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National

David gegen Goliath im DFB-Pokal

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 15. August 2014
Quelle: imago

Am kommenden Wochenende startet die erste Runde des DFB-Pokals mit 32 Partien zwischen Mannschaften aus teils unterschiedlichen Spielklassen. Wir haben bei den „kleinen“ Vereinen nachgefragt, wie sie sich auf die Pokalbegegnungen gegen die Bundesligisten und deren Fans vorbereitet haben.

Bleiben wir zunächst beim biblischen Bild, dann steht David für insgesamt fünf weniger bekannte Vereine aus den unteren Ligen. Seine Stadien bieten zusammengerechnet Platz für 47.500 Zuschauer. Goliath, stellvertretend für die Clubs aus der ersten und zweiten Bundesliga, kommt mit insgesamt 215.100 Plätzen daher, wenn er ein Heimspiel hat. Neben dem sportlichen Klassenunterschied also auch infrastrukturell ein ungleiches Duell. Doch David stellt sich dem übermächtig scheinenden Goliath – er weiß um seinen Heimvorteil, doch hat er sich auch ausreichend vorbereitet?

Walldorf, Baden-Württemberg – 15.000 Einwohner

In der ersten Pokalrunde trifft der FC Astoria Walldorf auf den Bundesligisten Hannover 96. Um dem zu erwartenden Zuschauerandrang gerecht zu werden, wurden im Astoria-Stadion Zusatztribünen errichtet. „Wir erwarten insgesamt 3.800 Zuschauer, es wird mit knapp 1.000 Hannover-Fans gerechnet“, sagt uns Marco Monetta, Pressebeauftragter des Regionalligisten. Aufgrund des in Walldorf ungewohnt hohen Zuschaueraufkommens seien besondere Vorkehrungen „in Abstimmung mit dem DFB, der Polizei und dem Sicherheitsdienst“ getroffen worden. Es habe eine „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Verein aus Niedersachsen gegeben. „Unser Fanbeauftragte Andre Neise ist im ständigen Kontakt mit dem Fanbeauftragten von Hannover 96″, gibt man sich in Walldorf zuversichtlich, am Samstag für einen reibungslosen Ablauf sorgen zu können.

Illertissen, Bayern – 16.500 Einwohner

Ein unproblematisches Fußballfest erhofft man sich auch beim FV Illertissen. Der Regionalligist empfängt am Sonntag den SV Werder Bremen zum Pokalspiel. Stephan Müller, Fanbeauftragter des bayrischen Fußballvereins, freut sich auf die Gäste aus Bremen: „Es gab keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen, da die Werder-Fans als besonders freundlich und fair bekannt sind.“ Absprachen mit den Bremer Kollegen habe es im Vorfeld dennoch gegeben: „Mit Werders Fanbeauftragten wurde abgesprochen und genehmigt, was die Fans mitbringen werden, beispielsweise Megaphone, Banner und Fahnen.“ Etwa 10.000 Zuschauer erwartet Stephan Müller und weist abschließend noch auf eine typisch bayrisch-schwäbische Eigenschaft hin: „Bei uns werden noch viele Gäste erwartet, die sich die Karten an der Tageskasse kaufen, da sich viele Schwaben die VVK-Gebühren sparen wollen.“

Waldkirch, Baden-Württemberg – 20.600 Einwohner

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Ebenfalls im Süden Deutschlands, in der Nähe von Freiburg, liegt das beschauliche Waldkirch. Hier trifft der ansässige Sportverein am Samstag im Pokal auf Greuther Fürth, das von etwa 500 Fans nach Waldkirch begleitet wird. „Wir erwarten insgesamt ca. 3.500 Zuschauer zu diesem Spiel“, erzählt uns Andreas Proksch, stellvertrender Abteilungsleiter des Verbandsligisten. Auf Nachfrage ob es auch in Waldkirch besondere Sicherheitsvorkehrungen gab, sagt Proksch: „Es musste ein Sicherheitskonzept dem DFB vorgelegt werden, so schreiben es die Durchführungsbestimmungen vor. Das wurde aber ohne Probleme akzeptiert.“ Probleme unter den Anhängern erwarten die Süddeutschen offenbar nicht. Absprachen mit dem Fanbeauftragten aus Fürth habe es im Vorfeld nicht gegeben.

Berlin-Lichterfelde, Berlin – 82.000 Einwohner

Die Eintracht aus Frankfurt ist am Samstag zu Gast beim FC Viktoria Berlin. Der Regionalligist erwartet bis zu 13.000 Zuschauer, davon 6.000 Berliner, 2.000 Fans aus Frankfurt und 5.000 Eintracht-Anhänger aus dem Berliner Umland. „Ein Heimspiel wird das für uns sicher nicht“, vermutet Viktoria-Pressesprecher Ingo Müller. „Wir haben hier etwa 20 Ultras, die aber auch zu Spielen von Hertha BSC gehen. Ansonsten kommen hier viele Familien mit Kindern zu den Spielen“, erzählt Müller uns. Er selbst kommt aus der Gladbacher Fanszene, deshalb seien ihm die Abläufe vor großen Spielen bekannt. „Ein reger Austausch unter den Fanbeauftragten ist enorm wichtig. Wenn man das nicht macht, kann es zu bösen Überraschungen kommen“, weiß Ingo Müller. Die Polizei habe das Spiel „auf dem Schirm“, Auseinandersetzungen unter den Fans werden aber „höchstens außerhalb des Stadions zwischen Eintracht-Anhängern und Fans von anderen Berliner Vereinen“ erwartet.

Würzburg, Bayern – 125.000 Einwohner

Die Würzburger Kickers erwarten am Sonntag knapp 3.000 Gästefans aus Düsseldorf. Um den Fortuna-Anhängern genügend Platz zu gewähren, wurde in der Flyeralarm-Arena vor der Pokalbegegnung umdisponiert, wie uns Benjamin Hirsch, Vorstand Sport des Regionalligisten, berichtet: „Der Gästeblock wurde aus der Ecke auf die Gegentribüne verlegt und in seiner Kapazität deutlich erweitert.“ Auch in Würzburg sollen die insgesamt 10.000 Zuschauer einen sicheren Fußballabend verbringen können, dazu „wurde extra eine neue Zugangstreppe zum Stadion errichtet“, sagt Benjamin Hirsch. „Auf der Gegengerade wurden die Wellenbrecher erneuert, und die Blockeinteilung geändert.“ Zusätzlich zu den Veränderungen im Würzburger Stadion, habe es „gleich nach der Auslosung einen regelmäßigen Austausch zwischen den Fan- und Sicherheitsbeauftragten der Vereine“ gegeben.

Die Underdogs sind gut gewappnet

David sieht dem Duell mit Goliath am Wochenende angespannt entgegen. Sportlich gesehen, hat er dem großen Kontrahenten vermeintlich nicht viel entgegenzusetzen und wird eine Menge Glück brauchen, um das Aufeinandertreffen für sich zu entscheiden. In allem anderen aber, scheint sich der kleine David ebenbürtig vorbereitet zu haben und ist gut aufgestellt, um den Favoriten Goliath samt Anhang in Empfang zu nehmen.

mo