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National

Das ging ab: Die Fanaktionen des Wochenendes

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 29. September 2014

Wichtig ist im Stadion. Die Kurve bietet Fans ein Forum für Meinung, Kritik oder sogar Kondolenz. Fanzeit hat eine Auswahl der buntesten Choreos, besten Sprüche und aufsehenerregendsten Fanaktionen des Wochenendes zusammengestellt.

 

RB-Leipzig-Protest in Düsseldorf

Berlin hat mal wieder Trends gesetzt. Auch im modebewussten Düsseldorf haben sich die Anhänger von Union Berlins Beispiel inspirieren lassen. Ein Großteil der Fans gewandete sich beim Heimspiel gegen RB Leipzig in schwarze Müllsäcke und schwieg während der ersten zehn Minuten. Das Sprechen überließen die Düsseldorfer einem großen Spruchband. Darauf zu lesen: „Der Untergang des Fußballs“. Eine Auswahl weiterer Banner: „Gegen Rote Dosen“, „Kein Fußball mit Red Bull.“ Die Ultra-Gruppe „Dissidenti“ wiederum erlaubte sich ihre eigene Haltung zur Diskussion um den Retortenklub und verlautbarte: „Bullen sind scheiße – Das Problem ist das System“. Auf ihrer Website hat die Gruppe ein ausführliche Stellungnahme veröffentlicht und ihre Haltung zu der Kritik an RB Leipzig herausgestellt. Tenor: „So scheiße wir Red Bull auch finden – das Problem ist das System. Die Ultras Düsseldorf befestigten ihre Zaunfahnen derweil verkehrt herum.

Der Düsseldorfer Stadion-DJ hat derweil Musik sprechen lassen, unter anderem ließ er Chopins Trauermarsch über die Boxen des Düsseldorfer Stadions laufen. Fortunas Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Kall hat sich gegenüber der Bild-Zeitung für diese „Pietätlosigkeit“ bereits entschuldigt. Nach anfänglichem Schweigen war die Stimmung dann aber doch ganz ordentlich…

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings, dass sich auch die RB-Fans mit einem Spruchband gegen Rassismus positioniert haben. Unterstützung erhielten die Gäste aus Sachsen dabei unter anderem vom 1. FC Köln. Ein Anhänger des großen Rheinrivalen hatte unter anderem eine Zaunfahne des Klubs im Gästeblock angebracht.

 

Commando Cannstatt (VfB Stuttgart)

Über wenige Fangruppen wurde in den vergangenen Tagen so viel gesprochen wie über die Ultras des VfB Stuttgart. Sprichwörtlich auf „Commando“ schienen die Verantwortlichen des VfB unter der Woche zu der Einsicht gelangt, dass Sportdirektor Fredi Bobic den kommenden Ansprüchen nicht mehr genügt und trennten sich unter einigermaßen nebulösen Umständen von dem ehemaligen Nationalspieler. „Bobic und Wahler (Bernd, VfB-Präsident, d. Red.). Wer seinen Aufgaben nicht gewachsen ist, muss gehen“ war auf einem der Spruchbänder zu lesen, nebst ausführlicher Bilanz (37 Spiele, 33 Punkte), die aber wohl vielmehr ursächlich für den Rauswurf gewesen sein dürfte. Neben einer starken Choreografie „Wenn die ganze Kurve tobt schlägt mein Herz in Weiß und Rot“ nahmen die VfB-Anhänger beim Heimspiel gegen Hannover 96 erneut Stellung zur Vereinspolitik und verabschiedeten sich zunächst von Bobic: „Fredi, es war Zeit zu gehen! Trotzdem danke für Deine Verdienste und Treue zum VfB!“ Gleichzeitig mahnten sie aber auch an, dass Bobic möglicherweise nicht viel mehr als das vielzitierte Bauernopfer sei. „Bobic raus und was nun?“ fragte ein Spruchband. Und das „Commando Cannstatt“ merkte an: „Vorstand und Aufsichtsrat: Die Probleme jetzt anpacken und nicht weiter schlafen!“ Fortsetzung folgt.

