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National

„Dem Münchner Event entgehen“: Hoffenheim-Fans boykottieren Bayern-Spiel

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Oktober 2014

Der Hoffenheimer Fanclub-Dachverband 11hoch3 ruft dazu auf, das Auswärtsspiel beim… nein, Leipzig steht nicht auf den Spielplan, beim FC Bayern München zu boykottieren. Da darf man fragen, warum. Die Begründung liefern die Fans aus dem Kraichgau aber natürlich mit.

Eines der Hauptmotive des Verzichts auf die Auswärtsfahrt sei das berüchtigte Unterstützungskommando „USK“ der örtlichen Polizei, das nur in Bayern operiert. Insbesondere ihr Vorsänger habe in der vergangenen Saison äußerst schlechte Erfahrungen mit den Beamten gemacht und habe wegen des Tragens eines polizeikritischen T-Shirts das komplette Spiel in einer Zelle verbringen müssen. Ferner kritisieren die TSG-Anhänger in einem offenen Brief die Bedingungen für Gästefans beim FC Bayern sowie den Umstand, dass viele Fans sich nur bei diesem vermeintlichen Highlight im Gästeblock blicken ließen.

Daher zieht es 11hoch3 vor, die Amateure beim Auswärtsspiel in Kassel zu unterstützen und ruft dazu auf, es ihnen möglichst zahlreich gleichzutun.

Bald ist es wieder soweit und unsere TSG gastiert zum 7. Mal beim großen FC Bayern München. Ein Spiel, das jedes Jahr tausende Menschen aus Sinsheim und seiner Umgebung mobilisiert, die sich DAS EVENT nicht entgehen lassen können. Unter dieser Masse, die kaum zu einem anderen Auswärtsspiel aufgebracht werden kann, findet man aber auch einen anderen Teil von Fans. Ein Teil von Fans, die sich auch über den Rest der Saison in den Gästeblöcken der 1. Liga einfindet und nicht unbedingt einen „Triple Sieger“ braucht, um sich für ein Auswärtsspiel von Hoffenheim, mehrere hunderte Kilometer von Zuhause, mit Bus, Bahn und Co zu entfernen. Wiederum davon ein kleinerer Teil sind wir, 11hoch3. Wir, die diese Saison auf das Event „Auswärts bei den Bayern“ verzichten werden.

Wir, die aber doch eigentlich auswärts gut vertreten sind und immer wieder aufrufen, dass die Anzahl von Hoffenheim Fans bei Spielen außerhalb unserer RNA mal wachsen könnte!

Warum wir zum ersten Mal ein Spiel unserer Turn- und Sportgemeinschaft nicht besuchen, wollen wir euch in folgenden Punkten erklären:

-Die Polizei

Die Polizei in München ist der Hauptgrund unseres Verzichts. Jahr für Jahr gab es immer wieder Konflikte mit dieser sowie mit dem USK (Unterstützungskommando), das es nur in Bayern gibt.

So ereigneten sich bei der letzten Begegnung jedoch einige Sachen, die für uns einfach nicht tragbar waren. Dabei mussten wir uns hinterfragen, ob uns ein Spiel der TSG diese Schikanen der „Staatsmacht“ wert sind.

Wir wurden schon beim Aussteigen aus den Bussen mit Sätzen wie „Jetzt seid ihr in München, hier läuft´s anders“ begrüßt. Auf dem Weg zum Stadion wurde uns dann auch letztendlich klar, dass wir in der genannten Stadt angekommen sind. So eine Aggressivität der Polizei kennt man aus keiner anderen Stadt.

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Als man nach lang andauernden Kontrollen (nächster Punkt) endlich im Stadionbereich war, wurde sofort unser Capo festgenommen und von der restlichen Gruppe sowie dem Fanprojekt und der Fanbetreuung getrennt. Wegen seines T-Shirts, das sich gegen die Polizei wendet, wurde er das komplette Spiel in einer kalten Arrestzelle festgehalten. Seinen Pullover bekam er erst nach Spielende wieder, Trinken wurde ihm verwehrt und seine allgemeinen Rechte bei einer Festnahme wurden durch die Aussage „Sie dürfen gar nichts!“ einfach ignoriert.

Noch vor dem Spiel kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, angeführt von einigen Münchnern gegen ein paar unserer Mitglieder. Anstatt eines deeskalierenden Eingriffes der Polizei, wurde so einfach ein Minderjähriger Hoffenheim Fan von zwei Polizisten auf den Boden geschmissen und vorzeitig festgenommen. Auch er durfte nicht von Fanprojekt oder Fanbetreuung begleitet werden. Nach einem Platzverweis musste diese Person den Stadionbereich verlassen.

