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„Der Investor darf sich an keinem Tag und in keiner Sekunde willkommen fühlen“

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 09. Juli 2017
Quelle: imago

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga hat sich mit Philipp Schober ein neuer Investor rund 90 Prozent der Anteile an der ausgegliederten Profiabteilung des SSV Jahn Regensburg gesichert. Sowohl in der Vereinsführung als auch in der Fanszene sieht man den neuen Investor kritisch. In einer Stellungnahme begründen die Ultras Regensburg ihre Ablehnung und kündigen Proteste gegen Schober an. 

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Nachfolgend die Stellungnahme der Ultras Regensburg im Wortlaut: 

Stop! Finger weg von unserem SSV Jahn!

Mitten in die Aufstiegseuphorie platzten im Juni innerhalb eines Tages die Nachrichten vom Wechsel Heiko Herrlichs und dem Einstieg von Philipp Schober als Investor beim SSV Jahn herein. Während die Nachricht von Judas Herrlich zwar ärgerlich ist, aber letztlich auch nur eine Trainerpersonalie darstellt, wird uns der Name Philipp Schober wohl noch länger verfolgen. Und wir werden ihn und sein Handeln verfolgen!
Ohnehin ist es ärgerlich, dass der Einstieg von Investoren in unserem Verein überhaupt möglich ist. Diesen Umstand haben wir im Angesicht des Abgrundes im Jahr 2009 leider nicht verhindert, bzw. in unserer damaligen Situation nicht verhindern können. Letztlich wirkt es aber genau heute nach.
Wir brauchen hier jetzt nicht mehr die ganze Tretzel-Nummer mit all ihren Facetten aufarbeiten, da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Absolut positiv sehen wir jedoch das Ansinnen unserer Vereinsführung durch einen Rückkauf der Anteile den Jahn auch juristisch wieder komplett in Vereinsbesitz zu holen. Dass dies jetzt gescheitert ist, sollte aus unserer Sicht kein Grund sein, dieses elementare Ziel zu begraben. Im Gegenteil, wir alle sollten dieses Vorhaben weiter unterstützen!
Nun haben wir also diesen Philipp Schober. Die große Unbekannte. Letzte Woche gab er zumindest mit einem langen Interview in der Mittelbayerischen Zeitung zum ersten Mal zu erkennen, worum es ihm geht. Und jetzt sollte dem letzten Jahnfan bewusst sein: Diesen Mann gilt es zu bekämpfen.
Das Interview steht unter dem Titel „Sehe ich aus wie eine Heuschrecke?“. Mit Verlaub, Herr Schober, genau so, wie sie auf dem Bild zu sehen sind, stellen wir uns die Art von Managern vor, die mit ihrem Geschäftsmodell so oft als „Heuschrecken“ bezeichnet werden. Doch es geht hier nicht ums Aussehen.
Generell machen wir uns ja wenig aus Marketingspielereien, bzw. stehen so etwas naturgemäß kritisch gegenüber. Dennoch haben wir es durchaus positiv registriert, dass auch die Marketingabteilung unseres Vereins mittlerweile die Werte „ambitioniert“, „glaubwürdig“ und vor allem „bodenständig“ auf ihren Fahnen stehen hat. Gerade letzterer Wert ist ein Grundwert, der Regensburg und seinen Jahn ausmacht.
Fundamental anders tritt Philipp Schober auf. Kaum hat er sich in den SSV Jahn eingekauft, posaunt er schon heraus, welche Millionenprojekte er nun alle bauen will und sieht in Regensburg plötzlich einen Erstligastandort. Unabhängig davon, dass sich natürlich auch von uns keiner beklagen würde, sollte es eines Tages noch weiter raufgehen, sollte man schon am Realitätssinn eines Menschen zweifeln dürfen, der im Jahr 2017 von Regensburg als einem Erstligastandort spricht. Man muss nur auf unseren Relegationsgegner TSV 1860 München schauen, um sich bewusst zu werden, wohin realitätsfremde Visionen von Investoren führen.
