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Interviews

Das geteilte Herz – Fan von zwei Vereinen

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 29. August 2014
Quelle: imago

Hin und wieder begegnet man Fußballfans die unüblicherweise nicht nur einen Verein unterstützen, sondern gleich für zwei Mannschaften schwärmen. Jedes Mal stellt sich dann die Frage: Kann man wirklich Anhänger von zwei Vereinen sein? Fanzeit sprach mit einem dieser seltenen Exemplare.

Fanzeit: Du sagst, dass du dich zwei Bundesligavereinen gleichermaßen zugehörig fühlst. Welche sind das und wie kam es dazu?

Als kleines Kind wurde ich Fan von Werder Bremen, weil ich schlichtweg die Trikots am schönsten fand. Da ich in Dortmund geboren wurde und meine Familie komplett den Schwarzgelben verschrieben ist, gab es von jeher immer wieder Versuche, mich „rüber zu holen“. Als Werder dann 1994 mit 0:5 gegen den FC Porto unterging und ich am Boden zerstört war, wurde die Situation gnadenlos ausgenutzt. Meine Mutter und mein Bruder machten mir die Borussia schmackhaft und zogen mir zum Trost gleich ein Trikot über. Von da an gab es dann zwei Vereine in meinem Leben.

 

Du machst aus deinem „Doppelleben“ kein Geheimnis – welche Reaktionen von anderen Fans hast du schon erlebt?

Die meisten sind der Ansicht: „Das geht garnicht, es kann nur einen Verein geben.“ Ich kann das zum Teil auch nachvollziehen, schließlich handelt es sich in meinem Fall um direkte Konkurrenten in der Bundesliga. Wenn ich den Leuten dann allerdings erzähle, wie es zu dem geteilten Fan-Dasein gekommen ist, zeigen die meisten letztlich doch Interesse und Verständnis für diese besondere Begebenheit.

 

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Wie gehst du mit der Situation um, wenn Dortmund und Bremen aufeinander treffen?

Eine Zeit lang war das wirklich nicht einfach und es hat sich merkwürdig angefühlt, wenn der BVB und Werder gegeneinander spielten. Ich erinnere mich an die Saison 2002, als Dortmund Meister wurde weil sie 2:1 gegen Bremen gewannen. Die Freude über die Meisterschaft hat natürlich überwogen, aber ich muss zugeben, dass ich mich nicht zu hundert Prozent freuen konnte. Mittlerweile sehe ich das aber entspannter und freue mich einfach über jedes gefallene Tor – auch wenn Werder zuletzt fast immer das Nachsehen hatte.

 

Bist du schonmal Gleichgesinnten begegnet, die ebenfalls Fan von zwei Vereinen sind?

Es gibt ja viele Fans, die mit anderen Vereinen sympathisieren und zu ihnen halten, wenn sie nicht gegen den eigenen Club spielen. Diese Sympathieclubs sind dann oft dieselben: Freiburg, St. Pauli, Celtic oder Liverpool. Ansonsten habe ich bisher nur einen anderen Anhänger von zwei Mannschaften kennen gelernt. In seinem Fall sind das Dortmund und 1860 München.

 

Hand aufs Herz – wenn du dich zwischen Dortmund und Bremen entscheiden müsstest…

… dann würde ich demjenigen der mir diese Entscheidung aufzwingen will erklären, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt – sondern zum Beispiel auch schwarzgelb und grünweiß.

mo