-Die Einlasskontrollen

Bei den Einlasskontrollen zum Arenagelände handelt es sich immer um lang andauernde Durchsuchungen. Dazu ist der Verein und der Sicherheitsdienst sehr konsequent was erlaubte bzw. verbotene Materialien angeht. Dabei sei zu erwähnen, dass der FC Bayern München einer der ersten Vereine war, welcher Zelte für extra Kontrollen aufgebaut hatte. Zu den Einlasskontrollen sei noch zu sagen, dass diese sehr streng von statten gehen und man sich auch an Körperstellen abtasten lassen muss, an denen es normalerweise nicht erlaubt ist.

-Der Gästeblock

Nichts machen wir lieber, als jedes Wochenende unserem Verein hinterher zu reisen und seine Spiele zu genießen. Doch das ist in München gegen den FCB einfach nicht möglich. Der Gästeblock liegt, wie allen wohl bekannt ist, im Oberrang. Nun gut, Oberrang das wäre jetzt nicht so schlimm, da jedoch die Allianz Arena über drei Ränge verfügt wird man als Gast in das oberste Eck „versteckt“. Das Feld hat man so zwar perfekt im Blick, aber wer nun wirklich da unten spielt kann man leider aus dieser Entfernung nicht erkennen. So ist es schwer, sich vorzustellen, dass die eigene Mannschaft da unten einen öfters mal wahrnimmt. Den Kontakt zu den Spielern nach dem Spiel kann man somit auch vergessen. Des Weiteren handelt es sich hierbei nicht um einen reinen Stehblock. Dieser ist nämlich komplett bestuhlt und somit auch sehr unbequem und viele Fans nehmen (leider) den Sitzplatz gerne an. Was die Gastfreundlichkeit… oh Pardon wir verwenden hier das Wort GastFREUNDLICHKEIT (kaum bis überhaupt nicht vorhanden)… angeht, sind fanatische Fans der Gäste auch nicht gerne gesehen. So sind zum Beispiel Megafon oder Schwenkfahnen nicht erlaubt, Fahnen und Doppelhalter nur bis zu einer Länge von 1,50 m. Ein stimmungsvoller und farbenfroher Support ist damit sehr schwer durchzuziehen.

-Das Event des Jahres

Wie ihr oben schon lesen konntet und es jedem bestimmt bekannt ist, schaffen wir es jedes Jahr in München einen ausverkauften Gästeblock zu stellen. Ob wir darauf stolz sein können? Wohl eher nicht! Viel mehr könnten wir darauf Stolz sein, wenn man dieselben Leute, welche sich nur das Event in München geben können, auch in Hannover, Wolfsburg, Berlin, Leverkusen, usw. antreffen würde. Doch leider ist dies nicht der Fall und wird es voraussichtlich die nächsten Jahrzehnte auch nicht werden. Dass sich die eigentlichen Highlights auch gar nicht in München (OK das letzte Spiel war wohl nicht schlecht, wir waren halt nicht im Block) abspielen, sondern meistens in anderen Städten, interessiert die Meisten auch nicht. Da scheint der Hype um den großen Weltclub FC Bayern München einfach zu groß zu sein. Aber warum genau diese Auswärtsfahrt so viele Menschen anzieht, können wir einfach nicht sagen, denn bis auf die 7:1 Niederlage kann ich mich selbst an kein besonderes Spiel erinnern.

So sei schlussendlich zusammen zu führen, dass wir auf das EVENT „Auswärts bei den Bayern“ einfach keine Lust mehr haben und den gegebenen Repressalien und Schikanen der Polizei aus dem Weg gehen. Dies hat keinen falls was damit zu tun, dass wir unsere Mannschaft im Stich lassen, denn im Gegensatz zu manch anderen sind wir immer für unsere TSG da. Es sind die Punkte, welche hier aufgezählt wurden, die für uns Grund genug sind, auf diese Auswärtsfahrt zu verzichten. Sie mögen einzeln nicht „extrem“ klingen, doch „das Ganze“ macht es nunmal für uns aus.

Da es bestimmt den Einen oder Anderen gibt, der unsere Entscheidung nicht versteht, bitten wir diesen unseren Verzicht trotzdem zu akzeptieren und respektieren, genauso wie wir es machen mit denen, die nach München fahren werden.

Anstatt nach München geht es an diesem Wochenende dann für uns nach Kassel. Dort werden wir unsere Amateure lautstark unterstützen. Gleichgesinnte, die ebenfalls nicht nach München fahren wollen dürfen sich uns gerne anschließen. Macht euer Auto voll, mietet euch einen 9er, egal wie, fahrt mit uns mit und entgeht so dem Münchner Event und der dortigen Polizei!

11hoch3