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National

„Das war Abseits, du Pflaume!“

Autor: rene.gaengler Veröffentlicht: 12. Januar 2015
Quelle: imago

Es ist ein undankbarer Job, aber irgendwer muss ihn machen. Jeden Spieltag schleppen sich aufopferungsvolle Fans auf die Tribünen ihrer Vereine, um den überbezahlten Dilettanten unten auf dem Rasen die Feinheiten des Fußballgeschäftes zu erläutern – wenn nötig auch in etwas weniger feinen Sprache. Dieser Sorte Fan möchte der KSV Hessen Kassel nun ein Denkmal setzen und einen der Motzer zum Maskottchen befördern.

„Du bist seit vielen Jahren anerkannter Fußballlehrer auf der Tribüne und dir fehlt nur die offizielle Lizenz des DFB? Du gehst mit deinen 33 schon seit über 60 Jahren zum KSV? Du hast es schon immer gewusst, dass die Löwen gar nicht aufsteigen wollen? Dann bist du genau der, den wir suchen!“ So wirbt der Regionalligist auf seiner Website für die vakante Stelle. Angesprochen fühlen dürften sich einige, gemeckert wird in den Stadien der Bundesrepublik überall. Dazu noch etwas Kenntnis über den KSV und dem Engagement am Spielfeldrand stünde nichts mehr im Wege.

Meckern gehört in Nordhessen zur Tradition. Auf 11freunde.de berichtet der Pressesprecher des Vereins über die besondere emotionale Situation in der Region: „Bei Hessen Kassel fragen die Fans etwa nach einem 5:0 nicht, wann es so einen tollen Sieg schon mal gegeben hat, sondern sie fragen, warum die Mannschaft nicht 7:0 gewonnen hat.“

Zu den Aufgaben des Chef-Mährers (Mährer ist nordhessisch für Meckerer) gehört neben lautstarken Kommentieren des Spielgeschehens eine regelmäßige Einschätzung des Gesamtgeschehens in Interviewform. Im Gegenzug erhält der Motzki vom Dienst eine komplette Akkreditierung für sämtliche Stadionbereiche.

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Es ist nur recht und billig, dass den Cheftrainern unter den Fans etwas Anerkennung gezollt wird. Traditionelle Maskottchen, seien es Dinosaurier, Hummeln, Zebras oder Ziegen – den Mann auf der Tribüne erreichen sie nicht. Der Chef-Mährer hingegen könnte eine Brücke schlagen zwischen Meckerern und Mannschaft.

Die gesamte Aktion beschert dem KSV kurzfristig vor allem Aufmerksamkeit. Neben regionalen Medien haben auch überregionale Fußballmagazine über die Sache berichtet, bei Twitter und Facebook gab es ein gehöriges Echo. Das Ganze passt zu der Strategie die KSV-Marketingmann Michael Pfeffer ausgerufen hat: In einem Interview auf der Vereinswebsite erklärte er, die Generierung von Aufmerksamkeit habe oberste Priorität, wenn man neue Sponsoren erreichen wolle.

Aufmerksamkeit dürfte den Hessen sicher sein. Die Bewerbungsfrist ist seit dem 3. Januar beendet, bald dürfte also der erste offizielle Chef-Meckerer Deutschlands seinen Dienst antreten.

 

mz