Doch es ist auch schwer zu glauben, dass es Herrn Schober tatsächlich um Regensburg als Erstligastandort geht. Worum es tatsächlich geht, zeigt er sehr deutlich mit der Aussage: „Passt mir auf diese Liga auf! Ein sofortiger Abstieg wäre für den Standort Regensburg nur sehr, sehr schwer zu verkraften.“ Sicherlich ist ein Abstieg das Szenario, das im Fußball jeder vermeiden möchte, doch realistisch gesehen hat der SSV Jahn in den vergangenen 17 Jahren jeweils zweimal viert- und zweitklassig gespielt. In allen anderen Jahren spielten wir in der 3. Liga und jetzt soll ein Weg dorthin plötzlich sehr schwer zu verkraften sein? Ganz nebenbei stellen die genannten 17 Jahre eine sportliche Erfolgsgeschichte dar, nachdem man in den 1980er und 1990er Jahren in der sportlichen Versenkung verweilte.
Doch es geht auch nicht darum, dass eine Rückkehr in die 3. Liga für den Standort Regensburg nicht verkraftbar wäre, sondern in Wahrheit wäre sie für den Investor Philipp Schober nicht verkraftbar, würde doch sein Investment in Gefahr geraten. Um nichts Anderes geht es!
Neben dem vollkommenen Verlust von Bodenständigkeit und Realitätssinn sehen wir auch in der Glaubwürdigkeit von Philipp Schober eine große Gefahr. Wer steckt wirklich hinter seinem Geld? Wer ist der wahre Geldgeber? Welche Interessen verfolgt dieser? Geht es überhaupt um den Jahn? Fragen, die selbst jemanden, der sich von Schobers genannten Träumen blenden lässt, stutzig machen sollten.
Der SSV Jahn ist für Regensburg und die Region da, für jeden einzelnen, egal welchem Beruf jemand nachgeht, ob er arm oder reich ist oder alt oder jung. Der SSV Jahn taugt nicht als Spielzeug für jemanden, der denkt, mit Geld alles im Leben kaufen zu können. Der SSV Jahn von 1889 mit all seiner Tradition, all seinen Emotionen und all seinen Menschen, die ihn leben, kann für kein Geld der Welt erobert werden!
Schober muss bewusst werden, dass er versucht, sich einen wilden Tiger als Haustier zu nehmen. Er kann es probieren, doch er wird ihn nicht zähmen und wenn er ihn nicht freilässt, wird der Tiger ihn fressen! Wir wollen das Herz des Tigers sein, aber wir brauchen jeden Muskel und jeden Zahn! Wir müssen alle gemeinsam gegen diese sicherlich gerade größte Gefahr für unseren SSV Jahn kämpfen. Jeder, dem der Jahn am Herzen liegt, sollte aufstehen gegen Schober. Wir wollen und werden alles, was in unserer Macht steht, unternehmen, um diesem Mann den Spaß an seinem „Spielzeug“ zu nehmen.
Schließt euch dem Kampf gegen den Investor an, lasst uns gemeinsam kämpfen für den SSV Jahn mit all seinen Werten für die er steht. Kein vermeintlich möglicher sportlicher Erfolg darf es uns wert sein, sich von solchen Leuten abhängig zu machen.
Wendet euch ab von Schobers Versprechen! Lasst euch nicht durch irgendwelche Geschenke für Feste, Busse oder Bier einlullen, sofern er das anbieten sollte. Er wäre nicht der Erste, der sich auf diese Art und Weise versucht, einen Namen beim SSV Jahn zu machen!
Ein guter Ansatz ist das Interview von Christian Keller und Hans Rothammer in der MZ, in dem noch einmal klargestellt wird, dass mit Schober keine Vereinbarungen eingegangen werden, die in irgendeiner Art und Weise zur Abhängigkeit führen. Unterstützt diese Haltung auch in Zeiten, in denen man sich vielleicht wünschen würde, dass noch weitere Spieler verpflichtet werden, oder sonstiger Druck herrscht.
Der Investor darf sich an keinem Tag und in keiner Sekunde willkommen fühlen – weder im Jahnstadion noch in Regensburg!

Finger weg von unserem SSV Jahn!