene des eigenen Vereins. Stammen ihre Fanbeauftragten ebenfalls aus der Fanszene des SCP bzw. welche Erfahrungen mit Fans konnten sie in ihren Beruf mit einbringen?
Wie der gesamte Verein befindet sich auch die Fanszene in einer außerordentlich positiven Entwicklung. Alle Fanbeauftragten stammen aus dieser wachsenden Fanszene.

Im Oktober 2012 titelte die Neue Westfälische „Die rechte Fanszene im Fokus. Landesweiter Jahresbericht listet auch den SC Paderborn auf“. Gibt es in Paderborn ein Problem mit Rechten, die die Fanszene unterwandern?
Zur Zeit sehen wir diese Probleme bei uns in der Fanszene nicht. Gleichwohl verschließen wir die Augen nicht vor möglichen Tendenzen und versuchen, über die uns zur Verfügung stehenden Kanäle frühzeitig entgegen zu wirken. So gibt es zu dieser Problematik einen regen Austausch mit dem Fanprojekt Paderborn. Des Weiteren werden den jüngsten SCP-Fans im Kids Club des Vereins bereits Werte wie Toleranz und Gleichberechtigung vermittelt. Hierzu passt das diesjährige Motto des Kids Club „SCP Kids Club gegen Ausgrenzung – blau-schwarze Helden sind tolerant!“

 

st