Abschied von Street-Art-Künstler

Der St.-Pauli-Fanclub „Brigade Zero“ nahm mit einem Spruchband Abschied von dem kürzlich verstorbenen Street-Art-Künstler „OZ“. Der Künstler, der unter anderem für den Kiezklub gesprayt hatte, war bei einem Ausflug auf den Gleisen in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofes am vergangenen Donnerstag von einer S-Bahn erfasst worden. Die Pauli-Anhänger gedachten ihn mit einem entsprechend bunten Spruchband: „In unseren Herzen bleibst Du bunt. OZ, R.I.P.“ Die „USP“ hielten es schlicht mit einem Herzen, daneben „OZ“.

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Fragen kostet nichts

Die derzeit nicht eben erfolgsverwöhnten Anhänger des FSV Frankfurt fragten mal ganz dezent nach: „Platz 18, 15 Gegentore. Ist das euer Ernst?“ Ob das 3:3 gegen St. Pauli die Frage beantwortet hat, darf man allerdings bezweifeln.

Sachsenderby

Wenn Dynamo Dresden auf den Chemnitzer FC spielt, muss man nicht viel mehr Worte verlieren. Fast schon erwartungsgemäß spektakulär nahm sich die Choreo der Dresdner Anhänger aus. Wirklich gastfreundlich war der zugehörige Text allerdings erwartungsgemäß nicht: „Ob asoziale Chemnitzer, Schachter oder Leipziger Schweine. In Sachsen regiert Dynamo alleine.“

SAM-Preisträger unter sich

In Augsburg trafen sich zwei im Wortsinn ausgezeichnete Bundesligisten. Hertha BSC und der FC Augsburg hatten hintereinander das Spieltagsansetzungsmonster (SAM) für die Fans mit der weitesten Anreise in den Monaten September und Oktober gewonnen. Beim Aufeinandertreffen am Sonntag warben beide mit Spruchbändern für die Einführung der 300-Kilometer-Regel. „Für fangerechte Anstoßzeiten. Samstag 15:30 Uhr“, forderten die Herthaner. Und auch der Augsbuger Anhang listete noch einmal detailliert die weitesten Anfahrtswege an Spieltagen außerhalb des beliebten Samstags auf, um schließlich zu fordern: „Führt endlich die 300-Kilometer-Regel ein!“

 

Sitzstreik in Regensburg

Wenn’s nicht läuft, muss man eben manchmal sitzen. Anhänger des SSV Jahn Regensburg hatten mit einzelnen Buchstaben das Wort „Krisensitzung“ an ihren Block getackert und nahmen beim Spiel in Regensburg vorerst dahinter Platz. Später entfernten sie die „Sitzung“ aus der Krisensitzung und erhoben sich von ihren Stehplätzen. Die „Krise“ hat jedoch auch nach Abpfiff der 0:2-Niederlage in Regensburg weiter Bestand.

P.S.

Nach dem direkten Aufeinandertreffen in Leipzig, das ein Großteil der Karlsruher Anhänger ohnehin boykottiert hatte, ließen die KSC-Fans nun noch einmal wissen: „Karlsruhe sagt Nein zu RB!“ Botschaft angekommen!

Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil

Der 1. FC Köln präsentierte sich beim Heimspiel gegen Bayern München auf den Rängen allemal reif für internationale Weihen. Polyglott oder zumindest fit in Kölsch sollte aber sein, wer verstehen wollte, was die „Effzeh“-Fans vor dem Spiel gegen den Rekordmeister vermitteln wollten. Teil der Choreo auf der Südkurve waren zwei Spruchbänder: „Wer en dä Südkurv opjewaasse, dä blieht ruut-wiess bess en et Jraav. FC jeff Jas. He weed nit resigniert.“ Half aber alles nichts. Am Ende gewann der FC Bayern ziemlich souverän.