Anzeige

Hintergründe

Der Hoyzer-Skandal: Zehn Jahre danach

Autor: Sören Stephan Veröffentlicht: 28. Januar 2015

Vor zehn Jahren erschütterte der Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer den deutschen Fußball. Am 22. Januar 2005 gab der DFB bekannt, dass der Kontrollausschuss nach mehreren umstrittenen Entscheidungen und Verdachtsvorwürfen gegen den Referee ermittele. Was hat sich zehn Jahre nach dem Vorfall geändert? Ein Rückblick auf den Fall Hoyzer.

 

Mittlerweile ist es ruhig geworden um Robert Hoyzer. Die letzten Schlagzeilen schrieb der ehemalige Schiedsrichter vor rund neun Monaten. Sein Engagement als Technischer Direktor beim Regionalligisten Berliner AK wurde in den meisten Medien jedoch höchstens beiläufig erwähnt. Vor zehn Jahren füllte die Story um den Hoyzer-Skandal hingegen ganze Zeitungsseiten und TV-Sondersendungen.

Kurze Zeit nachdem der DFB bekannt gegeben hatte, dass Ermittlungen gegen Hoyzer laufen, stellte sich heraus, dass der damals 25-Jährige mehrere Partien in der 2. Bundesliga, der Regionalliga und dem DFB-Pokal verschoben hatte. In Erinnerung bleibt vor allem das DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV am 21. August 2004, als Hoyzer mit zwei unberechtigten Elfmetern und einer Roten Karte für Emile Mpenza den Gastgebern den Weg zu einem 4:2-Sieg ebnete.

Im Zuge der Ermittlungen konnte aufgedeckt werden, dass Hoyzer Verbindungen zur kroatischen Wettmafia unterhielt. Auf Nachdruck dieser seien mehrere Spiele systematisch manipuliert worden. In der ZDF-Talkshow „Johannes B. Kerner“ räumte der damalige Schiedsrichter später ein, aus „Geldgier“ gehandelt zu haben. Vier Spiele hatte er verpfiffen und dafür 67.000 Euro von den Hintermännern erhalten. DFB und Justiz ermittelten auf Hochtouren und konnten in der Folgezeit drei Wettpaten festnehmen. Zudem gaben einige Spieler zu, Geld angenommen und dafür Spiele beeinflusst zu haben. 

Am 17. November desselben Jahres wurde Hoyzer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Am Ende saß er wegen Beihilfe zum Betrug dank guter Führung 14 Monate hinter Gittern.

Hoyzers Schiedsrichter-Kollegen zeigten sich schockiert über den Wett-Skandal: „Man konnte es gar nicht glauben, weil er einer von uns war. Wir hätten nie vermutet, dass einer aus unserer Mitte solche kriminellen Eigenschaften hat“, sagte der Unparteiische Torsten Kinhöfer im Gespräch mit Sport1. Der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission, Herbert Fandel, äußerte sich bezüglich der Prävention zukünftiger Manipulationen: „Es ist möglich, und wir müssen gemeinsam versuchen, es zu verhindern. Dass man alles verhindern kann, wird uns nicht gelingen, aber entsprechende Vorkehrungen sind bereits getroffen.“

Anzeige

Es stellt sich die Frage, was sich zehn Jahre nach dem Skandal getan hat. Bis heute möchte niemand 100-prozentig ausschließen, dass sich hierzulande Schiedsrichter bestechen lassen. „Es gibt inzwischen verschiedene Kontrollsysteme über Entwicklungen bei den Quoten auf dem Wettmarkt. Zudem unterliegen die Spiele und Entscheidungen durch die umfassende mediale Präsenz heute auch einer viel größeren öffentlichen Kontrolle, als das noch vor zehn Jahren der Fall gewesen ist“, erklärt DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Dass sich die Geschichte wiederholen könnte, glaubt der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger aber nicht. „Ich kann mit nicht vorstellen, dass ein Schiedsrichter so etwas tut, der es so weit gebracht hat“, sagte Zwanziger der „Bild“-Zeitung: „Die Strafe für Hoyzer war sehr abschreckend.“

Inwieweit die Kontrollsysteme die Quoten des stark wachsenden und vielfältigen Wettanbietermarkts im Bereich Sportwetten überwachen können, ist fraglich. Neben den Anbietern im Internet finden sich diverse Wettbüros inzwischen in jeder Stadt. Und was neben seriösen, offiziellen Anbietern noch in den Hinterräumen mancher Buchmacher abläuft, kann man als außenstehender Fußballfan nur erahnen.

Testspiel des VfB Stuttgart unter Manipulationsverdacht

Mehreren Quellen zufolge steht zehn Jahre nach dem Hoyzer-Skandal wieder ein Spiel unter Manipulationsverdacht. Das Testspiel des VfB Stuttgart gegen den albanischen Erstligisten KF Laci, das vergangene Woche Montag ausgetragen wurde, wird aktuell vom Kontrollausschuss untersucht, da ungewöhnlich hohe Einsätze auf einen Sieg der Stuttgarter platziert worden sind.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bestätigte, dass es bei der Partie ein ungewöhnliches Wettverhalten und auffällige Quotenverläufe gegeben hat. „Das Überwachungsradar unseres Dienstleisters Sportradar hat angeschlagen”, erklärte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig am Freitag.

Die „Bild“-Zeitung berichtet unterdessen über einen auffälligen Spielverlauf, der in das Bild eines Wettbetrugs passen würde. Die in der ersten Halbzeit defensiv sicher stehenden Albaner zeigten sich in der zweiten Halbzeit „defensiv vogelwild“, heißt es in dem Spielbericht der Zeitung.

st