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Hintergründe

„Den FC Schalke 04 wird es auch nach Clemens Tönnies geben“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 27. Juni 2015
Quelle: imago

Es braut sich etwas zusammen auf Schalke. Wieder einmal. Denn am kommenden Sonntag steht die alljährliche Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 auf dem Plan. Angesichts der Fanproteste zum Saisonende dürfte die Veranstaltung insbesondere für Horst Heldt und Clemens Tönnies alles andere als angenehm werden.

Clemens Tönnies gibt sich gerne hemdsärmlig. Über sich selbst sagt er Dinge wie „für die meisten Leute bin ich der Clemens“ oder „große Geschäfte macht man mit dem kleinen Einmaleins.“ Beim Revierderby stellt er sich schonmal in die Fankurve und schmettert inbrünstig das Vereinslied. Auf der anderen Seite verärgert er eben jene Anhänger immer wieder aufs Neue, wenn er sich in den Medien mal wieder als „Schalke-Boss“ inszeniert.

„Aus meiner Sicht mischt sich Clemens Tönnies zu sehr in das operative Geschäft ein“, sagt Roman Kolbe von der Initiative „SchalkeVereint“. „Er ist ja fast schon geschäftsführend tätig. Man hört auch immer wieder, dass er Kabinenansprachen hält und Gespräche mit Spielern führt, die verpflichtet werden sollen. Das untergräbt natürlich auch die Autorität eines Vorstands Sport und eines Trainers.“ Die Aufgabe eines Aufsichtsratsvorsitzenden sei es jedoch lediglich, mit dem Vorstand eine Strategie abzustimmen und dann deren Einhaltung zu überprüfen. Dass Kabinenansprachen oder SMS an Horst Heldt, in denen Tönnies die Suspendierung von Spielern empfiehlt, weit über diese Aufgaben hinausgehen, dürfte offensichtlich sein.

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Die „Ein-Mann-Büffelherde“

Doch was tun gegen einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der sich zuweilen aufführt wie eine „Ein-Mann-Büffelherde“? Wie umgehen mit einem Mann, der sich einerseits so gerne fannah gibt und andererseits die Anhänger durch mediale Omnipräsenz und unüberlegte Aussagen in die Verzweiflung treibt? Auch Roman Kolbe ist diesbezüglich eher ratlos: „Schwierig, man kann ihm nur immer wieder sagen: So geht es nicht!“ Die Hoffnung, dass dies bei Tönnies auch Wirkung zeigt, hat er jedenfalls noch nicht aufgegeben: „Ich wünsche ihm, dass er seinen Job bei Schalke 04 gut macht und sich auf seine Aufgaben als Aufsichtsrat besinnt“, sagt Kolbe. Sollte es jedoch weitergehen wie bisher, „werden das viele Leute nicht mehr mitmachen. Damit schädigt er sich natürlich auch selbst.“

Schon für die diesjährige Wahl zweier Aufsichtsratposten hat der Wahlausschuss vier Kandidaten ausgewählt, die Clemens Tönnies allesamt mehr oder weniger offen kritisieren. Für die neue Saison muss sich Tönnies wohl oder übel auf etwas Gegenwind im Aufsichtsrat einstellen. Im nächsten Jahr steht sogar der Aufsichtsratssitz von Tönnies selbst zur Wahl. Ob er dann wiedergewählt wird, liegt wohl vor allem an ihm selbst.

„Schalke wird es auch nach Clemens Tönnies geben“

Bedenken, Schalke sei finanziell von Tönnies abhängig, sind jedenfalls offenbar unangebracht. Auch wenn dies in der Vergangenheit zweifelsohne der Fall war, bestätigte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters bei einem Fantreffen in Hamburg, dass Clemens Tönnies nicht für Verbindlichkeiten des Vereins hafte. „Damit wird zumindest dokumentiert, dass Clemens Tönnies nicht – wie viele meinen – derjenige ist, der ganz viel Geld in den Verein schießt und ohne den alles zusammenbricht'“, findet Kolbe. Wie auch immer es nun weiter geht mit dem FC Schalke 04 und mit Clemens Tönnies, eines ist für Roman Kolbe klar: „Den Verein FC Schalke 04 wird es auch nach Clemens Tönnies geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“