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Hintergründe

„Das ist wirklich wahre Liebe!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Juli 2014
Quelle: imago

Robby Nitzsche ist Dynamo-Dresden-Fan und hat offenbar einen Faible für ehrgeizige Projekte. Wie einige Leidensgenossen steht auch sein Verein bei Michael Kölmel in der Kreide. Der trat in den 90ern als Investor vornehmlich bei abgestürzten Traditionsklubs auf, um ihnen finanziell aus der Patsche zu helfen und sich im Gegenzug Anteile an möglichen späteren Fernsehgeldern zu sichern. 10 Millionen D-Mark ließ sich Kölmel das für Dynamo Dresden kosten. 2015 muss der Drittligist das Darlehen zurückzahlen. Dabei will Nitzsche helfen.

Eigentlich sollte es zwar nicht die Aufgabe von Fans sein, direkt für die finanziellen Drahtseilakte der Vereinsführung geradezustehen, aber der Sachbearbeiter für Heiz- und Betriebskostenabrechnungen sieht das offenbar pragmatisch: Lamentieren hilft nichts, das Geld muss auf den Tisch. Offenbar gibt es in Dynamos Fankreisen einige, die das ganz ähnlich sehen: Erst im Dezember vergangenen Jahres rief er die Faninitiative „Ein Herz für Dynamo“ ins Leben. Ein gutes halbes Jahr später haben sich bereits 412 Personen an der Faninitiative beteiligt und 24.714,40 Euro gespendet. Hinzu kommen Beträge von Unternehmen sowie Erlöse aus Sammelaktionen und Versteigerungen, die noch einmal 13.546,38 Euro in die Kasse gespült haben. In Summe also knapp 40.000 Euro. Doch damit soll natürlich noch nicht Schluss sein. Fanzeit sprach mit Robby Nitzsche über Reaktionen aus der Fanszene, beeindruckende Spenden und warum Dynamo Dresden ein wenig anders tickt.

 

Seit wann gibt es die Initiative, wie entstand die Idee, welche Erfolge konntet ihr bereits verzeichnen, wie viele Leute stecken dahinter?
Die Idee zur Faninitiative entstand 2012, im Anschluss an die Mitgliederversammlung, als wieder jedem Mitglied alle Daten und Fakten des Vereins vor Augen geführt wurden. Es wurde zwar ein respektabler Gewinn eingefahren, jedoch überwog die Erkenntnis, weiterhin die Altlasten des Kölmel-Darlehens im Rücken zu haben. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus und habe die Diskussionen, „wie könnte man das Darlehen von Seiten der Fans reduzieren oder vielleicht begleichen“ in den sozialen Netzwerken verfolgt. Somit kam die simple Idee für ein sogenanntes „Spendenkonto“. Im Anschluss habe ich dann die Sache ins Auge gefasst und ein Jahr daran gearbeitet, bis das Projekt endlich starten konnte. Start war am 19. Dezember 2013 mit einer eigenen Website und Facebookseite im Rücken. Kurze Zeit später hat sich Riccardo bei mir gemeldet und hat mir meine Wunsch-Domain „ein Herz für Dynamo“ (war bis dato in seinem Besitz) an mich übertragen und unterstützt mich heute noch bei der technischen Umsetzung der Website. Nachdem der Verein Dynamo Dresden mit mir ein Interview über die Faninitiative geführt hat, ist das Interesse zum ersten Mal sprunghaft angestiegen, zumal diese nun auch zu den offiziellen Faninitiativen des Vereins gehört. So kam es auch dazu, dass sich mehrere Leute bei mir gemeldet und ihre Hilfe im Bereich Internetauftritt und Marketing angeboten haben. Somit stehen mir neben Riccardo (aus Nordrhein-Westfalen) noch Tino (wohnt in Kulmbach) und Philipp (aus Dresden) zu Verfügung. Diese drei Personen beinhaltet neben mir diese Faninitiative.

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Woher kommen die Spenden und wie groß sind die einzelnen Geldbeträge, also auch: was war die bislang größte?
Die Beträge kommen von Privatleuten und Unternehmen aus Deutschland und auch aus dem Ausland. Weiterhin wurden spezielle Sammelaktionen im Stadion und bei den bekannten Fankneipen durchgeführt. Außerdem unterstützen neben der Dynamo-Fantankstelle und dem Dynamo Fanshop auch weitere verschiedene Online-Shops die Faninitiative finanziell, indem sie einen Teil ihres Gewinns abgeben. Zusätzlich gibt es regelmäßige Versteigerungen von Sammlerstücken und Unikaten. Auf der Website werden hierzu spezielle Übersichten geführt, sodass man jede Person, Institution und Aktion im Einzelnen wiederfinden kann. Der höchste Betrag von einer Privatperson waren bisher 1.000 Euro. Ansonsten geht die Spanne von ein- bis dreistelligen Beträgen. Es gibt auch einige Daueraufträge, sodass man die Beträge Einzelner nie genau beziffern kann, denn sie steigen monatlich um einen Betrag X. Jedenfalls ist sehr oft der klassische Betrag von 19,53 € (Gründungsjahr) vertreten.

 

„Leute wollten ihre liebsten Dynamo-Artikel zur Versteigerung anbieten. Das wäre zu viel des Guten“

Welche Spende hat Dich besonders beeindruckt?
Für mich ist jeder Betrag beeindruckend, egal wie hoch er ist. Gerade die „kleinen Leute“, welche nicht so viel Geld auf dem eigenen Konto haben, wollen oft viel mehr geben. Hierzu hab ich schon die ein oder andere Nachricht erhalten, indem sie als Ersatz ihre liebsten Dynamo-Artikel zum Versteigern anbieten. Das ist wirklich wahre Liebe! Aber das habe ich dann doch dankend abgelehnt, denn das wäre zu viel des Guten. Demnächst wird auch ein Dynamo-Fanclub im Stadion einen vierstelligen Betrag an die Faninitiative übergeben. Auch diese Aktion des Fanclubs spricht für sich, absolut einmalig!

Wie viel Zeit nimmt die Sache in Anspruch und was treibt einen an, sich derart für so eine Aktion zu engagieren?
Diese Frage, wieviel Zeit dieses Projekt in Anspruch nimmt, wurde mir schon so oft gestellt. Und doch kann ich sie nicht beantworten. Schon die Vorbereitung hat fast genau ein Jahr gedauert. Fakt ist, dass man täglich damit beschäftigt ist, denn irgendwie macht man sich überall und zu jedem Zeitpunkt seine Gedanken, wie man die Faninitiative weiter voranbringt. Ansonsten wird täglich der Kontostand mehrmals auf der Website aktualisiert, die Namen der Spender eingepflegt, E-Mails beantwortet, Aktionen geplant und organisiert, und und und … das alles kann man nicht beziffern, jedoch bin ich extrem froh ein Team im Rücken zu haben, das mir die ganze Öffentlichkeitsarbeit, Präsentation, Internetauftritt auf Facebook abnimmt und sehr gut meistert. Aber egal, wen man in unserem Team die Frage nach dem „Warum machst du das“ stellt, er wird sie dahingehend beantworten, dass es einfach eine Herzensangelegenheit ist und das spiegelt sich in dieser Faninitiative hervorragend wider. Jeder gibt wirklich täglich sein Bestes und sponsert auch gern mal selbst die ein oder andere Aktion, um ganz einfach das Projekt weiter zu pushen.
Weiter auf Seite 2: „Alles hinzuwerfen und damit aufzuhören gibt es nicht!“

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