Anzeige

National

„Der Runde Tisch ist gescheitert“

Autor: Zienau Veröffentlicht: 16. Februar 2015
Quelle: imago

Den Polizeigewerkschaften reicht es mal wieder. Nach den Ausschreitungen beim Rheinderby fordert sie eine konsequentere Durchsetzung von neuen Konzepten gegen gewaltbereite Fans und Straftäter im Stadion. Darunter fallen bessere Einlasskontrollen, die Entfernung von Stehplätzen, sowie die Kontrolle des Stadieninnenraumes durch Polizeikräfte.

Erich Rettinghaus ist der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen. Nach den Ausschreitungen in Gladbach, als 30 vermummte Kölner den Platz stürmten, erklärt er, dass er keinen Sinn mehr in Diskussionen mit Fans und Ultras sieht: „Das Maß ist mehr als voll und die Zeit der Runden Tische vorbei! Die Polizei musste wieder als Prügelknabe und Ausputzer für eventorientierte Hooligans herhalten. Überforderte Ordner in den Stadien und Ultras, die sich unter dem Denkmantel einer gewaltfreien Fankultur an die Verhandlungstische schleichen und mitreden wollen, behindern eine notwendige Deeskalation.“

Das Problem der Runden Tische sei, so Rettinghaus, dass diese darauf angewiesen seien, dass alle Parteien an friedlichen Lösungen interessiert sind. Dies sei jedoch in der Realität nicht der Fall: „Es kommt immer wieder zu Gewalt, Abbrennen von Pyrotechnik und anderen Exzessen wie dem Stürmen des Spielfeldes. Schlimmer noch, die gewaltbereiten sogenannten Fans werden noch von der Masse geschützt. Ermittlungen der Personalien und Festnahmen werden somit für die Polizei erschwert oder gar verhindert. Dabei gehören hier harte und abschreckende Strafen verhängt. Der Sport, der Fußball, dass Familienevent bleibt auf der Strecke. Eine absolute Minderheit dominiert den Sport, weil wir als Staat nicht durchgreifen und uns über Zuständigkeiten im Innenbereich des Stadion und außerhalb des Stadions streiten.“

Anzeige

Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt hat ganz eigene Ideen, wie sich Sicherheitskonzepte in Stadien auf Dauer durchsetzen ließen: „Gewalttäter gehören raus aus den Stadien, bessere Einlasskontrollen durch qualifizierte Ordner sind dringend von Nöten. Außerdem müssen sich die Verantwortlichen fragen, ob Stehplätze der Sicherheit im Stadion nicht eher schaden. Zur Not muss das Stadioninnenraumkonzept komplett unter polizeiliche Führung gestellt werden. Die Polizei sorgt zwar außerhalb der Stadien für Sicherheit und Ordnung, aber das scheint nun auch erforderlich zu sein in den Innenräumen der Stadien. Allerdings bedarf es dazu der Zustimmung von DFB und DFL.“

Punktabzüge und lebenslange Stadionverbote

Auch die Gewerkschaft der Polizei reagierte auf die Vorfälle in Mönchengladbach. Als einen neuen Höhepunkt der Fußballgewalt in Deutschland bezeichnete der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, die Vorfälle. „Harte Strafen für die Täter und Rädelsführer, denen beispielsweise schwere Körperverletzung und Landfriedensbruch vorgeworfen werden, sind nach diesen erschütternden Bildern jetzt unausweichlich. Die Jagdszenen nach Abpfiff des Spiels spiegeln den Hass einiger unbelehrbarer Chaoten wider, die den Fußball, egal in welcher Liga, als Bühne ihrer archaischen Machtdemonstrationen missbrauchen“, sagte Malchow am Montag in Berlin. Wenn dabei, so der GdP-Chef weiter, Unbeteiligte und friedliche Fußballanhänger in Angst und Schrecken versetzt würden, dann bleibe den Verantwortlichen der Vereine und der Verbände keine andere Wahl als die identifizierten Täter wie in England für immer vom Fußball auszuschließen. Malchow: „Das ist aus Sicht der GdP gerechter als auch die friedlichen Fans durch sogenannte Geisterspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bestrafen.“

Für den Liga-Spielbetrieb fordert die GdP seit langem Punktabzüge als Sanktion nach massiver Fußballgewalt in den Stadien. Gewaltsuchende Fußballrowdys müssten wissen, dass sie ihrem Verein nicht nur unmittelbar finanziellen Schaden zufügen, sondern ihn auch sportlich schwer treffen.